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pte20190822008 Forschung/Technologie, Kultur/Lifestyle

Schädeldeformation zeigt Zugehörigkeit

Künstlich veränderte Formen bei gefundenen Skeletten in Osijek im Osten Kroatiens


Fundstück: Langgezogener Schädel bei der Ausgrabung (Foto: D. Los/Kaducej Ltd)
Fundstück: Langgezogener Schädel bei der Ausgrabung (Foto: D. Los/Kaducej Ltd)

Wien/Zagreb (pte008/22.08.2019/10:30) - Künstlich oft bereits im Kindesalter herbeigeführte Schädeldeformationen waren zur Zeit der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert ein Zeichen der Stammeszugehörigkeit. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Wien http://univie.ac.at in Kooperation mit Kollegen des Institute for Anthropological Research http://inantro.hr/en in Zagreb. Die Experten haben die Ernährungsgewohnheiten, das Geschlecht und die Genverwandtschaften dreier Jugendlicher aus der Zeit untersucht, die bei einer Ausgrabung in Osijek im Osten Kroatiens entdeckt wurden.

Absichtliche Verformungen

Laut den in "PLOS ONE" publizierten Ergebnissen war diese Region Europas einst von unterschiedlichen Nomadenvölkern, wie von den Hunnen beziehungsweise Germanen, den Gepiden und den Ostgoten, besiedelt. "Aufgrund der ungewöhnlichen Grabstätten und der Tatsache, dass zwei der untersuchten Individuen andere Formen von künstlicher Schädeldeformation aufwiesen, war die Untersuchung dieser Personen äußerst faszinierend für uns", sagt Daniel Fernandes, Postdoc am Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien und einer der Erstautoren dieser Studie.

Kendra Sirak, Wissenschaftlerin an der Harvard Medical School und ebenfalls eine Erstautorin dieser Studie, ergänzt, dass die künstliche Schädeldeformation eine absichtliche Verformung des Schädels im Kindesalter ist und darauf abzielt, durch den Einsatz von Brettern, Bandagen oder speziellen Kopfbedeckungen eine gewünschte Schädelform zu erzielen. Dieses weitverbreitete kulturelle Phänomen wurde bei verschiedenen uralten Bevölkerungsgruppen weltweit dokumentiert und zielte darauf ab, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder die persönliche Identität sichtbar zu machen. Abgrenzung und Anzeigen des Standes waren Ziele.

Auch ostasiatische Abstammung

"DNA-Analysen haben ergeben, dass der Jugendliche ohne künstliche Schädeldeformation eine überwiegend westeuropäische Abstammung, der Jugendliche mit der langgezogenen Schädelform eine ostasiatische Abstammung und der dritte Jugendliche eine nahöstliche Abstammung aufweist", erklärt Ron Pinhasi, Leiter des DNA-Labors an der Universität Wien und Co-Leiter der Studie. Der Jugendliche mit ostasiatischer Abstammung sei zudem das erste in Europa gefundene Individuum aus der Zeit der Völkerwanderung, dessen Abstammung größtenteils auf Ostasien zurückgeht.

(Ende)
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