pte20051121013 in Forschung

Statik von gestarteter Ariane 5 von Innsbrucker Ingenieuren geprüft

EADS fordert mehr finanzielle Hilfen für Raketenprogramm


Innsbruck/Bremen (pte013/21.11.2005/12:06) Vergangene Woche ist die europäische Trägerrakete Ariane 5 nach etlichen Verzögerungen erfolgreich ins All gestartet. Am gelungenen Launch waren auch Ingenieure des Instituts für Baustatik, Festigkeitslehre und Tragwerkslehre der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck http://ibft.uibk.ac.at maßgeblich beteiligt. Unter der Leitung von Hermann Lehar wurde die Festigkeit und Stabilität der Rakete berechnet.

"Gewisse Teile der Rakete sind in der ersten Flugphase besonders hohen Belastungen ausgesetzt. Halten diese Teile nicht, ist die Rakete verloren. Diese Belastungen lassen sich rechnerisch ermitteln", erklärt Projektleiter Lehar. Im konkreten Fall wurde an der LFU Innsbruck die Stabilität der Hauptstufe im Bereich der Schubkrafteinleitung der seitlichen Zusatztriebwerke, den so genannten Boostern und der Trägerrakete Ariane 5 (Front Skirt) berechnet.

In den ersten zwei Minuten der Startphase sind die Belastungen des Front Skirt am größten, erläuterte Lehar. Aufgrund der Temperaturerhöhung und der Trägheitskräfte komme es zu Verformungen der Außenhaut. Die Hülle erwärmt sich auf 100 Grad Celsius und beult aus, so Lehar. Diese Beulen beeinflussen die Stabilität der Konstruktion, wodurch die Gefahr besteht, dass die Rakete abstürzt. "Durch unsere Berechnungen überprüften wir, ob die betroffenen Teile trotz der Verformung noch ausreichend stabil sind", sagte Lehar gegenüber pressetext.

Beim Jungfernstart der Ariane 5 im Dezember 2002 kam es zu einem Stabilitätsversagen im Antriebsbereich. Aus diesem Grund musste die Rakete gesprengt werden. Der Launch-Termin des nun gestarteten Trägers, mit dem die TV- und Kommunikationssatelliten Spaceway 2 und Telekom 2 ins All gebracht wurden, musste aufgrund technischer Probleme bereits zweimal verschoben werden. Mit über acht Tonnen waren die beiden Satelliten die bisher größte Gesamtlast, die von einer Ariane in den geostationären Orbit befördert wurde.

Der Entwickler der Trägerrakete, EADS http://www.eads.com , verlangt nun neue staatliche Hilfe für die Weiterentwicklung und Vermarktung der Ariane 5. Andernfalls müsse die Entwicklung der Rakete gestoppt werden, was das Gesamtprojekt gefährde, sagte der hochrangige EADS-Manager Evert Dudok der Financial Times Deutschland. Von 2006 bis 2009 forderte er jährlich 200 Mio. Euro zusätzliche Hilfsgelder. Dudok betonte, dass EADS an Kosten deckenden Preisen interessiert sei. Der Konzern mache damit keinen Gewinn. Um Ariane-Starts zu verkaufen, müssten den Kunden erhebliche Rabatte gegeben werden. Daher decke der am Markt erzielbare Preis nicht die Produktionskosten, so Dudok.

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