pte20260327021 in Leben

Gehirn reagiert auf Stress eine Stunde später

Japanische Forscher haben 100 Erwachsene analysiert - "Resilienz-Fenster" öffnet sich verzögert


Gehirn in Aktion: Organ reagiert auf Stress verzögert (Foto: pixabay.com, Loaivat)
Gehirn in Aktion: Organ reagiert auf Stress verzögert (Foto: pixabay.com, Loaivat)

Kochi (pte021/27.03.2026/11:30)

Laut Forschern der Kochi University of Technology (KUT) und des Shizuoka Institute of Science and Technology (SIST) erreicht der Wiederherstellungsprozess des Gehirns nach Stress nicht sofort einen Höchststand. Erst nach einer Stunde manifestiert sich ein eigenständiges "Resilienz-Fenster", heißt es.

Gehirn direkt beobachtet

Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie und Elektroenzephalografie (EEG) haben die Experten einen neuen konkreten Zeitrahmen für klinische und pädagogische Interventionen identifiziert. Sie beobachten rund 100 Erwachsene nach einem akuten Stressor. Dabei handelte es sich um einen Cold-Pressor-Test. Das ist ein Kaltwassertest, bei dem die Hand für zirka eine Minute in eiskaltes Wassere getaucht wird.

Kaut Noriya Watanabe vom SIST hat sich die Forschung bisher vorwiegend auf Tiermodelle konzentriert. Die menschliche Resilienz sei jedoch viel komplexer. Sie umfasse Selbstwirksamkeit und vergangene Erfahrungen. Daher hat das Team das menschliche Gehirn direkt bei seiner Anpassung beobachtet. Die Forschungsergebnisse sind in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" publiziert.

Anpassung nach 60 Minuten

Rund 60 Minuten nach der Stresserfahrung haben resiliente Teilnehmer deutliche Veränderungen gezeigt. Die Aktivität des Salienznetzwerks nahm ab. Dieses Netzwerk erkennt und filtert wichtige Reize. Die Aktivierung des "Default Mode Network" (Ruhezustandsnetzwerk) nahm hingegen zu.

Dieses Netzwerk steht mit der inneren Reflexion in Zusammenhang. Die Vorgänge sind vom ausgeprägten Rückgang der High-Beta EEG-Power begleitet. Die Intensität schneller Hirnwellen gilt als Indikator für die Beruhigung der neuronalen Erregung. Laut Seniorautor Masaki Takeda von der KUT waren nach einer Stunde die körperlichen Symptome von Stress verschwunden. Die nicht bewussten Veränderungen im Gehirn entfalteten sich jedoch weiter.

Zeitfenster für Interventionen

Die Identifizierung dieses einstündigen Zeitfensters ermöglicht einen Fahrplan für die zeitkritische medizinische Versorgung. Eine kurze psychologische Unterstützung oder die nicht-invasive Hirnstimulation könnten mit diesem natürlichen Zeitfenster synchronisiert und so das Gehirn in Richtung eines resilienten Zustands angestoßen werden, so die Fachleute.

Zusätzlich könnten diese neuronalen Signaturen als Biomarker für eine Posttraumatische Belastungsstörung und Depressionen dienen. Durch diese objektiven Daten können Ärzte dann die natürliche Erholungsfähigkeit eines Patienten beurteilen und eingreifen, wenn das Gehirn für Veränderungen am empfänglichsten ist.

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