pte20000510040 in Leben
Chinesische Medizin kann westliche ergänzen
"Ärztliche Betreuung bei chinesischen Arzneimitteln notwendig"
Wien (pte040/10.05.2000/16:25)
Die Professoren Friedrich Wallner, Gertrude Kubiena und Andreas Bayer diskutierten heute, Mittwoch, auf Einladung von pressetext.austria zum Thema "Westliche Medizin in der Sackgasse?". Wallner vom Institut für interdisziplinäre Forschung und strukturelle Wahrnehmung an der Universität Wien erläuterte, dass der Patient kein Objekt, sondern Partner des Arztes sei; dies könnte man von der chinesischen Medizin lernen. Kubiena, Vizepräsidentin der österreichischen Gesellschaft für Akupunktur warnte vor unqulifizierter Anwendung von chinesischen Medikamenten: es handle sich dabei um keine "Zuckerl", sondern um hochwirksame Substanzen. Bayer, Präsident der TCM- Traditionelle Chinesische Medizin -Akademie in Österreich, betonte die Wichtigkeit der persönlichen Betreuung von Patienten durch Ärzte; dies sei vor allem bei der Anwendung von östlicher Medizin notwendig.Friedrich Wallner lud dazu ein, den kulturellen Hintergrund anderer Länder zu studieren; man würde sie dadurch zwar nicht wirklich verstehen, jedoch seine eigene Kultur und Geschichte besser verstehen. Daher sei auch die Akupunktur als Technik zu wenig, nötig sei auch die Beschäftigung mit der Philosophie, die dahinter stehe. Trotz allem habe das aber überhaupt nichts mit Esoterik zu tun, sondern: die chinesische Medizin ist Wissenschaft, so Wallner. Die Medizin im Westen "repariert", die im Osten hilft dem Patienten, sich selber zu verstehen. Es gehe um eine vertrauensvolle Partnerschaft zwischen Arzt und Patient.
Auch Gertrude Kubiena, von der Schulmedizin kommende Ärztin, betonte die Vorzüge der chinesischen Medizin, weil sie zu einer individuelleren Betreuung führe. Dennoch sollte man westliche und östliche Praktiken nicht gegeneinander ausspielen, sondern je nach Fall beurteilen, welche Medizin anzuwenden sei. Im Umgang mit chinesischen Arzneimitteln müsse man jedenfalls sehr vorsichtig sein, weil sie dem jeweiligen Patienten in der jeweiligen Situation angepasst seien und hochwirksame Substanzen enthielten; sie könnten bei falscher Anwendung auch zutiefst gefährlich, ja gesundheitsschädigend sein.
Andreas Bayer, Professor für chinesische Medizin in Los Angeles, warnte auch vor Laien-Experimenten mit chinesischer Medizin; diese hochwirksamen Arzneimittel dürften ausschließlich durch darin ausgebildete Ärzte eingesetzt werden. Er lehnt die im Westen nach seinen Worten gebräuchliche "Standarisierung" im Gesundheitsbereich ab, die kaum subjektive Entscheidungen des Arztes ermögliche. Der Patient verdiene aber eine inidividuelle Betreuung.
Im Publikam saß Krista Federspiel, Redakteurin der Verbraucherschutz-Organisation "Konsument" http://www.konsument.at , die die Podiumsdiskussionsteilnehmer mit mehreren Fragen herausforderte. Wie sie anschließend an die Diskussion meinte, habe die Ankündigung der Podiumsrunde http://www.pte.at/show.pl.cgi?pte=000504021 die Hoffnung geweckt, dass die chinesische Medizin das Leben verlängern könne oder Krankenhausaufenthalte verhindert werden könnten. Dem sei aus ihrer Sicht überhaupt nicht so und das hätte auch die heutige Diskussion nicht belegen können.
Die Diskussion von pressetext.austria und der Online-Presse http://www.diepresse.at stand unter Leitung von pte-Redakteur Wolfgang Weitlaner. Sie ist im ptv-Archiv http://www.ptv.at abrufbar. (el) (Ende)
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