pte20000511016 in Leben
"Krebskanone" gibt Patienten Hoffnung
Alternative zur operativen Tumorentfernung
Darmstadt (pte016/11.05.2000/11:15)
Eine neue Art der Krebstherapie könnte bald Hilfe für Patienten bedeuten, deren Tumor nicht operativ entfernt werden kann. Das von der Darmstädter Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) http://clri6e.gsi.de/gsi.deutsch.html entwickelte Ionenstrahlverfahren wurde zweieinhalb Jahre lang an Gehirntumoren getestet - mit vielversprechenden Ergebnissen. Allerdings haben bisher ganze 57 Patienten von der Methode profitiert, denn die dafür nötige Technik ist noch äußerst aufwendig. Die Forscher wollen einen kleineren, günstigeren Prototyp der "Krebskanone" bauen. Zahlreiche Klinike und private Firmen haben schon Interesse daran bekundet.Die "Krebskanone" beschießt den Tumor mit energiereichen "schweren" Kohlenstoff-Ionen. Üblicherweise werden in der Krebstherapie Photonen, Gamma-, oder Röntgen-Strahlen verwendet. "Der entscheidende Vorteil liegt in der für Ionen typischen Verteilung der Energie", erklärt der Biophysiker Prof. Gerhard Kraft, der für seine Entdeckung in diesem Jahr den Otto-Hahn-Preis erhält: "Die anderen Strahlungsarten wirken zu Beginn am stärksten und werden dann immer schwächer. Der Effekt ist, dass bei tief liegenden Tumoren der Strahl die Haut und das gesunde Gewebe davor verletzt."
Der Ionen-Strahl wirkt gerade anders herum: Er ist am Ende am energiereichsten. "Damit werden die außen liegenden gesunden Zellen geschont und die befallenen Zellen nachhaltiger zerstört", erläutert Kraft. Ein anderer Vorteil des Ionen-Strahls sei seine Bündelung. Der Ionenstrahl weiche nie mehr als einen Millimeter ab und sei so schonend für gesundes Gewebe. Die Ärzte beschießen Punkt für Punkt eines zuvor exakt festgelegten Zielgebietes im Gehirn - bis zu 30.000 winzige Ziele.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum http://www.dkfz-heidelberg.de/index.html in Heidelberg, das die 57 Test-Personen medizinisch betreut hat, ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Von den 57 Patienten konnte bei 54 der Tumor vollständig entfernt werden. Ob er sich erneuern kann, muss sich erst zeigen, da die Behandlung bei den meisten noch nicht lange zurückliegt. Auch eventuelle Spätwirkungen der Therapie sind daher nicht ausgeschlossen.
Für die Patienten ist das Verfahren bisher noch recht unangenehm. Weil der Kopf bei der Bestrahlung auf keinen Fall auch nur um einen Millimeter seine Lage verändern darf, wird er in eine individuell angefertigte Maske gepresst und festgeschraubt. Bis zur Serienreife wollen die Forscher für die kniffelige Fixierung eine neue Lösung gefunden haben. Um noch mehr Erkenntnisse zu gewinnen, sollen bei der GSI vom Herbst an nicht nur Patienten mit Hirntumoren, sondern auch mit Tumoren entlang der Wirbelsäule und im Beckenbereich behandelt werden dürfen. (LifeScience) (Ende)
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