pte20000518004 in Leben
Steht ein "Sommer der Insekten" bevor?
Experten befürchten gefährliche Krankheiten durch Stechmücken
Wien (pte004/18.05.2000/09:00)
Österreichische Ärzte warnen vor einer möglichen Zunahme der Grippe-Erkrankungen im Sommer. Der Grund dafür liegt in den hohen Temperaturen, die derzeit für Insekten ideal sind. Nach dem relativ milden Winter finden etwa Moskitos günstige Brutbedingungen in Mitteleuropa vor. Und eine höhere Stechmückenpopulation begünstigt wiederum die Übertragung von Erkrankungen. Auch die Möglichkeit, dass der gefürchtete Virus WNV (West Nile Virus) in Österreich auftritt, sei nicht ganz auszuschließen, sagte Hanns Hofmann, Vorstand des virologischen Instituts http://www.univie.ac.at/virologie an der medizinischen Fakultät der Wiener Universität gegenüber pressetext.austria.Vergangenen Herbst war New York von einem bis dato in Amerika unbekannten Virus heimgesucht worden. Das West Nile Virus WNV, das in weiten Teilen Afrikas, West Asiens und im Mittleren Osten bekannt war, brach in der Metropole aus. Nicht viel später waren auch die Bundesstaaten Rhode Island, Connecticut und Pennsylvania betroffen. Allen Vorhersagen nach haben die Moskitos in U-Bahnschächten den Winter überlebt. Nun wollen die New Yorker Stadtväter mit einem Fisch, der die Larven der Mücke frisst, Herr der Mückenplage werden. Das WNV wird von Vögeln übertragen, die von Moskitos gebissen werden, die dann den Menschen infizieren können. http://www.doh.state.ri.us/wnv/wnvhome.htm
Die Symptome einer WNV-Erkrankung beginnen in der Regel drei bis 15 Tage nach dem Biss und führen in den meisten Fällen zu Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskelschwäche und Orientierungslosigkeit. WNV ist in der Regel bei drei bis 15 Prozent der schweren Fälle tödlich. Eine Impfung dagegen gibt es nicht.
"Man kann die Gefahr, dass das WNV in Österreich auftritt, nicht ganz verneinen", sagt Prof. Hanns Hofmann, Vorstand des virologischen Instituts an der medizinische Fakultät in Wien. "In der Slowakei hat es Fälle von WNV gegeben, auch aus Rumänien sind immer wieder Fälle der Erkrankung bekannt geworden", so Hofmann. Die frühsommerlichen Temperaturen begünstigen jedenfalls das Ausbreiten der Insekten, so der Arzt.
"Es wäre unseriös zum jetzigen Zeitpunkt von einem Sommer der Insekten zu sprechen", sagt Andreas Hassl, Parasitologe der medizinischen Fakultät der Universität Wien http://mailbox.univie.ac.at/~hassla9 . Solche Vorhersagen seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, da ein verregneter, kühler Juli die Ausbreitung der Tiere behindere. Vor allem die Population von Stechmücken hänge stark von der Witterung ab, so der Arzt. Die Temperaturen zum jetzigen Zeitpunkt wären aber ideal für die Insekten und Spinnen.
Eine höhere Stechmückenpopulation begünstigt natürlich Erkrankungen, es kommt dann auch vermehrt zu Sommergrippen. Von der Angst, dass die Malaria auch in unseren Breiten ausbrechen könnte, haltet der Parasitologe nichts: "die Stechmücken, die Malaria übertragen, gibt es auch in Österreich, aber die Parasiten, die die Malariaerkrankung hervorrufen, gibt es nicht." Trotzdem warnt der Mediziner davor, dass infizierte Moskitos mit Flugzeugen nach Österreich gelangen könnten. "Die Fluggesellschaften müssen die Flugzeuge desinfizieren. Leider gab es seitens der Passagiere immer wieder Widerstand dagegen", so Hassl.
Hassl warnt Fernreisende davor, das Risiko einer Malariaerkrankung zu ignorieren. "Die hervorragenden Serviceleistungen des tropenmedizinischen Instituts http://www.reisemed.at sollten von Reisenden genutzt werden. Das Institut verfügt über ständig aktualisierte Landkarten und Dateien. Andererseits sei es nicht notwendig, in Österreich mit giftigen Repellentien zu hantieren. Das Gesundheitsrisiko durch die giftigen Substanzen sei einfach zu groß. (ww) (Ende)
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