pte20260325026 in Forschung

Social-Media-User verleugnen Beleidigtsein

Psychologen sehen darin eine Strategie vieler Menschen, um rationaler wahrgenommen zu werden


Schmollen: Viele Menschen streiten es ab, beleidigt zu sein (Bild: ChatGPT/Dall-E)
Schmollen: Viele Menschen streiten es ab, beleidigt zu sein (Bild: ChatGPT/Dall-E)

Norwich/Canterbury (pte026/25.03.2026/13:59)

Viele Menschen verleugnen in Online-Diskussionen, dass sie das Gesagte verletzt oder sogar beleidigt hat. Laut einer neuen Untersuchung der University of East Anglia (UEA) tun sie das vor allem im Social-Web, um vom Publikum letztlich als rationaler wahrgenommen zu werden.

Falsche Eigenbehauptung

"Menschen behaupten, nicht beleidigt zu sein, doch wenn sie gleichzeitig Kommentare als toxisch oder moralisch falsch bezeichnen, ähnelt dies sehr stark einem beleidigten Verhalten", so Chi-Hé Elder von der School of Media, Language and Communication Studies der UEA.

Egal, ob die Grammy-Aussagen der Singer-Songwriterin Billie Eilish oder der Fall Jake Paul: Diese Beispiele spiegeln dieselben Muster von Verleugnung, moralischer Positionierung und emotionaler Steuerung wider, die auch in der UEA-Untersuchung festgestellt worden sind.

X-Interaktionen untersucht

Das Team, zu dem auch Experten der University of Kent gehören, hat ein Netzwerk realer X-Interaktionen, das mit dem Witz einer Frau begann und schnell in einen Streit ausartete, analysiert. Details sind im "Journal of Language Aggression and Conflict" veröffentlicht.

Laut der Studie ist Beleidigtsein nicht nur eine emotionale Reaktion, sondern erfüllt auch eine soziale Funktion. Es wird genutzt, um Missbilligung zu zeigen, eine moralische Position zu vertreten oder zu beeinflussen, wie man von anderen wahrgenommen wird, heißt es.

Elder stellt klar: Indem Menschen das Etikett des Beleidigtseins zurückweisen, versuchen sie moralisch überlegen zu wirken und sich als ruhig und rational darzustellen - selbst wenn ihr Verhalten etwas anderes nahelegt. Beleidigtsein sei mehrdeutig und aushandelbar.

(Ende)
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