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pte20190108017 Forschung/Technologie, Medizin/Wellness

"Tetris" reduziert Flashbacks bei Traumata

Unwillkürlich wiederkehrende bildliche Erinnerungen an traumatische Erlebnisse abgeschwächt


Bochumer Oberarzt und Traumatherapeut Henrik Kessler (Foto: Marquard, rub.de)
Bochumer Oberarzt und Traumatherapeut Henrik Kessler (Foto: Marquard, rub.de)

Bochum (pte017/08.01.2019/13:30) - Eine Intervention, die das Spielen des Computerspiels "Tetris" beinhaltet, könnte Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) helfen, unwillkürlich wiederkehrende bildliche Erinnerungen an die traumatischen Erlebnisse abzuschwächen. Zu dem Schluss kommt ein Team der Ruhr-Universität Bochum http://rub.de zusammen mit einer Forscherin des schwedischen Karolinska Institutet http://ki.se.

Zu wenig Therapieplätze

20 Patienten mit PTBS wurden untersucht. Nach der Intervention ging die Zahl sogenannter Flashbacks für die belastenden Ereignisse zurück. Eines der gravierendsten PTBS-Symptome sind unwillkürlich wiederkehrende bildliche Erinnerungen an traumatische Erlebnisse. "Die PTBS lässt sich mit den verfügbaren Therapien gut behandeln. Allerdings gibt es viel mehr Patienten als Therapieplätze", so der Bochumer Oberarzt und Traumatherapeut Henrik Kessler.

Neben Einzel- und Gruppentherapien absolvierten die Probanden eine spezielle Intervention. Sie schrieben eine ihrer belastenden Erinnerungen auf ein Blatt. Dann zerrissen sie den Zettel - ohne über den Inhalt zu sprechen - und spielten anschließend für 25 Minuten Tetris auf einem Tablet. Ergebnis: Nur die Häufigkeit des Flashbacks, dessen Inhalt in der Woche fokussiert wurde, ging spezifisch in den Tagen und Wochen nach der Intervention zurück. Für die noch nicht fokussierten Flashback-Inhalte blieb die Anzahl der Flashbacks relativ konstant.

Interferenzen auf der Spur

Über die Wochen wurden so nacheinander verschiedene Flashback-Inhalte fokussiert, deren Häufigkeit zeitgenau jeweils in der Folge sank. Insgesamt ging die Anzahl der Flashbacks für die jeweils fokussierte Situation um durchschnittlich 64 Prozent zurück. Flashbacks, deren Inhalt nie fokussiert wurde, gingen nur um elf Prozent zurück. Die Intervention wirkte insgesamt bei 16 der 20 getesteten Patienten.

Die Forscher nehmen an, dass der Erfolg der Methode auf folgendem Mechanismus beruht: Wenn Patienten sich detailliert ein Bild der belastenden Erinnerung machen, aktiviert das vermutlich Gebiete für die räumlich-bildliche Verarbeitung im Gehirn; vergleichbare Areale könnten auch für das Spielen von Tetris bedeutsam sein. Beide Aufgaben benötigen also vergleichbare und begrenzte Ressourcen, es kommt zur Interferenz.

Immer wenn ein Patient den Inhalt eines Flashbacks bewusst wiedererinnert, wird die damit verbundene Gedächtnisspur kurzzeitig labil. Wenn in dieser Zeit eine Interferenz stattfindet, könnte die Gedächtnisspur abgeschwächt wieder eingespeichert werden, vermuten die Wissenschaftler. "Unsere Hoffnung ist, dass wir eine Behandlung ableiten können, die Menschen auch allein durchführen könnten, wenn kein Therapieplatz verfügbar ist. Die Intervention kann jedoch eine komplexe Traumatherapie nicht ersetzen, sondern lediglich ein zentrales Symptom, die Flashbacks, lindern", sagt Kessler.

(Ende)
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