pte20000218016 in Forschung
Schnelle Analyse von Getränken
Verfahren analysiert eine Vielzahl von Flüssigkeiten gleichzeitig
Halle-Wittenberg (pte016/18.02.2000/11:15)
Die lebensmittelrechtliche Analyse von Getränken ist aufwendig und zeitraubend. Prof. Dr. René Csuk hat am Institut für Organische Chemie der Martin-Luther-Universität http://www.chemie.uni-halle.de/org/index.html jetzt ein Verfahren entwickelt, mit dem innerhalb von dreißig Minuten bis zu 384 Flüssigkeitsproben gleichzeitig analysiert werden können. Die auf diese Weise ermöglichte Kostenreduktion macht das neue Verfahren besonders für Industrie und Handel interessant.Mehrere Analysemethoden sind lebensmittelrechtlich zugelassen, darunter auch die mit Hilfe von Enzymen. Ungewöhnlich schnell kann Professor Dr. René Csuk, Direktor des Instituts für Organische Chemie und Dekan des Fachbereichs Chemie der Universität Halle, eine große Zahl von Getränkeproben bestimmen. Mittels eines neu in seiner Arbeitsgruppe entwickelten Verfahrens, ist er in der Lage, innerhalb von dreißig Minuten zuverlässige Angaben über den Alkoholgehalt von bis zu 384 Flüssigkeitsproben zu erhalten. Nach der klassischen Vorgehensweise schaffte man nur eine oder zwei Proben in dieser Zeit. Bei großen Projekten bedeutete dies tagelange Laborarbeit.
Die Besonderheit des Verfahrens: Es laufen bis zu 384 enzymkatalysierte Reaktionen gleichzeitig ab. Das heißt, über ebenso viele Proben von Wein, Korn, Bier, Saft oder anderen Flüssigkeiten kann innerhalb weniger Zeit eine Aussage getroffen werden. "Damit können Ressourcen, Substanzmengen, Zeit und Geld eingespart werden", hebt Csuk hervor. Eigentlich sei die Idee naheliegend, Bestimmungsverfahren parallel laufen zu lassen und damit zu vereinfachen, so Csuk. Bisher sei aber noch niemand darauf gekommen. Mit Hilfe sogenannter Mikrotiterplatten, das sind Kunststoffgefäße - hier mit 384 winzigen röhrenartigen Vertiefungen, werden die Proben aufgenommen. Geringe Mengen einer enzymhaltigen Substanz kommen dazu, und das vielfache Gemisch wird einem Messgerät übergeben, das am Computer angeschlossen ist.
Am Monitor kann der Reaktionsverlauf beobachtet werden. Die gleichzeitige Aufzeichnung von 384 Tabellen mit Kurven gibt rasch Aufschluss über die Substanzen. Schon bald steht fest, welcher der Weine "gepanscht" war, oder ob ein eigentlich harmloser Fruchtsaft Alkohol enthält. Die neue Methode sei ein intelligentes Nebenprodukt der Forschungen innerhalb eines durch die Industrie gesponserten Projekts, erklärt der Wissenschaftler. Und Csuk hat vor, die Probenzahl noch zu steigern, von 384 auf 1024. "Theoretisch könnten wir auch Blutproben von Alkoholsündern im Straßenverkehr bestimmen", sagt Professor Csuk. In erster Linie solle aber das neue Verfahren zunächst verschiedenen wissenschaftlichen Projekten zu Gute kommen. Informationen: Prof. Dr. René Csuk, Fachbereichs Chemie der Universität Halle, E-Mail: csuk@chemie.uni-halle.de (idw) (Ende)
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