Erste Group Bank AG: Erste Group erwirtschaftet im ersten Halbjahr 2026 einen Nettogewinn von EUR 1.975 Mio
Wien (pta009/30.07.2026/07:30 UTC+2)
Tabelle Finanzzahlen im Vergleich im beiliegenden pdf
HIGHLIGHTS
GuV-Zahlen: 1-6 2026 verglichen mit 1-6 2025, Bilanzzahlen: 30. Juni 2026 verglichen mit 31. Dezember 2025. Die erstmalige Einbeziehung der Erste Bank Polska führte zu signifikanten Veränderungen zahlreicher Positionen.
Der Zinsüberschuss stieg auf EUR 5.386 Mio (+42,3%; EUR 3.786 Mio). Anstiege gab es insbesondere in der Slowakei, Tschechien und Ungarn aufgrund von Kreditwachstum und der geringeren Zinsaufwendungen für Kundeneinlagen, Letztere insbesondere in Österreich. Zusätzlich leistete Polen einen wesentlichen Beitrag von EUR 1.370 Mio. Der Provisionsüberschuss erhöhte sich in fast allen Kernmärkten und Provisionskategorien auf EUR 1.929 Mio (+25,1%; EUR 1.542 Mio), davon entfielen auf Polen EUR 251 Mio. Das Handelsergebnis erhöhte sich auf EUR 424 Mio (EUR 141 Mio). Die Position Gewinne/Verluste aus Finanzinstrumenten, erfolgswirksam zum Fair Value bilanziert verringerte sich auf EUR 40 Mio (EUR 59 Mio). Die Entwicklung beider Positionen war hauptsächlich auf Bewertungseffekte zurückzuführen. Die Betriebserträge stiegen auf EUR 7.959 Mio (+ 40,4%; EUR 5.668 Mio), der Anteil von Polen belief sich auf EUR 1.821 Mio. Der Verwaltungsaufwand erhöhte sich auf EUR 3.537 Mio (+30,7%; EUR 2.706 Mio), davon entfielen EUR 738 Mio auf Polen. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr Integrationskosten von EUR 73 Mio verbucht. Die Personalaufwendungen stiegen auf EUR 1.977 Mio (+21,7%; EUR 1.624 Mio). Dies ist vor allem auf die Konsolidierung des Teilkonzerns Polen (EUR 276 Mio) sowie auf kollektivvertragliche Gehaltserhöhungen zurückzuführen. Die Sachaufwendungen stiegen auf EUR 1.075 Mio (+33,1%; EUR 808 Mio), davon entfielen auf Polen EUR 269 Mio. Während sich die in den Sachaufwendungen verbuchten Beiträge in Einlagensicherungssysteme – für 2026 bereits fast gänzlich verbucht – auf EUR 51 Mio (EUR 55 Mio) verringerten, stiegen die IT-Aufwendungen insbesondere aufgrund der Einbeziehung von Polen (EUR 129 Mio) auf EUR 485 Mio (EUR 344 Mio). Die Abschreibungen beliefen sich auf EUR 485 Mio (+77,3%; EUR 274 Mio), der Anteil von Polen auf EUR 193 Mio. Insgesamt erhöhte sich das Betriebsergebnis auf EUR 4.422 Mio (+49,3%; EUR 2.963 Mio), die Kosten-Ertrags-Relation verbesserte sich auf 44,4% (47,7%).
Das Ergebnis aus Wertminderungen von Finanzinstrumenten betrug EUR -583 Mio bzw. 44 Basispunkte des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands (EUR -182 Mio bzw. 16 Basispunkte). Der Anstieg war wesentlich durch Dotierungen von Wertberichtigungen für Kredite und Darlehen im Rahmen der Vorschriften des IFRS 9 für die erstmalige Einbeziehung des polnischen Portfolios bedingt (EUR 302 Mio bzw. 23 Basispunkte). Die NPL-Quote bezogen auf Bruttokundenkredite verbesserte sich leicht auf 2,3% (2,4%). Die NPL-Deckungsquote (ohne Sicherheiten) belief sich auf 68,4% (69,7%).
