pte20000318006 in Leben
Farbtest identifiziert Bakterien
Einzelne Molekültypen weisen unterschiedliche Farben auf
München/Bremen (pte006/18.03.2000/11:00)
An der Technischen Universität München http://www.tu-muenchen.de/ ist anlässlich der Tagung "Mikrobiologie 2000" eine Alternative zu den hergebrachten Bakterienkulturen vorgestellt worden. "Wir haben entdeckt, dass man weit weniger als ein Prozent der Bakterien, die zum Beispiel unter dem Mikroskop zu beobachten sind, in Reinkultur ziehen kann", erläutert Professor Karl-Heinz Schleifer von der TU München.Die Wissenschaftler versuchen, den Umweg über die Kulturschalen zu umgehen und die Bakterien in der Probe selbst zu identifizieren. "Man verwendet zum Beispiel ein Molekül, das in allen Lebewesen vorkommt und mit dessen Hilfe man zum Teil bis zu 90 Prozent der Bakterien in Umweltproben identifizieren kann", so Schleifer. Das Molekül ist Bestandteil der Ribosomen, der zellulären Eiweißfabriken. Jeder Bakterienstamm verfügt offenbar über einen anderen Typ dieses Moleküls. Diese verschiedenen Molekültypen haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie beim Anfärben unterschiedliche Farbtöne annehmen.
Der Farbtest ist ein bedeutender Fortschritt, denn die Bakterien, die in Laborkulturen gut gedeihen, sind nicht unbedingt diejenigen, die sich in der Natur durchsetzen. Rudolf Ammann vom Max-Planck-Institut für Meeresmikrobiologie http://www.mpi-bremen.de/ in Bremen erläutert ein Beispiel: "Das Wattenmeer ist ein Extremstandort, wo mal Süß- mal Salzwasser vorherrscht, da wachsen Organismen, die nicht unbedingt auf Oberflächen oder Platten im Labor wachsen." Diese Organismen sind dann aber diejenigen die wesentlichen Einfluss auf weltweite biogeochemische Zyklen ausüben.
Auch für Mediziner stellen die neuen Identifikationsmethoden einen wichtigen Fortschritt dar. "Es gibt Krankheiten, von denen man annimmt, dass Mikroorganismen beteiligt sind. Aber man kann sie aus unterschiedlichen Gründen nicht isolieren und kultivieren", so Karl-Heinz Schleifer. Mit den neuen Bestimmungstechniken könnte innerhalb kurzer Zeit einen angemessene Therapie konzipiert werden, während bei konventioneller Bestimmung erst Tage auf die Bakterienkultur gewartet werden muss.(dradio) (Ende)
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