pte20000411014 in Leben
Philippinen: Staatskrise durch falsche SMS-Botschaften
Gefakte Meldungen über Tod Präsident Estradas sorgen für innenpolitische Aufregung
Manila (pte014/11.04.2000/10:23)
Falschmeldungen via SMS sorgen auf den Philippinen seit Anfang April für Aufregung. Unbekannte Gruppen senden an zehntausende Handy-User Meldungen wie "Papst Johannes Paul II. gestorben" oder "Präsident Joseph Estrada zurückgetreten" bzw. "Estrada gestorben" und haben dadurch mittlerweile eine Staatskrise ausgelöst. Zwar sei es das Recht jeden Bürgers, die Botschaften zu verschicken, sagt Regierungssprecher Ronaldo Zamora. "Zum Problem werden sie aber dann, wenn sie mit ihrem Inhalt Frieden und Ordnung gefährden." Er sieht nicht Einzelne, sondern eine "konzertierte Aktion" hinter den Attacken gegen Präsidenten Estrada http://www.erap.com/ (siehe Bild) , dem viele seiner Landsleute Mauscheleien, Raffgier und Inkompetenz vorwerfen.Verzweifelt rufen Politiker schon nach Überwachung der SMS-Aussendungen, doch darf Telekommunikation auf den Philippinen weder reguliert noch zensuriert werden. Nach einem Vorschlag des Chefs der staatlichen Kommission für Telekommunikation, Joseph Santiago, könnte eine Zusammenarbeit von Medien und Handy-Betreibern Abhilfe schaffen: Tauchen Falschmeldungen auf, sollten Nachrichtenprofis einfach Richtigstellungen formulieren und im Netz verbreiten.
Die mächtige katholische Kirche auf den Philippinen hat indes eigene Wege gefunden, den Umtrieben zu begegnen. Als die SMS-Piraten am 1. April den Tod des Papstes in die Welt setzten, ging auf Kirchenämter eine Flut von Anrufen von besorgten Gläubigen nieder. "Wir haben ihnen inzwischen verziehen", meinte später der Sprecher der Bischofskonferenz, Pedro Quitorio. "Aber wir hoffen, dass sich diese Leute das nächste Mal ein anderes Thema für ihre Witze suchen."
Mancher fühlt sich indes an die Zeit erinnert, als Journalisten mit heimlich kopierten Flugblättern Front gegen Diktator Ferdinand Marcos machten, der 1986 gestürzt wurde. "Den Botschaften wohnt derselbe Geist kreativer Rebellion inne", meint der Kolumnist der Zeitung Philippine Daily Inquirer, Conrado de Quiros. "Die Mitteilungen sind eine der subversivsten Aktivitäten, wenn nicht die subversivste Aktivität des Landes überhaupt." Denn sie seien auch für Bürger attraktiv, die sich sonst von der Politik fern halten.
Während in den wohlhabenderen Ländern Asiens Handys zum guten Ton gehören, gelten die Filippinos mit geschätzten 40 Millionen SMS-Nachrichten pro Tag weltweit als die SMS-Verrücktesten. (SAT.1) (Ende)
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