pts20001205022 in Leben
The Original Five Blind Boys in der Schweiz: Das Interview
"Das Spiritual Feeling treibt uns an. Wir wollen den Leuten sagen, dass Gott noch lebt".
CH-8713 Uerikon (pts022/05.12.2000/11:53)
The Original Five Blind Boys of Mississippi zählen zu den berühmtesten Gospelgruppen der Welt. Seit über 55 Jahren sind sie auf Tournée, vorwiegend in den schwarzen Kirchen der USA.Am 12. Dezember starten sie ihre Schweizer Tournée mit Auftritten in:
12.12.00 Casino Frauenfeld
13.12.00 Salle de Musique, La Chaux-de-Fonds
14.12.00 Eglise Nôtre Dame, Lausanne
15.12.00 Kirche St.Karl, Luzern
16.12.00 Kongresshaus Zürich (zusammen mit den Jackson Singers)
17.12.00 Tonhalle St.Gallen
18.12.00 Stadtkirche Liestal
19.12.00 Kreuzsaal Jona
20.12.00 Konzertsaal Solothurn
21.12.00 cts Konzertsaal Black Box, Biel
Tickets: Alle Ticketcorner-Vorverkaufsstellen sowie über Tel. 0848 800 800.
Telefoninterview mit den Original Five Blind Boys vom 24.11.00
Interview von Martin Wüthrich mit Leadsänger Sandy Foster
Hallo Sandy, wie freuen uns auf eure Auftritte in der Schweiz. Erzähl mal, wie ist es, nach Europa zu kommen? Gibt es Unterschiede zu Auftritten in den USA?
Wir waren eine lange Zeit nicht in Europa (Anm. 30 Jahre), aber durch unseren Kontaktmann in Deutschland hat sich das 1996 wieder geändert. Ich mag beides, Europa und die Staaten. In den Staaten verstehen die Leute unsere Texte, in Europa läuft die Botschaft mehrheitlich über Gefühle, über den emotionalen Kontakt zwischen uns und dem Publikum. Ich finde beides gut. Ich singe in Europa genau so gern wie in den Staaten.
In Europa ist Gospel so eine Art Saisonmusik, die man zur Weihnachtszeit hört. Stört euch das nicht?
Nein, überhaupt nicht. Aber ich würde natürlich gern mal im Sommer nach Europa kommen. Immer, wenn wir in Europa sind, hat es Schnee und ist kalt. Das wäre schon mal ein Grund für eine Sommertournee.
Ich frage eigentlich deshalb, weil Gospel eine spirituelle Musik ist, und Spiritualität ist doch nichts Saisonales, oder?
Das ist okay, wenn die Leute nur an Weihnachten Gospel hören, aber ich würde doch lieber mal im Sommer kommen. So singe ich abends an Konzerten, sitze tagsüber im Hotelzimmer.
Apropos Hotelzimmer. Weshalb tut ihr euch den Tourneestress überhaupt noch an?
Was hält eure Band nach all dieser Zeit noch auf Trab?
Unser Antrieb kommt aus dem "spiritual feeling", aus unserer Beziehung zu Gott. Wir wollen den Leuten sagen, dass Gott immer noch lebt. Wir singen nur Gospelmusik, reine Gospelmusik und nichts anderes. Wir mögen das. Es ist ja auch so, dass alle schwarze Musik vom Gospel kommt. Blues, Soul, alles kommt letzlich vom Gospel.
Nun wird mit eurer Musik ja auch Geld verdient. Wie siehst du die kommerzielle Seite, das Geschäft mit Gospel?
Es stimmt schon, es wird Geld verdient mit Gospelmusik, gerade in jüngster Zeit. Wir machen auch ein wenig Geld, das ist natürlich schön. Unser Antrieb aber kommt aus dem Glauben.
Ihr seid schon ewig im Geschäft. Gibt es denn junge Gospelgruppen, die in eurer Tradition stehen, vielleicht sogar Nachfolger für die Blind Boys?
Hmm. da gibt es Lee Williams and The Spiritual QC's . Sie sind nicht wirklich eine junge Band, aber erst in letzter Zeit bekanntgeworden. Sie sind in allen Charts und wirklich gut im Geschäft [Anm. Die Gruppe besteht in wechselnder Formation seit 1963, nahm aber erst 1993 ihre erste Platte auf!]. Ich habe auch schon mit jungen Sängern gearbeitet, auch in Europa, das macht auch Spass.
Wir haben auch gerade eine neue CD herausgebracht, live in Europa aufgenommen. Sie ist in Deutschland auf unserer letztjährigen Tournee entstanden. Sie läuft sehr gut hier in den Staaten, und wir werden sicher auch ein paar Kopien mitbringen.
Wie sieht denn die Zukunft der Blind Boys aus?
Ich mache sicher weiter, so lange ich kann. So lange ich und die Blind Boys gesund sind, werden wir auf Tournee gehen. Aber eben: Ich bin 55 und der jüngste der Sänger, alle andern sind in den Siebzigern.
Wie ist es denn, mit diesen Senioren zu arbeiten?
Sie haben einfach viel mehr Lebenserfahrung als ich, und ich mag die Arbeit mit ihnen sehr. Als Leadsänger habe ich ja auch einen speziellen Part in der Gruppe.
Konzerte leben ja oft auch von der Atmosphäre des Veranstaltungsortes. Gehört Gospelmusik für dich in eine Kirche?
Nein, überhaupt nicht. Wir haben in Nachtklubs gespielt, in Auditorien, in Baseballstadien, auf der Strasse, überall. In Mississippi geben wir jedes Jahr ein Konzert an einem Ort namens Greenfield. Dort spielen wir vor dem Rathaus, die Bühne ist auf einem Lastwagenanhänger. An diese Konzerte kommen jeweils 40-50'000 Leute. Du kannst mir glauben, da herrscht eine tolle Stimmung.
Nun ja, die Schweizer sind nicht eben berühmt für ihre Begeisterungsfähigkeit. Ihr habt auch schon hier gespielt; erinnerst du dich, wie das war?
Ja sicher. Wir spielten erst letztes Jahr in der Schweiz. Wir fühlten uns sehr willkommen, die Leute haben uns gemocht. Ich habe gern für sie gesungen, und ich freue mich, wieder in die Schweiz zu kommen. Wir fliegen ja auch schon bald los. Zuerst geben wir einige Konzerte in Deutschland und Belgien, bevor wir dann in die Schweiz kommen für die letzte Woche unserer Tournee.
Gibt es etwas, was du dem Schweizer Publikum sagen möchtest?
Hallo Leute! Wir sind auf dem Weg zu Euch, und wir werden eine gute Zeit miteinander haben. Kommt an die Konzerte, es wird sich lohnen.
Vielen Dank für das Interview, Sandy. Wir freuen uns auf eure Konzerte und wünschen euch viel Erfolg auf eurer Tournee.
Danke dir. Und nochmals für alle Leserinnen und Leser: Mein Name ist Sandy Foster, ich bin der Leadsinger der Blind Boys und verspreche euch einen tollen Abend mit uns. (Ende)
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