pts20001120053 in Forschung
Usability entscheidet über nächsten US-Präsidenten
Schlechtes Design eines Wahlzettels kostet Gore Stimmen
Wien (pts053/20.11.2000/15:45)
Dass Usability in allen Bereichen menschlicher Belange - selbst in basis-demokratischen Abläufen - eine wichtige Rolle spielt, haben die letzten US-Präsidentschaftswahlen nur allzu deutlich gezeigt. Es könnte sogar sehr gut möglich sein, dass ein schlecht gestalteter Wahlzettel in einem Wahlbezirk in Florida dem Präsidentschaftskandidaten Al Gore seine Präsidentschaft kostet.Grund des Übels ist ein "einfacher" Wahlzettel. Schlechtes Design und Unübersichtlichkeit machten es unmöglich, dass auf dem Ballot weder die Namen aller Kandidaten noch die jeweiligen Stanzlöcher in einer Spalte Platz fanden. Zusätzlich wurden die Namen der Kandidaten und die dazugehörigen Stanzlöcher nicht "logisch" zugeordnet. So passierte es, dass statt des Wunsch-Kandidaten ein anderer markiert wurde, weil dem gewählten Kandidaten das falsche Stanzloch zugeordnet wurde. Bei dem Versuch, den Fehler zu korrigieren, wurde vielfach noch das "richtige" Wahlloch gestanzt - und dadurch von der Zählmaschine als ungültig aus dem Wahlverfahren ausgeschlossen.
Das peinliche "Missgeschick" der US-Wahlbehörden in Florida dient nun - trotz ihrer fundamentalen Gewichtigkeit - weltweit der allgemeinen Belustigung. Böse Zungen verweisen mitunter auf die "Unfähigkeit" des Wählers, für den "richtigen" Kandidaten die Stimme abgeben zu können. Die Wahl demonstriert aber auf beste, wenn auch in ihren Auswirkungen sehr massiven, Weise ein hervorragendes Beispiel für Usability.
Usability bezeichnet die leicht handhabbare und klare Benutzerorientierung eines Systems, eines Geräts, einer Anwendung. So ist in diesem Fall nicht der Wähler Schuld an falsch ausgefüllten Wahlzettel. Der Wahlzettel MUSS so gestaltet sein, dass der Wähler problemlos und einfach für seinen Kandidaten stimmen kann.
Das Problem in diesem speziellen Fall stellt sich in Palm Beach/Florida als einfaches Designproblem dar und die Lösung dazu ist eigentlich sehr einfach: ein Usability-Test im Vorfeld mit simuliertem Wahlverfahren vor der Verteilung der Wahlzettel hätte gereicht, um auf Irrtümer wie die geschehenen, aufmerksam zu werden und die nachfolgenden Wahlstrittigkeiten zu vermeiden. Die USA hätten ihren neuen Präsidenten und hätten sich ein peinliches Politschauspiel erspart, an dem die ganze Welt halb belustigt, halb verwundert, Teil nimmt.
Usability-Institutionen, wie zum Beispiel CURE - Center for Usability Research & Engineering ( http://www.cure-vienna.org ) in Wien, könnten helfen, Fehler wie diese in Zukunft zu vermeiden. Sie beschäftigen sich schon seit langem damit, Usability Aspekte und ihre methodische Umsetzung in den verschiedensten Lebensbereichen zu motivieren und zu integrieren.
Das Beispiel der amerikanischen Ballots zeigt das enorme Potenzial von Usability und ihr Einwirken auf eine Vielzahl von Lebensbereiche. Aber nicht nur in Amerika, auch hierzulande trifft man immer wieder Möglichkeiten, das Leben der "Formularbenutzer" durch Einbeziehen von Usability-Methodiken bedeutend zu erleichtern. (Ende)
| Aussender: | CURE - Center for Usability Research & Engineering |
| Ansprechpartner: | Birgit Rabl |
| Tel.: | 043.1.743 54 51 |
| E-Mail: | rabl@cure-vienna.org |
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