pte20000314026 in Leben
TBT muss von den Schiffsrümpfen verschwinden
Neues Projekt testet umweltverträgliche Anstriche für die Großschifffahrt
Bremen (pte026/14.03.2000/13:22)
Das hochgiftige Tributylzinn TBT, das in vielen Speisefischen und anderen Meerestieren nachgewiesen wurde, muss für die gesamte Großschifffahrt verboten werden. Diese Forderung erhob der WWF http://www.wwf.de in Zusammenarbeit mit dem Umweltrat der Weltschifffahrtsorganisation IMO http://www.imo.org , der derzeit in London tagt. Der Umweltrat der IMO will diese Woche das rechtliche Instrument zur Durchsetzung des TBT-Verbots ab 2003 ausarbeiten.TBT sorgt in Antifouling-Anstrichen dafür, dass keine Muscheln und Algen am Schiffsrumpf festwachsen. Ein solcher Bewuchs bremst die Schiffe und führt zu einem höheren Dieselverbrauch. Mit der Zeit löst sich das TBT vom Schiffsrumpf ins Wasser.
Die Umweltschutzorganisation startet mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zusammen mit Farbfirmen, Reedereien und Schiffseignern ein neues Projekt, um giftfreie Farben in der Großschifffahrt zu testen: Biozidfreie Farben werden als Teststreifen oder Komplettanstrich auf die Rümpfe von 25 Schiffen aufgetragen, und ihre Wirksamkeit wird wissenschaftlich untersucht. Ziel des Projektes ist es, TBT und andere giftige Biozide in der Großschifffahrt möglichst schnell durch umweltverträgliche Anstriche zu ersetzen.
"Wir brauchen wirksame umweltverträgliche Alternativen, damit TBT und andere giftige Biozide in der Großschifffahrt nicht länger verwendet werden. Nur so können Meerestiere vor der weiteren Vergiftung durch TBT bewahrt werden", sagte WWF-Geschäftsführer Dr. Georg Schwede. "Das Gift TBT hat bereits alle Meerestiere bis hinein in die Tiefsee erreicht und kann durch seine hormonelle Wirksamkeit zu Immun- und Fruchtbarkeitsstörungen führen. Auch viele Speisefische sind hoch belastet und könnten die Gesundheit von Menschen gefährden." Hormonelle Gifte werden auch durch Erhitzung nicht unwirksam.
An den Versuchen sind neben Container-, Kreuzfahrt- und Forschungsschiffen verschiedene Fährreedereien, Boote der Wasserschutzpolizei sowie eine Fregatte und ein Fischkutter beteiligt. Das Einsatzgebiet der Schiffe reicht von der Nord- und Ostsee, dem Mittelmeer, dem gesamten Atlantik bis zu den Polarregionen und deckt damit verschiedenste Regionen der Seeschifffahrt ab. Die Reederei Hamburg Süd stellt das 230 m lange und 35.300 BRT große Containerschiff "Cap Roca" zur Verfügung, das regelmäßig von Europa nach Südamerika fährt.
Als Ersatz für TBT werden beim rund 21 Mio. Schilling teuren Projekt neue Möglichkeiten getestet. Einerseits sollen besonders glatte Anstriche verhindern, dass sich Algen und Muscheln dauerhaft auf der Oberfläche ansiedeln. Aber selbst bei polierenden Anstrichen löst sich die Farbe immer wieder von selbst und wirft damit den Bewuchs ab. Ein anderes Prinzip imitiert ein Seehundfell, bei dem sich viele kurze Fasern permanent bewegen und dadurch jede Ansiedlung von Organismen verhindern. (Ende)
| Aussender: | pressetext.austria |
| Ansprechpartner: | ww |
| Tel.: | 01/406 15 22-0 |
| E-Mail: | redaktion@pressetext.at |
| Website: | pressetext.at |
