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pte20220112002 Medizin/Wellness, Forschung/Entwicklung

Ketamin und Therapie gegen Alko-Rückfall

Phase-II-Studie von Wissenschaftlern der University of Exeter belegt Abstinenz von 87 Prozent


Alkohol: Kombinationsbehandlung wirkt gegen Rückfälle (Foto: pixabay.com/Pexels)
Alkohol: Kombinationsbehandlung wirkt gegen Rückfälle (Foto: pixabay.com/Pexels)

Exeter (pte002/12.01.2022/06:10) -

Personen mit einer schweren Alkoholstörung gelang es im Rahmen einer klinischen Studie länger dem Alkohol fern zu bleiben, wenn sie mit einer niedrigen Dosis Ketamin in Kombination mit einer psychologischen Therapie behandelt wurden. Die Studie Ketamine for reduction of Alcohol Relapse (KARE) wurde unter der Leitung der University of Exeter https://www.exeter.ac.uk/">https://www.exeter.ac.uk durchgeführt und vom Medical Research Council https://mrc.ukri.org finanziert. Die Phase-II-Studie ist die erste derartige Studie, die untersucht, ob eine geringe Dosis von Ketamin in Verbindung mit einer Therapie dabei helfen kann zu verhindern, Betroffene nach dem Stoppen wieder zu einem schweren Alkoholkonsum zurückzukehren. Das Biotech-Unternehmen AWAKN Life Sciences https://awaknlifesciences.com/">https://awaknlifesciences.com hat die Therapie von der University of Exeter für den Einsatz in ihren Kliniken und Kooperationen lizensiert

Die Studie ging aus vorläufigen Forschungsergebnissen hervor, dass die Ketamintherapie die Anzahl der Alkoholiker verringern kann, die wieder rückfällig werden. Derzeit gibt es für schweren Alkoholismus nur wenige wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Die KARE-Studie war die erste, die den Einsatz von Ketamin mit und ohne Therapie verglichen hat. Veröffentlich im „American Journal of Psychiatry" umfasste die Studie 96 Personen mit Alkoholproblemen, die während der Laufzeit abstinent waren. Die Forscher fanden heraus, dass Teilnehmer, die Ketamin in Kombination mit einer Therapie erhielten, 162 der 180 Tage des sechsmonatigen Nachbeobachtungszeitraums vollständig nüchtern blieben. Das entspricht einer Abstinenz von 87 Prozent. Dieser Wert war deutlich höher als in jeder anderen Gruppe. Das weist darauf hin, dass die Therapie bei der Verhinderung eines Rückfalls ebenfalls vielversprechend sein dürfte. Diese Gruppe blieb am Ende der Studie zwei Mal so wahrscheinlich vollständig abstinent wie die Teilnehmer, die ein Blindpräparat erhalten hatten.

[b]Trotz Ketamin bessere Leberfunktion[/b]

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass Ketamin und Therapie jedes Trinken über einen Zeitraum von sechs Monaten verhindern könnten. Diese Ergebnisse waren jedoch weniger eindeutig. Patienten, die Ketamin einnahmen, verfügten nach drei Monaten über weniger Depressionen und eine bessere Leberfunktion als jene, die nur ein Blindpräparat erhalten hatten. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Einnahme des Medikaments mit einer Therapie kombiniert worden war oder nicht.

Vor der Studie tranken die Teilnehmer jeden Tag Alkohol. Ihr Konsum entsprach rund 50 Pints starkem Bier. Ein Pint ist etwas mehr als ein halber Liter. Die Teilnehmer die Ketamin erhielten und eine Therapie machten, tranken durchschnittlich nur an fünf Tagen der sechsmonatigen Laufzeit mehr als die empfohlenen Richtlinien. Das bedeutet eine Verringerung des Sterberisikos durch mit dem Alkohol in Verbindung stehende Probleme von eins von 8 auf eins zu 80. Laut der Forschungsleiterin Celia Morgan hat sich die Anzahl der Todesfälle in diesem Bereich seit dem Beginn der Pandemie verdoppelt. Die Bedenken eines Einsatzes von Ketamin bei Alkoholikern aufgrund von Leberproblemen hätten sich nicht bestätigt. Vielmehr verbesserte sich die Leberfunktion in der Ketamin-Gruppe, da die Teilnehmer viel weniger Alkohol tranken. Nach dieser Studie sei eine größere Untersuchung erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen. Von einem Einsatz von Ketamin außerhalb eines klinischen klinischen Kontext raten die Wissenschaftler jedoch ab.

[b]Ketamin verändert Perspektive[/b]

Forschung zu den Erfahrungen von 12 KARE-Teilnehmern wurden bereits in einem weiteren Artikel in „Frontiers in Psychiatry" veröffentlicht. Laut der Hauptautorin Merve Mollaahmetoglu dürften die Ketamin-Infusionen eine neue Perspektive ermöglichen, die in der psychologischen Therapie hilfereich sein dürfte. Ketamin löst ein Gefühl des sich außerhalb des Körpers Befindens aus. Dadurch entsteht ein Beobachterstatus, der dem der Achtsamkeit ähnlich ist. Er könnte den Patienten helfen, einen Schritt zurück zu machen und Gedanken und Gefühle zu überprüfen. „Teilnehmer haben uns erzählt, dass diese Erfahrung ihnen dabei geholfen hat, ihre Beziehung zum Alkohol zu verändern."

(Ende)
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