pts20000328015 in Forschung
Österreichischer Forscher entwickelt umweltfreundliches Jeansfärbeverfahren
Ökonomischer Nutzen gepaart mit ökologischem Vorteil
Dornbirn (pts015/28.03.2000/10:27)
Thomas Bechtold, Universitätsdozent am Forschungsinstitut für Textilchemie und Textilphysik in Dornbirn, http://textilchemie.uibk.ac.at hat ein neues Verfahren für die Färbung von Blue-Jeans gefunden: Statt der chemiehaltigen Färbelauge wird das Garn für die Hosen mit Hilfe von elektrochemischen Verfahren eingefärbt."Die Forschungsarbeit dauerte zehn Jahre lang, vom Reagenzmaßstab bis heute, wo wir eine 12.000 Meter Webkette auf einer Großanlage mit der neuen Methode indigoblau einfärben", sagte Bechtold gegenüber pressetext.austria. Bechtolds neue Methode bringt viele Vorteile: Die 40 Mio. Tonnen Fasern, die weltweit für die Textilherstellung verwendet werden, bestehen fast zur Hälfte aus Baumwolle. Ein Drittel dieser Baumwolle wird chemisch mit waschbeständigen Küpenfarbstoffen oder bei schwarzer Kleidung mit Schwefelfarbstoffen gefärbt. "Zur Auftragung von Farbstoffen wurden bisher Chemikalien verwendet, die danach zu 100% ins Abwasser kommen. Beim neuen Verfahren kann auf diese Chemikalien verzichtet werden: Die Fixierung erfolgt elektrochemisch in den hierzu entwickelten Färbebädern, wobei nur mehr 15% des Färbebads verloren gehen", so Bechtold.
Besonders effektiv funktioniere diese Methode bei Jeans. Acht Prozent der 20 Mio. Tonnen Baumwolle werden für diese robusten Stoffe verwendet. Jeder Österreicher verbraucht jährlich durchschnittlich eine Jeans, so der Wissenschaftler. Mit der neuen Technologie komme es nicht nur zu einer verbesserten Steuerung des Färbevorgangs, sondern auch zu einer erheblichen Einsparung bei den Chemiekosten. Das bedeute geringere Umweltbelastungen und eine mögliche Wiederverwendbarkeit der eingesetzten Waschwässer. "Eine Optimierung des Systems könnte sogar einen abwässerfreien Färbeprozess ermöglichen", so Bechtold.
"Die Industrie hat bereits reges Interesse für das neue Verfahren gezeigt", so Bechtold. In internationalen Kooperationen mit dem deutschen Chemie-Riesen BASF http://www.basf.com und der deutschen Tochter des italienischen Elektrolyt-Herstellers De Nora http://www.denora.com werden elektrochemische Verfahrenstechniken für die Textilindustrie entwickelt. "Allein für die 550 Indigo-Färbeanlagen, die es auf der ganzen Welt gibt, ist diese Technologie sehr interessant, da bei einer technischen Aufrüstung die bestehenden Anlagen sofort umsteigen könnten.
Für die Installation der Technologie im Produktionsmaßstab beabsichtigen wir die Einbindung innovativer Unternehmen im Maschinenbau", so Bechtold. Dabei stehe jedoch nicht nur die ökonomische Nutzung des Verfahrens im Vordergrund, sondern auch eine Vertiefung des Themas, insbesondere einer ausgedehnten Grundlagenforschung, meint Bechtold. Das Projekt wurde in Österreich vom Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF) http://www.fwf.ac.at unterstützt. (ww)
Kontakt:
Univ.-Doz. Dr. Thomas Bechtold
Forschungsinstitut für Textilchemie und Textilphysik
Email: textilchemie@uibk.ac.at
Telefon: 05572 / 285 33 (Ende)
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