pte20000601007 in Leben
Medikamente können Karies fördern
Viele Arzneimittel hemmen Speichelfluss
Rochester (pte007/01.06.2000/10:00)
Das Schlucken von Medikamenten, um die Gesundheit zu erhalten, kann gleichzeitig die Zahngesundheit gefährden. Der Grund dafür ist der Nebeneffekt vieler Medikamente: Sie bremsen den Speichelfluss, der den Zahnschmelz vor Angriffen schützen soll. Mehr als 600 übliche Arzneimittel sorgen für einen trockenen Mund, berichten US-Forscher der Universität Rochester. Dies sei aber nicht nur vielen Patienten unbekannt, sondern auch den meisten Medizinern, so Gene Watson, Direktor des Salivary Dysfunction Center am Medizinischen Institut der University of Rochester. http://www.rochester.edu/Watsons Forscherteam untersuchte den Effekt des Wirkstoffes Clonidin auf die Zahngesundheit von Ratten. Clonidin findet sich in Medikamenten gegen hohen Blutdruck und wird in den USA zunehmend auch gegen Hyperaktivität bei Kindern verschrieben. In einem Versuch mit 56 Ratten entwickelten diejenigen, die Clonidin bekamen, 84 Prozent mehr Löcher in den Zähnen als die Vergleichsgruppe. Kariesbakterien greifen die Zähne von Nagetieren ähnlich an wie menschliche Zähne. http://www.eurekalert.org/releases/yor-mcd052600.html
In vorangegangenen Studien hatte Watsons Team ähnliche Auswirkungen anderer Medikamente nachgewiesen. Die enthaltenen Wirkstoffe Propranol oder Atropin verändern entweder die Zusammensetzung des schützenden Speichels und mindern seine Schutzwirkung, oder sie bremsen die Produktion der Speicheldrüsen. Dies bedeutet Gefahr für die Zähne, so Watson: "Unser Speichel wäscht Zucker und andere Substanzen weg, die Karieslöcher fördern. Er neutralisiert die Säuren im Mund. Und er ist mit Mineralien wie Kalzium und Phosphaten angereichert." Bei süßer Nahrung produzierten Bakterien auf den Zähnen eine Säure, die den Zahnschmelz ein wenig angreife. Doch der nachfließende Speichel ersetze die angegriffene Schicht.
Ein trockener Mund kann einen Teufelskreis auslösen, warnt Watson: Wenn der Durstige zu gesüßten Säften oder Limonaden greife, führe er seinem Mund zusätzliche Zucker und Säuren zu. Nippe man den ganzen Tag lang an solchen Getränken, seien die Karieslöcher vorprogrammiert. Watson rät zu verschiedenen Gegenmaßnahmen: Ist das Wechseln auf ein anderes Medikament nicht möglich, so sollten Patienten häufiger und sorgfältiger die Zähne putzen. Auch andere Ernährungsgewohnheiten und selteneres "Knabbern zwischendurch" seien zu empfehlen. Fluoridhaltige Mundspülungen könnten ebenfalls helfen, und auf jeden Fall sollten betroffene Patienten jedes halbe Jahr ihre Zähne untersuchen lassen. Informationen: Tom Rickey, E-Mail: trickey@admin.rochester.edu (wsa/EurekAlert) (Ende)
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