pte20000215027 in Forschung
U-Bahn ohne U-Bahn-Fahrer
Berlin setzt auf Computer - Wien bleibt beim herkömmlichen Lokführer
Berlin/Wien (pte027/15.02.2000/15:24)
Die neuen Berliner U-Bahn-Züge werden keinen physischen Fahrer mehr haben. Ein Computer wird die Züge automatisch steuern und von Station zu Station fahren. Das Beispiel funktioniert bereits in einigen Städten: der Pariser Orly-Express, der zum Flughafen fährt, die Docklands Light Railway in London http://www.xs4all.nl/~dodger/routes.htm , die Covered Linkway SLRT in Singapur http://www.slrt.com.sg und die PUTRA in Kuala Lumpur http://www.putralrt.com.my sind nur einige Beispiele. Wiener U-Bahnen werden dagegen auch in Zukunft nur mit Fahrer unterwegs sein.Die neue Generation der Wiener U-Bahn Züge, die bereits heuer in Testbetrieb gehen werden, könnten, so Johann Ehrengruber, Pressesprecher der Wiener Linien, auch ohne U-Bahn-Fahrer auskommen. "Es ist eher unwahrscheinlich, dass die neuen U-Bahn-Züge fahrerlos betrieben werde. Der Fahrer dient auch als Kundenbetreuer. Wir sehen diese persönliche Betreuung als Qualitätsmerkmal", meint Ehrengruber http://www.wiener-linien.at gegenüber pressetext.austria. Die Einstellung des Publikums zur Technik sei nicht stark genug, daher wäre der physisch anwesende Fahrer eine Unterstützung der psychologischen Situation der Fahrgäste, die in einem Tunnel unter der Erde in einem Zug sitzen.
Die U-Bahn Züge, die zum Pariser Flughafen Orly unterwegs sind, sind nicht nur ohne Fahrer, sondern auch ohne Frontscheinwerfer unterwegs. Die Erklärung der Verkehrsbetriebe ist einfach: Der Computer, der das Fahrzeug steuert, benötige kein Licht. Überall, wo Schienen liegen, denken die Manager über einen voll-automatischen Betrieb nach. Berlin testet seit November, derzeit noch ohne Passagiere, die führerlose U-Bahn. 2006 sollen sich zahlende Fahrgäste dem Computer auf Schienen anvertrauen. Diese fünfjährige Übergangsphase wird gebraucht, um den Betrieb langsam auf fahrerlose Züge umzustellen und gleichzeitig die Bahnsteige mit der notwendigen Überwachungselektronik auszurüsten.
"Die Technik ist überhaupt kein Problem", sagt Hans-Heino Dubenkropp, der für den Betrieb zuständige Vorstand der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG http://www.bvg.de . Da das Fahrzeug von Schienen geführt wird, muss die Elektronik im Prinzip nur beschleunigen und bremsen. "Im Grunde entlastet man den Fahrer von der ermüdenden Aufgabe, alle 90 Sekunden den Fahrtregler auf- und zuzumachen". Probleme in der Automatisierung, so die BVG, gebe es höchstens im alltäglichen Störfall: Betrunkene, die vom Bahnsteig stolpern, Schüler, die etwas auf die Schienen werfen oder Selbstmörder, die sich vor die Räder stürzen.
Die Lösung dafür wäre ein dichtes Netz von Lichtschranken über das gesamte Gleisbett im Bahnhofsbereich. Wird einer der unsichtbaren Infrarotstrahlen von einem Fremdkörper unterbrochen, stoppt der einlaufende Zug sofort. Gleichzeitig erfassen TV-Kameras die Situation und alarmieren die Leitzentrale. "Selbstmörder werden wir damit nicht aufhalten können", weiß Dubenkropp. Das könne aber nur bei vollkommen geschlossenen U-Bahn-Bahnsteigen, wie es sie beispielsweise in Singapur gibt, passieren. Dort ist der Gleiskörper durch Glaswände abgetrennt. Wenn der U-Bahn-Zug eingefahren ist, öffnen sich Türen, die in die gläsernen Wände eingelassen sind.
Weitere Informationen http://www.bvg.de/news/news.html (Ende)
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