Türkei schützt UNESCO-Welterbe mit Drohnen
Moderne Denkmalpflege in der antiken Stadt Sardes durch Überwachung aus der Luft
Wien (pts027/07.10.2026/16:10)
Zum Schutz vor Grabräubern, Plünderern und Kunstdieben werden immer häufiger hochtechnische Überwachungssysteme installiert. Die Türkei hat nun für eines ihrer bedeutendsten Ausgrabungsstätten, die antike Stadt Sardes und die lydischen Grabhügel von Bin Tepe in der Provinz Manisa, ein Zentrum für Luftüberwachung und Sicherheit eingeweiht. Die UNESCO-Welterbestätte wird damit von Drohnen überwacht, die über Langstrecken- und Nachtsichtfunktionen verfügen, um das unschätzbare Erbe vor illegalen Ausgrabungen und dadurch verursachten Schäden zu schützen.
Sardes war einst die Hauptstadt der Lyder, die für ihren Reichtum und die frühe Münzprägung bekannt war. Das nahegelegene Bin Tepe, die königliche Nekropole, gilt als eines der größten antiken Gräberfelder der Welt. Die Totenstadt erstreckt sich über fast 75 Quadratkilometer und umfasst mehr als 120 Grabhügel (Tumuli). Sardes und Bin Tepe wurden 2025 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen, da sie herausragende archäologische Zeugnisse lydischen Kultur in Anatolien darstellen.
Drohnentechnologie zur Denkmalpflege
Die von Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy eröffnete Beobachtungsstelle wird das weitläufige Gelände rund um die Uhr überwachen, um illegale Grabungen und Schatzsucherei zu unterbinden. In seiner Eröffnungsrede betonte der Minister, dass mögliche Bedrohungen frühzeitig erkannt, abgeschreckt und abgewendet werden müssen, um damit sicherzustellen, dass gefundene Artefakte im Land bleiben. Er sieht das Pilotprojekt zudem als Teil künftiger Strategien zur Denkmalpflege.
Die Türkei stützt ihren Ansatz zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Kulturgütern auf drei Grundpfeiler: Prävention, internationale Zusammenarbeit und Rückführung. Das neue Überwachungszentrum in der antiken Stadt Sardes – entstanden durch die Renovierung des ehemaligen Grabungshauses nahe dem Karnıyarık Tepe mit Blick auf die Bin-Tepe-Grabhügel – ist ein konkretes Beispiel für die Präventionsarbeit des Landes.
Das Zentrum ist mit zwei Langstrecken-Drohnensystemen (UAV) ausgestattet, die über Nachtsichtfunktionen verfügen; die Reichweite der Überwachung wird zudem durch drei Antennensysteme verstärkt. Überwachungsstationen, Großbildschirme und Sicherheitskameras sind bereits in Betrieb, das zuständige Sicherheitspersonal hat eine Ausbildung zum Drohnenpiloten absolviert. Verdächtige Aktivitäten werden so umgehend an die Gendarmerie gemeldet, damit diese sofort eingreifen kann.
Internationale Zusammenarbeit
Im Kampf gegen den Schmuggel historischer Artefakte arbeitet die Türkei mit der UNESCO, Interpol, der Weltzollorganisation und dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) zusammen. Die 2021 mit den USA unterzeichnete Absichtserklärung, die Einfuhrbeschränkungen für Kulturgüter regelt, wurde 2026 um fünf Jahre verlängert. Darüber hinaus haben Ermittlungen und Rechtsverfahren gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft von Manhattan und der US-Bundesbehörde Homeland Security Investigations (HSI) maßgeblich dazu beigetragen, die Rückführung von Kulturschätzen in die Türkei voranzubringen.
Rückführung von 13.474 Kulturschätzen
In punkto Rückführung spüren die türkischen Behörden unermüdlich ins Ausland geschmuggelte Artefakte auf, ganz gleich, wo auf der Welt sie sich befinden.Seit 2002 hat die Türkei die Rückgabe von 13.474 Kulturgütern erwirkt – allein 9.159 davon in den letzten acht Jahren, wie Minister Ersoy bei der Eröffnung des Zentrums bekannt gab.
Zu den bedeutendsten Rückführungen zählt die Bronzestatue des Mark Aurel aus antiken Stadt Boubon (Provinz Burdur) aus den USA. Architektonisch wertvolle Terrakotta-Platten aus Düver konnten ebenso aus den USA wie aus Dänemark zurückgeholt werden, aus Großbritannien und Spanien sichergestellte İznik-Fliesen und aus der Schweiz urartäische Bronzen. Der aus Großbritannien repatriierte Kopf des Eros wurde wieder mit dem Sidamara-Sarkophag vereint. Aus den USA rückgeführt wurde außerdem ein Mosaikfeld aus Zeugma, die Niederlanden gaben eine Inschrift der Bozgoca-Moschee in Şile zurück.
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