Beim Lesen lernen Kinder mehr als beim Hören
Laut Studie der Université de Strasbourg ist eine Kombination aus beiden Methoden am wirksamsten
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Lesen: ist vor allem für Kinder meist lehrreicher als das Hören (Foto: Petra, pixabay.com)
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Straßburg (pte002/10.04.2026/06:05)
Hörbücher sind für lernende Kinder eine ergänzende Alternative zu klassischen Büchern. Zu diesem Schluss kommt Frédéric Bernard von der Université de Strasbourg. Laut einer Metaanalyse, die die Ergebnisse von 46 zwischen 1955 und 2020 durchgeführten Studien mit insgesamt 4.687 teilnehmenden Kindern und Erwachsenen berücksichtigt, unterscheidet sich der Grad des Verständnisses nicht signifikant, wenn dieselben Texte gelesen oder angehört werden.
Auch Tempo entscheidend
Zudem zeigt laut Bernard eine Studie aus dem Jahr 2010, dass die gleichen Hirnregionen aktiviert werden, wenn Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren Texte hören oder lesen. Dennoch ist beides nicht gleich wirksam. Beim Lesen verstehe ein Mensch mehr als beim Hören. Das liege daran, dass der Leser sein eigenes Tempo bestimmen könne. Beim Hörbuch sei es dagegen vorgegeben.
"Das Lesen bietet in der Tat die Möglichkeit, die Lesegeschwindigkeit frei anzupassen: langsamer zu werden, wenn man auf eine Schwierigkeit stößt, zurückzugehen oder Informationen zu überprüfen", so der Neuropsychologe der Université de Strasbourg. "Diese kognitive Kontrolle ist beim Hören eines Textes, dessen Rhythmus vorgegeben ist, ohne die Möglichkeit eines natürlichen Zurückgehens, nicht gegeben."
Für manche Hörbuch besser
Das Hören will Bernard dennoch nicht ganz abtun. "Es kann Texte für Schüler mit Leseschwierigkeiten leichter zugänglich machen, indem es die visuelle Belastung verringert und die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit unterstützt", sagt er. Das Zuhören erfordere jedoch auch auditive Aufmerksamkeit, was an sich schon eine spezifische Fähigkeit sei, die sowohl das Arbeitsgedächtnis als auch anhaltende Aufmerksamkeit mobilisiere.
"Die Aufgabe erfordert vom Zuhörer, bei einem kontinuierlichen Wortfluss anhaltende Wachsamkeit aufrechtzuerhalten, was für manche Schüler eine Herausforderung darstellen kann, insbesondere für diejenigen mit Konzentrations- oder auditiven Verarbeitungsschwierigkeiten", erklärt der Wissenschaftler.
Für Lehrer bestehe die Herausforderung nicht darin, sich zwischen Lesen und Hören zu entscheiden, sondern den Schülern beizubringen, den inhärenten Wert jeder Lernform zu erkennen und darüber nachzudenken, wie sich beide miteinander verbinden lassen. "Zu wissen, wann man lesen, wann man zuhören und wie man von einer Methode zur anderen wechseln - oder sogar beide Methoden kombinieren - soll, bedeutet zu lernen, die eigene Lernweise anzupassen und, im weiteren Sinne, selbstständig zu denken", so Bernards Fazit.
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