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pte20000728003 in Leben

Aggressivität ist auf Defekt im Gehirn zurückzuführen

Persönlichkeitsstörung durch Kopfverletzungen in der Kindheit


Madison/USA (pte003/28.07.2000/09:45)

Menschen, die zu plötzlichen Gewaltausbrüchen oder aggressiven Reaktionen neigen, müssen nicht unbedingt eine schlimme Kindheit gehabt haben. Wissenschaftler der University of Wisconsin in Madison http://www.wisc.edu/ haben herausgefunden, dass oftmals ein Defekt in bestimmten Gehirn-Regionen Schuld ist, wenn jemand ausrastet. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der neuesten Ausgabe von "Science" vom 28.7.00 veröffentlicht.

Das Forscher-Team unter der Leitung von Richard Davidson http://psych.wisc.edu/faculty/bio/davidson.html untersuchte die Gehirnaktivitäts-Daten verschiedener auffällig gewordener Personen, die bei Experimenten gesammelt worden waren. Unter den Probanden befanden sich Menschen mit diagnostizierter aggressiver Persönlichkeitsstörung, verurteilte Mörder sowie Menschen mit Gehirnverletzungen, die bereits in der Kindheit entstanden sind. http://www.eurekalert.org/releases/uwm-sli072400.html

Die Daten der insgesamt 500 Personen wiesen die Forscher alle in die gleiche Richtung, nämlich zu einigen miteinander in Verbindung stehenden Regionen im präfrontalen Cortex: dem orbital-frontalen Cortex, dem anterioren Cingulum und dem Mandelkern (Amygdala). Eine Störung im orbital-frontalen Cortex ist dafür verantwortlich, wenn jemand unvermittelt einen Wutanfall bekommt, während das anteriore Cingulum andere Gehirnregionen aktiviert, um auf einen Konflikt zu reagieren. Der Mandelkern, eine Art Durchgangsstraße für hereinkommende Informationen, ist stark an Angst-Reaktionen beteiligt.

Bei gesunden Menschen, deren Daten zum Vergleich herangezogen worden waren, zeigten sich die Gehirnaktivitäten im orbitalen-frontalen Cortex und dem anterioren Cingulum in den Experiment-Situationen nur schwach. Der Mandelkern hingegen wies normale bis erhöhte Aktivität auf. Die beiden anderen Gehirnregionen haben also offenbar wenig Einfluss auf das Geschehen im Mandelkern. Möglicherweise liefert dies eine zusätzliche Erklärung dafür, warum bedrohliche Situationen bei manchen Menschen zu einer Gefühlsexplosion führen.

Auf lange Sicht können die Ergebnisse, so Davidson, zu einer anderen Art der Behandlung führen, etwa zu einer Therapie, die ein Verhaltenstraining mit der Verabreichung bestimmter Medikamente kombiniert. Informationen: Richard Davidson, E-Mail: rjdavids@facstaff.wisc.edu (wsa/EurekAlert) (Ende)
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