Der sonstige betriebliche Erfolg verschlechterte sich auf EUR -330 Mio (EUR -183 Mio). Die Bankenabgaben – derzeit in fünf Kernmärkten zu entrichten – stiegen an: Im sonstigen betrieblichen Erfolg wurden EUR 392 Mio (EUR 197 Mio) erfasst, davon entfielen EUR 189 Mio (EUR 109 Mio) auf Ungarn (davon EUR 121 Mio Bankensteuer bereits für das gesamte Jahr 2026) und EUR 98 Mio auf Polen. Die Bankensteuer in Österreich belief sich auf EUR 65 Mio (EUR 68 Mio), in Rumänien auf EUR 39 Mio (EUR 20 Mio). Die Bankensteuer in der Slowakei von EUR 33 Mio (EUR 32 Mio) wird in der Position Steuern vom Einkommen verbucht. Die bereits für das gesamte Jahr 2026 erfassten Aufwendungen für jährliche Beitragszahlungen in Abwicklungsfonds verringerten sich leicht auf EUR 14 Mio (EUR 15 Mio).
Die Steuern vom Einkommen beliefen sich auf EUR 841 Mio (EUR 529 Mio). Das den nicht beherrschenden Anteilen zuzurechnende Periodenergebnis erhöhte sich infolge höherer Ergebnisbeiträge der Sparkassen sowie der Einbeziehung des Segments Polen (EUR 176 Mio) auf EUR 689 Mio (EUR 389 Mio). Das den Eigentümern des Mutterunternehmens zuzurechnende Periodenergebnis stieg auf EUR 1.975 Mio (+18,6%; EUR 1.665 Mio).
Das um AT1-Kapital bereinigte gesamte Eigenkapital erhöhte sich auf EUR 37,5 Mrd (EUR 31,2 Mrd). Nach Vornahme der in der Eigenkapitalverordnung (CRR) festgelegten Abzugsposten und Filter lag das Harte Kernkapital (CET1) bei EUR 28,5 Mrd (EUR 28,5 Mrd), die gesamten regulatorischen Eigenmittel bei EUR 37,3 Mrd (EUR 36,5 Mrd). Das Gesamtrisiko (die risikogewichteten Aktiva), das Kredit-, Markt- und operationelles Risiko inkludiert, stieg auf EUR 186,9 Mrd (EUR 147,5 Mrd), was im Wesentlichen auf die Einbeziehung der Erste Bank Polska zurückzuführen ist. Die Harte Kernkapitalquote (CET1-Quote) sank auf 15,2% (19,3%), die Gesamtkapitalquote auf 20,0% (24,8%). Die Erstkonsolidierung der Erste Bank Polska wirkte sich mit 455 Basispunkten negativ auf die CET1-Quote aus.
Die Bilanzsumme stieg auf EUR 461,1 Mrd (+25,1%; EUR 368,6 Mrd). Auf der Aktivseite verringerten sich Kassenbestand und Guthaben auf EUR 23,8 Mrd (EUR 27,6 Mrd), Kredite an Banken stiegen auf EUR 27,8 Mrd (EUR 20,8 Mrd). Die Kundenkredite stiegen auf EUR 282,7 Mrd (+21,9%; EUR 232,0 Mrd), insbesondere durch das polnische Portfolio in der Höhe von EUR 41,4 Mrd. In den anderen Kernmärkten wurden vor allem in Tschechien, Ungarn, Kroatien und Österreich Anstiege verzeichnet. Passivseitig stiegen die Einlagen von Kreditinstituten auf EUR 21,2 Mrd (EUR 16,9 Mrd), die Kundeneinlagen auf EUR 323,7 Mrd (+27,9%; EUR 253,0 Mrd). Wesentlich für den Anstieg waren neben der erstmaligen Konsolidierung von Polen (EUR 59,3 Mrd) auch Anstiege von Firmenkundeneinlagen in Österreich und Tschechien. Das Kredit-Einlagen-Verhältnis belief sich auf 87,3% (91,7%).
