pte20000905041 in Leben
Gemeinsamkeiten in Gärten Mexikos und Osttirols
Österreichische Biologin erforscht Bedeutung bäuerlicher Hausgärten
Lienz/Wien (pte041/05.09.2000/16:21)
Das traditionelle Wissen um Landbau war schon seit der Universität ein Thema für die junge Forscherin Brigitte Vogl-Lukasser aus Osttirol. Bei mehrjährigen Forschungen im Dschungel der Chiapas in Südmexiko hat die Wissenschaftlerin über die Hausgärten der Mayas ihre Diplomarbeit geschrieben. Die österreichische Biologin ist in der Zwischenzeit auf den wichtigen Kongressen über Landbau Gastvortragende. Sie wird Ende Oktober beim 7. Internationalem Kongress für Ethnobiologie in Athens/Georgia http://guallart.dac.uga.edu/ISE über ihre Arbeit sprechen."Beim ersten Anblick der Hausgärten kann man als Mitteleuropäer kaum feststellen, dass es sich um Gärten in unserem Sinn handelt", sagte die Biologin zu pressetext.austria. "Die Gärten ahmen Regenwälder nach, die Bäume stehen ungeordnet und spiegeln den Wald wieder." Bei den Mayas wird von den Pflanzen alles genutzt. Beim Guavebaum beispielsweise wird die Frucht verzehrt, die Baumrinde ist ein Heilmittel gegen Durchfall und die Äste dienten als Brennholz. Die Pflanzen wachsen auch in den Gärten wie im Regenwald in Stufen übereinander. Das hat den Zweck, den Arbeitsaufwand so gering wie möglich zu halten.
Die Hausgärten der Mayas umfassen eine durchschnittliche Fläche von 2.000 Quadratmetern und dienen neben der Versorgung auch als soziales Umfeld. "Dabei ist nicht das Ertragsmaximum das oberste Gebot, sondern eine große Diversität an Pflanzen und Sorten", so Vogl-Lukasser. Viele Bauern haben in den Gärten zum Beispiel verschiedene Kartoffelsorten gesät, die entweder hitze- oder trockenresistent sind. Das garantiert bei kurzfristigen Wetteränderungen noch immer eine optimale Strategie, um über einen möglich langen Zeitraum zu ernten. "Die vielen verschiedenen Produkte entsprechen einer optimalen Strategie in Anpassung an natürliche Standortfaktoren", so die Forscherin.
Bäuerliche Hausgärten in Osttirol entsprechen im Wesentlichen der gleichen Methodik. "Die Bauern haben versucht eine möglichst große Nutzungsvielfalt zu erreichen. Auch die Osttiroler Gärten waren Arzneigärten, weil es in früherer Zeit kein Geld für eine medizinische Behandlung gab", so Vogl-Lukasser. Die heutigen Gärten entsprechen aber nicht mehr den archaischen Formen, in denen 12 bis 20 Pflanzenarten gezogen wurden. Heutige Gärten enthalten fast 600 Pflanzenarten, von denen ein Drittel aus meist nicht heimischen Kulturarten besteht, ein weiteres Drittel sind nicht heimische Nutzpflanzen, der Rest besteht aus heimischen Nutzpflanzen.
Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft http://www.bmlf.gv.at hat die Wissenschaftlerin beauftragt, die Studien über die funktionale Bedeutung bäuerlicher Hausgärten in Osttirol zu machen. In den Jahren 1997 und 1998 wurde in 12 Gemeinden nahezu 200 Gärten auf ihre Pflanzen untersucht. Mechanisierung und Rationalisierung haben in den Bauerngärten keinen Einzug gehalten. Es werden noch immer technisch unkomplizierte Produktionsmittel eingesetzt. Da zählen zum Beispiel einfachste Arbeitsgeräte, hofeingener Dünger und getauschtes Pflanzenmaterial. Das Artenspektrum entspreche dem Geschmack und dem Bedarf der Familie. (Ende)
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