Wirtschaftsrat Sachsen: Bitte kein zweiter "Transrapid-Moment" in der Energiepolitik!
Der Dual Fluid Reaktor als mögliche Lösung?
Dresden (ptp018/30.06.2026/11:40)
Die jüngste Fachveranstaltung des Wirtschaftsrates Sachsen am 25. Juni 2026 zum Dual-Fluid-Reaktor hat eines deutlich gemacht: Deutschland verfügt über eine weltweit beachtete Zukunftstechnologie, droht aber erneut, ihre industrielle Umsetzung anderen Staaten zu überlassen. Während der Demonstrationsreaktor in Ruanda vorbereitet wird, verharrt Deutschland in einer ideologisch geprägten Energiepolitik.
Die Realität ist ernüchternd. Trotz des milliardenschweren Ausbaus von Wind- und Solarenergie zählt Deutschland weiterhin zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen Europas. Bei Dunkelflauten und geringer Einspeisung erneuerbarer Energien kommt es regelmäßig zu erheblichen Preisspitzen am Strommarkt. Dies verdeutlicht nach Auffassung des Wirtschaftsrates Sachsen die Notwendigkeit verlässlicher, regelbarer Grundlast.
Es fehlt nach Auffassung vieler Befürworter moderner Kerntechnik eine vergleichsweise geringe Anschubfinanzierung von rund 100 Millionen Euro für die Entwicklung einer Schlüsseltechnologie "Made in Germany".
Dr. Dino Uhle, der Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates in Sachsen, ist sich sicher: "Deutschland steht vor einer Richtungsentscheidung. Entweder bleibt das Land Zuschauer, während andere Nationen deutsche Spitzentechnologie industrialisieren – oder es investiert jetzt entschlossen in Forschung, Demonstration und Genehmigung. Ein neuer 'Transrapid-Moment' darf sich nicht wiederholen. Für den Freistaat Sachen böte sich hier die einmalige Gelegenheit, voranzugehen und die Errichtung einer Dual Fluid-Versuchsanlage auf sächsischem Boden zu initialisieren, ansonsten werde der Demonstrationsreaktor in Ruanda errichtet und wichtige Forschungsaktivitäten würden ins Ausland verlagert. Der Freistaat Sachsen verfügt unter anderem mit seinem kerntechnischen Forschungsstandort Dresden-Rossendorf über das entsprechende Know-how und ideale Bedingungen für eine entsprechende Demonstrationsanlage. Ministerpräsident Kretschmer könnte auf diese Weise seiner Aussage vom April 2026 Taten folgen lassen, worin er sich gegen Denkverbote und für eine ernsthafte Prüfung für neue Formen der Kerntechnologie ausgesprochen hat, wenn diese sicher, wirtschaftlich und klimafreundlich sind. All diese Eigenschaften erfüllt der Dual Fluid Reaktor."
Der Wirtschaftsrat Sachsen fordert Bund und Länder deshalb auf, technologieoffen zu handeln, ideologische Denkverbote zu überwinden und die Entwicklung moderner Kerntechnik in Deutschland zu ermöglichen. Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer die Zukunft des Industriestandortes sichern will, muss jetzt den Mut haben, neue Wege zu gehen und "strategische Fehler" nicht nur zu konstatieren, sondern diese auch zu korrigieren.
Vorteile des Dual-Fluid-Reaktors aus Sicht des Wirtschaftsrates Sachsen
Der Dual-Fluid-Reaktor der fünften Generation der Kerntechnologie verspricht – sofern sich die erwarteten technischen Eigenschaften im industriellen Maßstab bestätigen – erhebliche Vorteile: Nutzung abgebrannter Kernbrennstoffe als Ressource, sehr hohe Leistungsdichte, passiv-inhärente Sicherheit durch Selbstregelung ohne mechanische oder elektronische Komponenten (keine Kernschmelze), flexible Regelbarkeit, deutlich geringerer Flächenbedarf, erhebliche Verringerung langlebiger radioaktiver Reststoffe sowie ein sehr hoher energetischer Erntefaktor (EROI). In Kombination, mit der ebenfalls von den Entwicklern vorgeschlagenen pyrochemischen Aufarbeitungsmethode, kann ein geologisches Endlager vollständig entfallen und überdies der bereits vorhandene abgebrannte Kernbrennstoff theoretisch über Jahrzehnte zur Energieversorgung Deutschlands beitragen. Als Hochtemperaturreaktor ist Dual Fluid überdies in der Lage, Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe zu konkurrenzfähigen Kosten zu produzieren.
Sollten sich die mit dem Dual Fluid Reaktor verbundenen Erwartungen erfüllen, könnten perspektivisch Stromgestehungskosten von wenigen Cent pro Kilowattstunde erreicht, fossile Energieimporte reduziert und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland gestärkt werden. Mit synthetischen Kraftstoffen könnte Dual Fluid auch den gesamten Sektor der Mobilität transformieren. Ebenso wäre es möglich, dass künftige Anlagen aufgrund ihrer kompakten Bauweise auch unterirdisch errichtet werden könnten und damit zusätzliche Resilienz gegenüber Angriffen auf kritische Infrastruktur böten.
| Aussender: | Wirtschaftsrat der CDU e.V. – Landesverband Sachsen |
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