pts20030909037 in Leben
Rückkauf-Angebot für archäologisches Diebesgut
Wertvoller Inhalt römischer Sarkophage gestohlen - klappt ein Rückkauf?
Wien (pts037/09.09.2003/20:10)
Zuerst gab es Jubel, hernach betroffene Mienen: Im Rahmen von Bauarbeiten für eine geplante Wohnhausanlage im rheinischen Weilerswist bei Euskirchen wurden nach kurzfristig anberaumter Notgrabung drei intakte und noch ungeöffnete römische Sarkophage gefunden - ein echter Jahrhunderttreffer.Doch die unbändige Freude der Archäologen vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege währte nur kurz:
Grabräuber drangen am Wochenende vom 23. auf den 24.8. in das zwischenzeitlich wieder zugeschütte Areal auf einem Acker in Klein-Vernich ein und buddelten die Sarkophage zielsicher aus. Mit Vorschlaghämmern wurden die Sargdeckel zertrümmert und die mutmaßlich kostbaren Grabbeigaben entwendet. Entdeckt wurde der Frevel am darauffolgenden Montag, als Archäologen die tonnenschweren Sarkophage bergen wollten.
Der Leiter der Außenstelle Nideggen des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege, Paul Wagner, im Gespräch mit ExpeditionZone.com: "Das waren keine Bauernburschen oder Gelegenheitsdiebe, sondern ziemlich sicher hochprofessionelle Kriminelle, die genau wussten, wo sie suchen mussten."
Die drei Sarkophage, darunter ein besonders schönes Exemplar aus Kalkstein, versehen mit Inschrift, Verzierungen und figuralen Darstellungen, lagen nebeneinander an der Seitenmauer eines Tempels, der zu einem benachbarten römischen Gutshof gehörte.
Der Gutshof und eine Scheune waren mit einem Graben umgeben, wohl Anzeichen für eine begonnene, aber nicht fertiggestellte Befestigungsanlage. Immerhin waren damals, im dritten Jahrhundert n.C., bereits schwerbewaffnete Räuberbanden unterwegs, die das Leben abseits der römischen Heerstraßen unsicher machten.
Paul Wagner wittert indes hinter der skrupellosen Aktion auch ein bislang ungelöstes kriminalistisches Rätsel: "Natürlich kann es sein, dass die Bande auf gut Glück mit Stangen im Boden stocherte und aufgrund des auffällig weicheren Verfüllungsmaterials, mit dem wir die Fundstelle abgedeckt hatten, fündig wurde. Ich vermute aber eher, dass die Grabräuber sogar über die genauen GPS-Daten des Fundortes verfügten - aus welcher Quelle auch immer."
Eine Sonderkommission der Euskirchener Polizei nahm bereits die Ermittlungen in diesem hochsensiblen Fall auf. Immerhin kann laut Experten der Wert der Grabbeigaben leicht einige hunderttausend Euro erreichen. Dabei werden die Ermittler mit Sicherheit auch verschärfte Recherchen im ohnehin ständig unter Beobachtung stehenden Milieu der Sondengänger und Schatzgräber anstellen. Auch auf die Mitwirkung der Bevölkerung wird gezählt - und tatsächlich gingen bereits einige Hinweise der Anwohnerschaft ein.
Da den Tätern wegen Fundunterschlagung und Hehlerei bis zu fünf Jahre Haft drohen - ein Delikt, wofür sich die inzwischen geständigen Raubgräber der 3600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra, der ältesten Abbildung einer Sternenkonstellation, gerade vor dem Amtsgericht Naumburg verantworten müssen - kann nicht ausgeschlossen werden, dass die antiken Edelmetalle eingeschmolzen und anschließend zu einem Bruchteil des Wertes verkauft werden. Für die Archäologen eine echte Horrorvorstellung.
Möglicherweise wollen sich die Grabräuber aber auch bei den Archäologen melden, um Lösegeld für das Raubgut auszuhandeln - vor allem, wenn sie merken, dass sich das Diebesgut am Schwarzmarkt kaum verkaufen lässt, ohne aufzufliegen. Dies geschah auch beim freilich ungleich spektakuläreren Fall der Entführung der "Saliera", einer im Jahre 1540 entstandenen einzigartigen Goldschmiedearbeit des Florentiner Manieristen Benvenuto Cellini, aus dem Wiener Kunsthistorischen Museum.
Das Online-Magazin ExpeditionZone.com wendet sich deshalb - als unbeteiligter Dritter - mit einem direkten Gesprächsangebot an die Grabräuber, um weitere Verluste und Schäden vermeiden zu helfen. "Bitte nehmen Sie anonym via E-mail (sarkophage@expeditionzone.com) Kontakt mit uns auf, wir leiten Ihre Botschaft dann sofort treuhänderisch an die Archäologen weiter", so einer der Herausgeber. (Ende)
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