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pte20000404022 in Forschung

Highspeed-Kamera diagnostiziert Stimmschäden

Stimmlippendiagnose anhand von Bildern durchgeführt


Jena (pte022/04.04.2000/11:45)

Wenn die Stimme nachlässt, wird die Therapie oft sehr langwierig, "denn die meisten Betroffenen gehen zu spät zum Arzt", weiß Dr. Thomas Braunschweig vom Institut für Phoniatrie und Pädaudiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. http://www.uni-jena.de/med/phoni/lary Bereits bei ersten Anzeichen sollten Menschen aus sprechintensiven Berufen einen Spezialisten konsultieren, mahnt der Jenaer Wissenschaftler. Störtendenzen können heutzutage bereits im Ansatz erkannt werden. Hilfreich dabei ist auch eine Hochgeschwindigkeitskamera, die bis zu 5.500 Bildern pro Sekunde aufzeichnet. Sie wird per Endoskop an die Stimmlippen herangeführt und macht deren Bewegungen detailliert sichtbar.

Die Kamera, die jetzt in Jena steht, wurde in Erlangen entwickelt. Während dort vor allem die physikalischen Aspekte der Stimmlippenanalyse erforscht werden, steht in Jena die Diagnostik im Vordergrund. Die Bilder der Kamera werden per Computer ausgewertet und zu anschaulichen Graphiken umgewandelt, die rasch eine Veränderung der Stimmlippe beweisen können. "Durch die Verarbeitung des gemessenen Signals ist die Bestimmung der Momentfrequenz, der Einschwingungszeiten und der Zeit-Frequenz-Verteilung möglich", sagt Braunschweig.

Die Entwicklung solcher Signalanalyseprogramme ist seine Spezialität. Der Physiker erforscht besonders das Einschwingen - was passiert in jener Phase, bevor der erste Ton entsteht. Dauert die Einschwingzeit weniger als sieben Millisekunden ist die Stimmlippe zu stark, bei mehr als neun Millisekunden ist sie zu schwach, so Braunschweigs Erkenntnis. Beides weist auf Störungen hin, die - rechtzeitig erkannt - durch ein Stimmtraining oder eine andere Therapie gut und meistens rasch behoben werden können.

Viele Betroffene versuchen allerdings, die stimmliche Veränderung zu kompensieren. Lehrer, deren Stimmlippen erschlafft sind und die dadurch leiser sprechen, gleichen den Lautstärkenverlust durch besondere Bemühungen aus, erläutert Braunschweig an einem häufig auftretenden Fall. Diese Anstrengungen können zu Verkrampfungen der Stimmlippen führen, die dann nur noch schwer behandelt werden können. Doch bereits die Kompensationsversuche lassen sich per Kamera und Auswertung erkennen, schwärmt der Jenaer Wissenschaftler. Eine Therapie wird frühzeitig möglich. Informationen: Dr. Thomas Braunschweig, E-Mail: tbraunschweig@landgraf.med.uni-jena.de (idw) (Ende)
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