pte20000603006 in Forschung
Computertomographie als Alternative zu Herzkatheter
Multi-Detector-Computertomographie vermehrt eingesetzt
München (pte006/03.06.2000/11:00)
Die Untersuchung mit einem speziellen Computer-Tomographen liefert Bilder von Herzkranzgefäßen. Ärzte, die dieses Verfahren erproben, wollen mit der neuen Methode bestimmten Patienten eine invasive Untersuchung mit dem Herzkatheter ersparen. Zwei Mal pro Sekunde kreisen vier Detektoreinheiten des neuen Computer-Tomographen um den Patienten. Der sogenannte Multi-Detector-CT (MDCT), auch Mehrzeilen-Spiral-CT genannt, ist eine Weiterentwicklung des Spiral-CT.Etwa 35 Sekunden lang muss der Patient, dessen Herzfrequenz auf 70 Schläge pro Minute abgesenkt wurde, die Luft anhalten. Dann ist die Untersuchung vorbei. Danach werden die Schichtaufnahmen an einer so genannten Workstation zu dreidimensionalen Bildern des Herzens und der Herzkranzgefäße zusammengesetzt. "Mit diesem Verfahren", schwärmt der Radiologe Professor Maximilian Reiser vom Münchener Klinikum Großhadern http://www.klinikum-grosshadern.de/ , "erhalten wir Bilder von den Herzkranzgefäßen in nie dagewesener Qualität."
Deutlich erkennbar sind Verkalkungen und - wenn zusätzlich ein Kontrastmittel eingesetzt wird - Verengungen der Koronarien, unabhängig davon, ob sie von verkalkten oder nicht-verkalkten Ablagerungen (Plaques) verursacht werden. Darum können die Radiologen das ganze Ausmaß einer Atherosklerose vor allem in Frühstadien mitunter sogar deutlicher erkennen als dies durch eine Untersuchung mit dem Herzkatheter möglich ist.
Der Katheter kommt beispielsweise auch bei Risikopatienten und bei unklaren Beschwerden zum Einsatz, ebenso dann, wenn der Verlauf einer Erkrankung nach einer Behandlung oder nach einer Operation überwacht werden soll. Dieser Bereich der Diagnostik könnte, so die Vorstellung der Münchener Radiologen, die neue Domäne der nicht-invasiven CT-Untersuchung werden. Reiser: "Bei Patienten etwa mit Bluthochdruck, Diabetes und zu hohen Blutfettwerten, denen man eine Untersuchung mit dem Herzkatheter noch nicht zumuten möchte, könnte das Verfahren Hinweise auf frühe atherosklerotische Veränderungen liefern und auch dazu eingesetzt werden, um die Wirksamkeit einer Behandlung von Risikofaktoren zu überprüfen." Auch bei unklaren Brustschmerzen und Herzrhythmusstörungen ließen sich bestimmte Erkrankungen durch die CT-Untersuchung ohne Belastung des Patienten ausschließen.
Die CT-Untersuchung mit Kontrastmittel, CT-Angiographie genannt, liefert darüber hinaus wichtige anatomische Informationen für minimal-invasive Operationen am Herzen. Ebenso kann mit dem Verfahren der Verlauf nach der Operation, etwa nach Bypass oder einer Behandlung mit dem Ballonkatheter, überprüft werden. Informationen: Prof. Dr. med. Maximilian Reiser, E-Mail: mreiser@ikra.med.uni-muenchen.de (idw) (Ende)
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