pts20001205024 in Leben
Berühmte Opernsängerin Jo Ann Pickens in der Schweiz: Das Interview
"Ich könnte keine Gospel singen, wenn ich nicht an ihre Botschaft glauben würde"
CH-8713 Uerikon (pts024/05.12.2000/11:59)
Jo Ann Pickens Gospel Classics & The Gospel MessengersTonhalle St.Gallen Samstag, 16. Dezember 20.00 Uhr
The Jackson Singers & Heavenly Voices from Indianapolis
& Jo Ann Pickens Gospel Classics
Kongresshaus Zürich Sonntag, 17. Dezember 20.15 Uhr
Tickets: Alle Ticketcorner-Vorverkaufsstellen sowie über Telefon 0848 800 800.
Interview mit Jo Ann Pickens vom 28.11.2000 von Martin Wüthrich:
Jo Ann Pickens: Sali, wie gaht's? [In Schweizerdeutsch]
Gut, danke! Das klingt ja wie echt! [Rest des Interviews in Englisch] Wie kommt eine berühmte Opernsängerin dazu, Gospel zu singen?
Mein erster Kontakt mit Musik war in den schwarzen Kirchen Amerikas. Irgendwann erhielt ich Klavierunterricht, ging ans College und studierte klassische Musik. Mit klassischer Musik verdiente ich lange meinen Lebensunterhalt. Aber Gospel hat etwas mit meinem ganzen Lebensweg zu tun. Gott war immer ein Teil meines Lebens. Ich habe in Frankreich damit begonnen, Gospelmusik zu singen. Das hat sich dann immer weiter entwickelt, und heute bin ich davon eingenommen. Das heisst nicht, dass ich mit klassischer Musik nichts mehr am Hut habe. Meine klassische Ausbildung dient mir, was immer ich singe. Aber ich bin dem Gospel näher, weil ich ihn liebe.
Und während Ihrer Opernzeit, haben Sie da auch Gospel gesungen?
Well, ich habe Negro Spirituals gesungen. Ich weiss nicht, ob der Unterschied hier geläufig ist, deshalb werde ich ihn kurz erklären. Negro Spirituals wurden von den schwarzen Sklaven Amerikas gesungen, sie sind die ursprüngliche Form und Grundlage aller afroamerikanischen Musik. Ich habe Spirituals schon früh in meine Rezital-Programme aufgenommen. Als Gospel immer populärer wurden, habe ich mehr Gospel eingefügt. Gospelmusik hat ihren Ursprung in der Kirche und ist nicht so alt wie die Spirituals. Es gibt zwar stilistische Unterschiede, aber in den letzten Jahren hat sich das etwas vermischt. Man könnte also einen Spiritual nehmen und einen Gospelsong daraus machen, was auch häufig geschehen ist.
Gospel ist also nicht nur eine weitere Form von Musik für Sie?
Nein, es ist das Erbe meiner Kultur. Ich könnte keine Gospel singen, wenn ich nicht an ihre Botschaft glauben würde. Es gibt solche Leute. Aber für mich sind sie Teil meines Lebens. Meine Mutter und meine Grossmütter haben diese Lieder gesungen. Und ich glaube die Botschaft, die ich beim Singen an die Leute weitergeben will.
Würden Sie sich als religiös bezeichnen?
"Religiös" ist ein künstlicher, von Menschen geschaffener Begriff. Ich bezeichne mich als gottesgläubig, ich glaube an Gott. Wenn man von Religion spricht, spricht man von Kirchen, von Methodisten, Katholiken usw. Aber Gott ist für uns alle da. Man spricht mit ihm, er antwortet.
Ich habe etwas in ihrem Lebenslauf gestöbert und herausgefunden, dass sie nicht nur Oper und Lieder gesungen haben, sondern auch Musical- und Popsongs, z.B. Whitney Houston. Ist dies mit ein Grund für Ihre Popularität?
Ich bin glücklicherweise dank meiner Technik in der Lage, verschiedene Stile zu singen. Ich würde nie Heavy Metal singen, ich kann nicht wie Jon Bon Jovi singen. Aber was ich singe, ist alles Teil meiner Kultur. Musicals sind eine amerikanische Erfindung, die Leute haben mich darum gebeten, und ich sagte "yeah, why not". Ich habe auch Jazzkonzerte gegeben hier in Paris, und das ist alles Musik, die ich liebe und der ich mit meiner Stimme eine Form geben kann. Ich würde meine Stimme nie zu etwas zwingen. Ich habe sogar einmal einen Gloria Gaynor-Abend bestritten. Ich hab ihr das zwar nie verraten, aber es hat mir einen Riesenspass gemacht.
