pte20000906051 in Leben
Quallen sollen das Ökosystem des Schwarzen Meeres retten
Russische Forscher setzen auf eine eingeschleppte Quallenart
Moskau (pte051/06.09.2000/16:37)
Russische Forscher des Shirshov Institut of Oceanolgy http://geo.sio.rssi.ru haben im Schwarzen Meer eine neue Quallen-Art entdeckt, die das angeschlagene Ökosystem des Meeres wieder ins Gleichgewicht bringen könnte. Die neuen Quallen fressen nach Ansicht der Wissenschaftler ihre verwandten Artgenossen, die zur schlechten ökologischen Lage des Meeres beigetragen haben. Das berichtet die russische Wissenschaftsagentur Informnauka http://www.informnauka.ruCtenophora mnemiopsis (Foto), eine Kammqualle, die mit Ballastwasser von Schiffen in den 80-er Jahren ins Schwarze Meer gelangte, verursachte eine ökologische Katastrophe: die gesamte Biomasse der Tiere betrug knapp zehn Jahre nach ihrer Ankunft im neuen Territorium rund eine Milliarde Tonnen. Mnemiopsis ernährt sich ausschließlich von tierischem Plankton, das auch die Nahrung vieler Fische des Schwarzen Meeres bildet. Die Populationen von Anchovies und Sprotten gingen stark zurück. Die Situation war so kritisch, dass eine internationale Kommission zur Hilfestellung gerufen wurde. Internationale Wissenschaftler zögerten jedoch, weitere Schritte zu unternehmen, da sie befürchteten, eine Einschleppung anderer Lebewesen könnte zu einer weiteren ökologischen Katastrophe führen.
Doch dann tauchte plötzlich Ctenophora beroe, so der wissenschaftliche Name der neuen Qualle, auf. Die Tiere wurden bereits 1997 zum ersten Mal im nordöstlichen Teil des Schwarzen Meeres entdeckt. Forscher konnten durch das durchsichtige Verdauungssystem der Quallen herausfinden, dass sich diese Tiere nicht von Plankton und Fisch ernähren können, sondern ausschließlich Artgenossen wie Mnemiopsis verspeisen. Die räuberischen Quallen saugen ihre Beutetiere in sich hinein und brauchen zwischen drei und fünf Stunden, ehe sie vollständig verdauen.
Die Wissenschaftlerin Tamara Shiganowa vom Shirshov Institute glaubt, dass Ctenophora beroe bis zu 30 Prozent der Mnemiopsis-Population fressen könnte. Tatsächlich wurde beobachtet, dass sich die Mnemiopsis-Population seit dem Auftreten von Beroe stark dezimiert hat. Problematisch könnte jedoch die Wintersaison werden, da die Temperaturen und der Salzgehalt des Meeres stark sinken.
Weitere Informationen: http://www.informnauka.ru/eng/2000/2000-09-01-022_e.htm (Ende)
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