Internet kein Motor für lebenslanges Lernen
Experten: Statt besserem Zugang nur Verschiebung des Mediums
Leicester/Wien (pte001/04.04.2012/06:00) Alte Versprechen klingen noch immer im Ohr: Das Internet wird nicht nur den Zugang zu Informationen, sondern auch zur Bildung demokratisieren und die "Wissensgesellschaft" vorantreiben. Weit gefehlt, ziehen englische Soziologen nun Zwischenbilanz. Wie sie im "British Educational Research Journal" berichten, hat sich die Erwachsenenbildung im vergangenen Jahrzehnt in ihren Grundfesten kaum geändert und alte Rückstände blieben - obwohl das World Wide Web in dieser Zeit in fast allen Haushalten angekommen ist.
Programm für Minderheiten
Grundlage dieser Aussagen ist eine Untersuchung, die das National Institute of Adult and Continuing Education http://www.niace.org.uk seit 2002 jährlich durchführt. Die Auswertung der Daten zu den 47.000 befragten Engländern zeigt: Jene Erwachsene, die daheim einen Onlinezugang besitzen, nehmen im Vergleich zu anderen Gruppen eher an Erwachsenenbildungs-Programmen teil, doch haben sie das schon zuvor getan. Bildungsferne Gruppen nehmen weiterhin kaum Schulungsangebote wahr - Internet hin oder her.
In jedem Jahrgang gab die Mehrheit der Erwachsenen an, in den drei Jahren zuvor keine Bildungsangebote absolviert zu haben. Wer zur Minderheit der sich Weiterbildenden gehörte, war meist jung, gut gebildet, wirtschaftlich aktiv und in qualifizierten Jobs ohne manuelle Tätigkeiten beschäftigt. Noch immer sinkt die Chance auf Weiterbildung um ein Drittel, wenn es Kinder im Haushalt gibt. "Das Internet hat die Hürden zum Lernen nicht entfernt und den Zugang insgesamt nicht verbessert", sagt Studienleiter Patrick White von der Universität Leicester http://www2.le.ac.uk .
Trendwende blieb aus
Von bloß geringem Einfluss des Internets auf das Bildungsverhalten Erwachsener berichtet auch Ingolf Erler, Bildungssoziologe am österreichischen Institut für Erwachsenenbildung http://www.oieb.at , im pressetext-Interview. "Die Erreichbarkeit der Angebote oder das Blended Learning haben eindeutig vom Web profitiert, zudem hat auch der große Bedarf an Menschen, die mit Informationstechnik umgehen können, die Kursangebote deutlich erweitert. Dennoch wurde damit noch keine Trendwende geschaffen."
Wer sich schon von der Ära Internet aktiv weitergebildet hat, recherchiert und lernt nun zunehmend auch online, was laut Erler etwa besonders im universitären Umfeld oder bei der beruflichen Weiterbildung der Fall ist. Insgesamt hat damit jedoch bloß eine Verschiebung der Medien etwa von Buch auf Computer stattgefunden. Tatsächliche Erfolge durch das Internet wie etwa eine bessere Reintegration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt lassen noch auf sich warten.
Knackpunkt Lernfreude
Günstige Faktoren für das lebenslange Lernen sind laut den englischen Forschern nicht nur aktive Berufstätigkeit und ein Alter unter 55 Jahren, sondern auch jedes weitere Bildungsjahr nach dem 16. Lebensjahr. "Das spätere Lernen hängt wesentlich von einer positiven Grundeinstellung zur Bildung ab, die während der Zeit der Schulpflicht entsteht. Jugendliche, die sich früh als Schulversager oder fern der Schule erlebten, nehmen als Erwachsene kaum an Weiterbildungen teil, trotz der verfügbaren Möglichkeiten und der Vorteile, die sie daraus ziehen", erklärt White.
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