pte20000308003 in Leben
Polar-Eis und Gletscher schmelzen rapide
Worldwatch Institute warnt vor Klimakollaps
Washington (pte003/08.03.2000/08:45)
Die Eisdecken der Erde schmelzen so stark wie nie zuvor seit Beginn der Temperaturmessungen. Vor allem in den Polarregionen nimmt der Umfang der Eisdecke rapide ab, geht aus einem Anfang der Woche veröffentlichten Bericht des Worldwatch-Institutes http://www.worldwatch.org hervor.Zwischen 1978 und 1996 ist das arktische Eis, das etwa eine Fläche von der Größe der USA bedeckt, um sechs Prozent geschrumpft, ergaben die weltweiten Messungen. Das entspricht pro Jahr einem Durchschnitt von 34.000 Quadratkilometern - einer Fläche so groß wie Vorarlberg, Ober- und Niederösterreich zusammen. Die Eisdecke in der Arktis ist darüber hinaus erheblich dünner geworden. Seit den siebziger Jahren habe sich die durchschnittliche Dicke der arktischen Eisscholle von 3,1 auf 1,8 Meter verringert. Das ist in weniger als 30 Jahren ein Rückgang um 40 Prozent.
Auch das arktische Grönland-Eis, das mit acht Prozent der weltweiten Eisfläche die größte Ansammlung von Eis auf dem Land außerhalb der Antarktis ist, ist seit 1993 an den südlichen und östlichen Rändern um durchschnittlich einen Meter pro Jahr dünner geworden. Die massive antarktische Eisschicht mit einer durchschnittlichen Dicke von 2,3 Kilometern schmilzt ebenfalls mit rasantem Tempo.
Nicht nur die Arktis ist von der Eisschmelze bedroht: nach Angaben des Instituts schrumpfen auch die Gletscher in einem alarmierenden Ausmaß. Der World Glacier Monitoring Service, der regelmäßige Messungen durchführt, hat in den Jahren 1997 und 1998 extreme Rückgänge registriert. Wissenschaftler befürchteten, dass bis zum Jahr 2050 bis zu einem Viertel, bis 2100 sogar die Hälfte der Gletschermasse verschwunden sein könnte. Größere Flächen würden nur in Alaska, Patagonien und im Himalaya übrig bleiben.
Von der Gletscherschmelze bleiben auch die Westalpen nicht verschont. Seit 1850 sind die Gletscherflächen um 35 bis 40 Prozent geschrumpft. Das Volumen hat sich um mehr als die Hälfte verringert. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte könnten die Eisflächen auch in den Alpen auf ein Bruchteil ihrer gegenwärtigen Masse zurück gehen.
Das Worldwatch-Institut weist im Bericht auf die enormen Folgen für das Klima hin, die das Verschwinden der Eismassen auf der Erde haben könnte. Das Eis der Polkappen reflektiert in großen Mengen Sonnenenergie und hilft damit, die Erde kühl zu halten. Die Eisschmelze verursacht daher einen Teufelskreis, bei dem Land- und Wasseroberflächen die Wärme speichern und damit zu weiterer Schmelze führten. Als Folge drohe eine weitere Klimaerwärmung.
Für Europa und die Ostküste der USA könnte auch eine Abkühlung möglich sein, weil der Zufluss von frischem Wasser aus der arktischen Eisschmelze im Nordatlantik die ozeanische Wasserzirkulation verändern könne. Derzeit bringt der Golfstrom im Atlantik warme Luft nach Europa und beeinflusst auch das Wetter. (Ende)
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