pte20000608012 in Leben
Wäsche waschen mit dem Schwamm
Meeresbewohner zerlegen schwer abbaubare Eiweiße
Mainz (pte012/08.06.2000/11:15)
Nicht nur zum Rückenschrubben ist ein Schwamm geeignet. Zoologen von der Mainzer Uni http://www.uni-mainz.de/ interessieren sich allerdings für die Lebewesen, die die Schwämme im Meer aufgebaut und in ihnen gelebt haben. Sie wollen sie als Gehilfen beim Wäschewaschen oder beim Vernichten von Krabbenschalen einsetzen. Dass Schwämme für den Mediziner eine wahre Goldgrube sind, weiß die Forschung schon länger. Aus ihm werden Stoffe mit entzündungshemmender, Anti-Viren- und Anti-Tumor-Wirkung erzeugt.Werner Müller, Professor am Institut für Physiologische Chemie der Universität Mainz, konnte im Schwamm jetzt eine Möglichkeit zur Zerlegung schwer abbaubarer Eiweiße entdecken: "Wir haben ein Enzym gefunden, das auch bei 90 Grad Celsius noch die Zerstörung dieser schwer abzubauenden Makromoleküle tätigen kann." Dieses Enzym kann zum Beispiel beim Waschen bei höheren Temperaturen hartnäckige Eiweißflecken entfernen. Normale Enzyme sind da nutzlos, weil sie nur bis etwa 40 Grad wirksam sind.
Neben hochbeständigen Eiweißen gibt es noch ein anderes Makromolekül, dem Werner Müller zuleibe rücken will: Chitin, der Stoff, aus dem die Panzer von Krebsen und Insekten bestehen. er gehört zu den beständigsten Materialien der Natur. Mit Hilfe von Chitinspaltern, sogenannten Chitinasen, könnte man die wachsenden Müllberge der Shrimps-Industrie in den Griff bekommen. Und gerade weil Chitin so beständig ist, könnten seine Spaltprodukte Ausgangsmaterial für interessante Werkstoffe sein. Die Idee, in Schwämmen nach Chitinspaltern zu suchen, ist naheliegend, weil Schwämme kleine Krebse aus dem Plankton fressen.
Tatsächlich ließen sich Chitinasen bei Schwämmen nachweisen. Um sie herstellen zu können, ohne Schwämme ernten zu müssen, spürten die Mainzer Forscher die Gene auf, die dafür sorgen, dass der Schwamm die Chitinasen bilden kann. Werner Müller erklärt: "Wir müssen die Erbinformationen in der richtigen Reihenfolge in Bakterien hineinbringen, so dass wir die Bakterien in die Lage versetzen, diese bioaktive Substanz selbst herzustellen." Auf diese Weise lassen sich die Enzyme dann schnell und in großer Menge gewinnen und weiterverarbeiten. (dradio) (Ende)
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