pte20000713020 in Leben
Schwerelosigkeit ungesund für den menschlichen Körper
Forscher sehen Zellabläufe durch die fehlende Erdanziehungskraft beeinträchtigt
Grenoble/Huntsville (pte020/13.07.2000/13:00)
Schwerelosigkeit im Weltraum kann menschliche Körperzellen in ungewohnte Schwierigkeiten versetzen, lautet die Vermutung von Forscherteams aus Grenoble und Huntsville. Ein Leben im All scheint ohne künstlich erzeugte Form der Schwerkraft auf Dauer unmöglich. Verantwortlich dafür sind die in den Zellen enthaltenen Microtubuli, die aus Fasern des Proteins Tubulin gebildet werden und sich unter veränderten Bedingungen nicht ordnungsgemäß formatieren können.Um die Zellabläufe und chemischen Reaktionen ohne Erdanziehung zu testen, haben James Tabony und seine Kollegen von der French Atomic Energy Commission http://www.cea.fr/ang/html/accueil.htm eine Lösung menschlichen Tubulins vermischt mit einer Energie freisetzenden Verbindung durch eine Rakete der European Space Agency (ESA) ins Weltall befördern lassen. Die Tubuli, die bei Körpertemperatur feste Ketten in bestimmten Winkeln bilden, richteten sich in Schwerelosigkeit nach allen Richtungen aus. Für Tabony ist dies der Beweis dafür, dass die Bildung dieses Tubulimusters von der fehlenden Erdanziehungskraft ausgelöst wurde.
Zu ähnlichen Erkenntnissen kamen auch Forscher der Universität in Huntsville, Alabama http://www.uah.edu , wo man den Einfluss der Schwerkraft auf weiße Blutzellen an Bord eines Spaceshuttles testete. "Normalerweise bilden die Microtubuli lange geradlinige Fasern. Aber nach einem Tag im All waren sie wahllos in alle Richtungen gewachsen", so die Wissenschaftlerin Marian Lewis. Die Schwerelosigkeit im Weltraum verhindere möglicherweise die erfolgreiche Bildung neuer weißer Blutkörperchen und beeinträchtige die Erneuerung und Bildung des Zellgewebes, vermuten nun die Forscher.
Die Microtubuli sind nicht nur maßgeblich an den Zellabläufen wie der Mitose beteiligt, sondern könnten demnach auch für ein angeschlagenes Immunsystem der Raumfahrer verantwortlich sein. Ähnliche nachteilige Effekte und Symptome wie Darmprobleme oder Verdünnung der Haut können auch durch Krebstherapien verursacht werden, mit denen die unkontrollierte Teilung der Krebszellen verhindert werden soll. (bbcnews) (Ende)
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