pte20000310004 in Leben
Gewerkschaft fordert Rückgaberecht für ungeöffnete Arzneimittel
Einsparungen bei Medikamenten können 4,6 Mrd. Schilling bringen
Wien (pte004/10.03.2000/09:30)
20 Prozent aller Medikamente werden ungeöffnet weggeworfen. Das entspreche einer Summe von rund 4,6 Mrd. Schilling. Mit diesem Slogan fordert die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten in zwei Resolutionen die Krankenkassen zu einem Sparkurs bei den Medikamenten auf. Grund für die Aufforderung sind die geplanten Verteuerungen im Gesundheitsbereich."Es ist nicht sinnvoll, über Erhöhungen und Selbstbehalte zu diskutieren, so lange nicht über die unglaubliche Verschwendung auf dem Medikamenten-Sektor gesprochen wird", erklärte Heiner Bartuska, Arzt und Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten für Gesundheitsberufe http://www.oegb.at/gdg . Zuerst müssen ernsthafte Versuche unternommen werden, bei Medikamenten zu sparen.
Problematisch seien, so Bartuska nicht nur die ungeöffneten Arzneimittel, sondern auch deren Entsorgungskosten und der volkswirtschaftliche Schaden von mindestens drei Mrd. Schilling, den die Patienten über den Selbstbehalt von 45 Schilling bezahlen müssten. "Die Summe von sieben Milliarden Schilling geht dem Gesundheitswesen dadurch verloren. Das Geld nützt lediglich Apothekenbesitzern und Pharmafirmen", so Bartuska.
Die Ursachen des Systemfehlers liegen darin, dass den Patienten die Informationen der Beipacktexte bis nach der Bezahlung durch Krankenkasse und Selbstbehalt systemimmanent vorenthalten bleiben. Die Patienten entscheiden erst zu Hause, welche Medikamente sie nehmen und welche nicht. Eine Kommunikation mit dem Arzt oder Apotheker gebe es dann aber nicht mehr. Der Patient entscheide sich meist für das Präperat, das ihm risikoloser erscheine.
Patienten haben daher keine Möglichkeit mehr zu sparen, oder mit dem Arzt zu sprechen, welche Medikamente sie bei verbesserter Aufklärung doch nehmen würden. "Dabei ist jeder Appell an die Sparsamkeit logischerweise unnütz, solange dieses System unverändert bleibt", so Bartuska. Eine Lösung wäre zum Beispiel die Möglichkeit, ungeöffnete Medikamentenpackungen innerhalb von 14 Tagen in der Apotheke zurückzugeben, oder die gesetzliche Vorschrift, dass alle Beipacktexte in der Apotheke aufzuliegen haben, so dass die Patienten sich vor Ort informieren könnten. Die Beipacktexte könnten auch im Internet veröffentlicht werden.
Bartuska geht auch davon aus, dass die entlasteten Budgets der Krankenkassen für sinnvolle Therapien wie Hauskrankenpflege, Psychotherapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Ernährungsberatung und Massage genutzt werden könnten, da derzeit solche Leistungen zum Großteil nicht von der Kasse übernommen werden. Diese Therapien würden sich wiederum medikamentensparend auswirken, so Bartuska.
"Diese Therapien haben den weiteren Vorteil, dass sie rehabilitativ und erzieherisch wirksam sind und zu mehr Selbstständigkeit und Selbstverantwortung in Gesundheitsfragen anleiten", so Bartuska. Bei den Medikamenten hingegen sei sogar das Gegenteil davon - "eine Wirkung der Passivierung und des Abhängigmachens" - zu beobachten. Mit heftigen Reaktionen seitens der Pharmakonzerne und Apotheken müsse jedoch gerechnet werden, da massive Umsatzrückgänge zu befürchten wären. Das Argument, dass Arzneimittel vergiftet retourniert werden könnten, sei unrealistisch und unwissenschaftlich, da bis jetzt in der gesamten Literatur kein solcher Fall gefunden werden konnte, erklärt Bartuska. (Ende)
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