AUSBLICK 2026
Nach der guten Geschäftsentwicklung des ersten Halbjahres hat die Erste Group ihren Finanzausblick für 2026 angehoben. Die Erste Group erwartet, eine Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von über 20% (statt circa 19%) zu erwirtschaften und damit das Ergebnis je Aktie um mehr als 20% zu steigern. Dazu wird der um Einmaleffekte bereinigte Nettogewinn 2025 mit dem erwarteten ausgewiesenen Nettogewinn 2026 verglichen. Diese Zielsetzung beruht auf folgenden Prämissen: Zunächst wird erwartet, dass sich das Geschäft der Erste Group in ihren zum Jahresende 2025 bestehenden sieben Kernmärkten (Österreich, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien) trotz der teilweise gedämpften makro-ökonomischen Prognosen aufgrund der anhaltenden geopolitischen Herausforderungen infolge des Krieges im Iran bei stabilen Zinsen in der Eurozone und stabilen Margen gut entwickeln wird. Auf dieser Basis erwarten wir ein gesundes Wachstum des Kreditvolumens von 6-8% (statt mehr als 5%). Die Geschäftsentwicklung gemessen am Betriebsergebnis (Betriebserträge minus Betriebsaufwendungen) sollte sich gegenüber dem Vorjahr verbessern: Der Zinsüberschuss sollte um etwa 5% steigen, für den Provisionsüberschuss heben wir den Ausblick auf einen Anstieg von 7-9% (statt mehr als 5%) an, das Handels- und Fair Value-Ergebnis sollte einen ähnlichen Beitrag wie 2025 leisten und die Betriebs-aufwendungen um etwa 3% steigen. Damit sollte sich die Kosten-Ertrags-Relation von 48% im Jahr 2025 auf unter (statt rund) 47% im Jahr 2026 verbessern. Der sonstige betriebliche Erfolg wird sich nach einigen im Jahr 2025 verzeichneten positiven Einmaleffekten in Höhe von EUR 270 Mio voraussichtlich normalisieren und eher wie die auch in diesem Posten verbuchten Bankenabgaben entwickeln. Die Risikokosten sollten mit 20 bis 25 Basispunkten auf einem ähnlich günstigen Niveau liegen wie 2025.
Weiters sind außerordentliche Effekte aufgrund der Vollkonsolidierung der Erste Bank Polska vor allem im Zinsüberschuss, bei Betriebsaufwendungen und Risikokosten zu erwarten. Der Zinsüberschuss wird in Höhe von rund EUR 170 Mio (dies entspricht einem Effekt auf den Nettogewinn von rund EUR -60 Mio) negativ beeinflusst, was auf die Amortisierung von Fair Value-Anpassungen bei Schuldverschreibungen und Derivaten im Zuge der Kaufpreisallokation zurückzuführen ist. Darüber hinaus wird der auf den Kaufpreis im Jahr 2025 erlöste Zinsertrag 2026 wegfallen. Die Betriebsaufwendungen werden durch Abschreibung von immateriellen Vermögenswerten (Kundenstock und Marke) und Verbuchung von Integrationskosten belastet werden. Der Kundenstock wird über zehn Jahre um jährlich rund EUR 210 Mio abgeschrieben werden (Auswirkung auf Nettogewinn rund EUR -70 Mio), während die Marke nach dem Rebranding zur Gänze 2026 abgeschrieben wird (EUR 30 Mio brutto bzw. EUR ~10 Mio netto). Prognostiziert werden weiters Integrationskosten von bis zu EUR 180 Mio brutto in 2026. Der entsprechende Nettoeffekt wird von der erst festzulegenden Kostenaufteilung zwischen der Muttergesellschaft und der lokalen Bank abhängig sein. In den Risikokosten schlägt sich eine Belastung von EUR 302 Mio nieder (Effekt auf Nettogewinn circa EUR -120 Mio), da im Zuge der Erstkonsolidierung gemäß IFRS 9 Wertberichtigungen für das gesamte erworbene Portfolio gebildet werden mussten. Diese Belastung ist kein Hinweis auf eine Verschlechterung der Portfolioqualität. Die im ersten Halbjahr vorgenommenen Buchungen lagen im Rahmen dieser Erwartungen.