Singen Sie heute noch Opern?
Ich singe nicht mehr in Opernhäusern aber ich gebe immer noch klassische Konzerte. Ich habe eben letzte Woche in England ein Aids-Benefiz-Konzert gesungen. Wie gesagt, ich höre nicht damit auf, denn ich muss meine Stimme weiterhin trainieren. Ich werde in Zukunft aber sicher vermehrt Gospel und Musical oder Jazz singen. Diese Stilrichtungen erlauben es mir, besser mit dem Publikum zu kommunizieren, was mir sehr wichtig ist. In der Oper kommuniziert man zuerst einmal mit den Kollegen auf der Bühne, dann mit dem Dirigenten, und erst am Schluss mit dem Publikum. Bei Konzerten hingegen ist die Kommunikation mit den Zuhörern direkt und unverfälscht. Das Publikum merkt sofort, ob das Engagement echt ist, und das mag ich. Ich liebe den Kontakt mit dem Publikum.
In der Schweiz singen Sie zwei Konzerte, eines in St.Gallen und eines in Zürich. Wird das Programm dasselbe sein?
Nein. In St.Gallen singe ich mit einer Formation, den Gospel Messenger. In Zürich werde ich solo singen,die Jackson Singers haben mich eingeladen in Ihrem Programm als Gast aufzutreten.
Verraten Sie mir etwas mehr über die Gospel Messengers?
Die Gruppe wurde als meine Backup-Truppe gebildet. Es sind Amerikaner mit Wurzeln in Deutschland, und wir haben einige der besten für uns gewinnen können.
Die meisten sind als Leadsänger verschiedener Gospel-Gruppen in der ganzen Welt aufgetreten; in den USA, in Deutschland, Japan, Frankreich, Holland, Italien um die Botschaft der Gospelmusik zu verkünden.
Jo Ann Pickens und die Schweiz, was gibt es da für Verbindungen?
Well, mein Mann ist Schweizer! Wie haben uns zwar in Paris kennengelernt, aber er ist Zürcher. Wir sind dann einige Male durch die Schweiz gereist, und ich mag das Land sehr, vor allem auch das Essen. Die Leute sind sehr offen und gastfreundlich, auch in den kleinsten Lokalen auf dem Land.
Haben Sie in der Schweiz auch schon Gospelkonzerte gesungen?
Nein, Ich habe im Basler Fauteuil-Theater einen Gershwin-Abend gegeben vor einigen Jahren. Aber sonst? Ich habe Händels Messias gesungen in Genf, aber das ist schon lange her. Ich freue mich aber auf das neue Engagement. Und ich habe an Werner Günthörs Hochzeit gesungen. Wir sind gute Freunde. Ich hoffe, künftig mehr in der Schweiz arbeiten zu können.
Darauf freuen wir uns sehr. Nun, da wir uns in der Vorweihnachtszeit befinden: Haben Sie ein bevorzugtes Weihnachtslied?
"Sweet Little Jesus Boy"! Kennen Sie das [singt]? Das ist einer der wenigen Negro Spirituals zu Weihnachten, weil es um das kleine Jesuskind geht. Ich werde natürlich auch klassische Weihnachtslieder singen, wie "Stille Nacht", welches ich in drei Sprachen singe. Leider kann ich kein Rumantsch. Und es gibt Gospel-Versionen aller Christmas Carols [die amerikanischen Weihnachtslieder] wie "Jingle Bells" und so weiter. Weihnachten ist für mich eine sehr schöne Zeit, weil sie mit diesen schönen Liedern verbunden ist. Zuhause gingen wir von Haus zu Haus und haben diese Lieder gesungen. Das ist etwas vom wenigen, was ich am Leben hier in Europa vermisse.
Was ist Ihre ganz persönliche Weihnachtsbotschaft?
Ich wünsche allen Menschen, in der Schweiz und überall, eine fröhliche Weihnachtszeit. Am allermeisten wünsche ich den Menschen Frieden. Wenn es irgendeine Botschaft gibt, die wir zu dieser Jahreszeit beherzigen sollten, ist es die des Friedens. Es ist nicht gerade friedlich auf der Welt, aber wir können uns den Frieden wünschen. Und so wünsche ich uns allen, dass wir in Frieden Weihnachten feiern und diese Lieder mit Überzeugung singen können.
Vielen Dank, und bis am 17. Dezember in Zürich!
(Das Interview führte Martin Wüthrich/pte.ch) (Ende)
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