Schlussendlich erwartet die Erste Group mit aktuell acht Kernmärkten einen Anstieg der Nettokunden-kredite auf rund EUR 290 Mrd (statt mehr als EUR 285 Mrd). Unter Berücksichtigung des organischen Wachstums sowie des Beitrags der Erste Bank Polska einschließlich außerordentlicher Effekte aus der Erstkonsolidierung werden 2026 insgesamt ein Zinsüberschuss von mehr als EUR 11 Mrd, ein Provisionsüberschuss von etwa EUR 4 Mrd, ein positiver Effekt durch Provisionen aus dem FX-Geschäft in Polen auf das Handels- und Fair Value-Ergebnis und Betriebsaufwendungen von circa EUR 7 Mrd (währungsbereinigt) erwartet. Damit sollte sich die Kosten-Ertrags-Relation der Erste Group trotz der Integrationskosten auf unter (statt etwa) 45% verbessern. Die Risikokosten werden im Bereich von 25 bis 30 Basispunkten der durchschnittlichen Bruttokundenkredite erwartet, da Risikokosten in Polen eher etwas höher liegen als in anderen CEE-Märkten. Diese Prognose ist um die oben genannte einmalige Vorsorge für erwartete Kreditverluste in Höhe von EUR 302 Mio bereinigt. Der ausgewiesene Netto-gewinn der Erste Group wird daher trotz der außerordentlichen Posten im Zusammenhang mit der Erstkonsolidierung von Erste Bank Polska bei über EUR 4 Mrd erwartet (ursprünglich etwas unter EUR 4 Mrd).
Zu potenziellen Risiken für die Prognose zählen (geo-)politische und volkswirtschaftliche Entwicklungen (etwa auch Auswirkungen von Geld- und Fiskalpolitik), regulatorische Maßnahmen sowie Veränderungen im Wettbewerbsumfeld. Die aktuellen internationalen (militärischen) Konflikte haben keine direkten Auswirkungen auf die Erste Group, da diese nicht in den betroffenen Regionen tätig ist. Indirekte Effekte, wie etwa Volatilität an den Finanzmärkten, Auswirkungen von Sanktionen, Unterbrechungen der Lieferketten oder Eintritt von Einlagensicherungs- oder Abwicklungsfällen, können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Die Erste Group ist zudem nichtfinanziellen und rechtlichen Risiken ausgesetzt, die unabhängig vom wirtschaftlichen Umfeld schlagend werden können. Eine schlechter als erwartete Wirtschaftsentwicklung kann auch eine Goodwill-Abschreibung erforderlich machen.
FINANZAMBITION 2030
Die Erste Group strebt eine Verdoppelung des Ergebnisses je Aktie (EPS) bis 2030 auf >EUR 15 an, das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von etwa 15% für den Zeitraum 2025 bis 2030. Weiters geht die Erste Group von einer um immaterielle Vermögenswerte bereinigten Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von über 20% während des Prognosezeitraums aus. Als Ausgangsbasis für die Prognose bis 2030 dient der für 2025 ausgewiesene Nettogewinn von EUR 3.510 Mio, bereinigt um die AT1-Dividende in Höhe von EUR 139 Mio sowie um positive Sondereffekte im sonstigen betrieblichen Ergebnis nach Steuern von EUR 213 Mio, zusammen mit der gewichteten durchschnittlichen unverwässerten Anzahl ausstehender Aktien von 408,9 Mio Stück im Jahr 2025. Daraus ergibt sich für 2025 ein Ergebnis je Aktie (EPS) von EUR 7,72 (ausgewiesenes Ergebnis je Aktie 2025: EUR 8,24).
Diese finanzielle Zielsetzung basiert auf folgenden wesentlichen Annahmen: Nachhaltiges organisches Wachstum im Kredit-, Einlagen- und Asset Management-Geschäft, getragen von überdurchschnittlichem Wirtschaftswachstum in Zentraleuropa; optionale anorganische Wachstumsmöglichkeiten in Polen bzw. in der gesamten Region Zentraleuropa; verbesserte operative Effizienz infolge größerer Skaleneffekte; ein weiterhin solides Kreditrisikoumfeld; eine attraktive Ausschüttungspolitik, einschließlich regelmäßiger Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe.
Sämtliche Annahmen beruhen auf einem ähnlich positiven Zinsumfeld wie derzeit, einer über den Prognosezeitraum hinweg weitgehend stabilen geopolitischen Lage sowie darauf, dass es zu keiner wesentlichen Erhöhung der Bankenabgaben, der regulatorischen Belastungen oder der allgemeinen Steuerlast kommt.
(Ende)
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