pte20260317002 in Forschung

Neue Musik-Releases erhöhen die Unfallgefahr

National Bureau of Economic Research: Viele Autofahrer nutzen dann vermehrt Streaming-Dienste


Streamen am Steuer: Das erhöht die Unfallgefahr erheblich (Foto: Peter, pixabay.com)
Streamen am Steuer: Das erhöht die Unfallgefahr erheblich (Foto: Peter, pixabay.com)

Cambridge/Boston (pte002/17.03.2026/06:05)

An Tagen, an denen neue Musik-Singles oder ganze Alben erstmals per Streaming zu hören sind, sind Notfallmediziner mehr als sonst gefragt. Weil viele Autofahrer heiß sind auf die Neuerscheinungen, scheuen sie nicht davor zurück, während der Fahrt Streaming-Dienste dafür zu nutzen. Das lenkt sie ab und ihre Chancen steigen, Unfälle zu bauen, wie Untersuchungen des National Bureau of Economic Research zeigen.

Chirurg geriet selbst in Gefahr

So steigt der Streaming-Verkehr an Tagen der Veröffentlichung neuer Releases um 43 Prozent - ebenso wie die Zahl der Verkehrstoten um 15 Prozent zunimmt. Vishal Patel vom Brigham and Women's Hospital hat den Zusammenhang zwischen Musik und Unfällen hergestellt und war von seiner Frau inspiriert worden. Sie hatte ihm an einem solchen Tag eine SMS geschickt, um ihn zu bitten, sich einen Song anzuhören, der gerade auf Streaming-Diensten veröffentlicht worden war.

Patel begann auf seinem Handy zu scrollen. Als er wenige Sekunden später wieder aufblickte, stellte er fest, dass er von seiner Fahrspur abgekommen war. "Mir wurde klar, dass ich gerade noch einem schweren Unfall entgangen war. Dann dachte ich mir: Wenn Millionen von Menschen zur gleichen Zeit dasselbe tun - an dem Tag, an dem ein großes Album erscheint - muss das kumulative Risiko auf der Straße enorm sein", so Patel.

Realistische Tests nicht möglich

Smartphones verleiten Autofahrer dazu, E-Mails zu schreiben, zu suchen, Wegbeschreibungen aufzurufen oder sogar ein Rezept für das Abendessen zu finden. Trotz dieses Ablenkungspotenzials gibt es laut Patel und Anupam Bapu Jena von der Harvard Medical School kaum Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen von Handys auf das Fahrverhalten. Das liege unter anderem daran, dass in diesem Fall Live-Experimente unmöglich seien.

Man könne Probanden nicht sagen, sie sollen während der Fahrt ihr Smartphone nutzen, um zu sehen, ob sie sich so stark ablenken lassen, dass Unfallgefahr besteht oder nicht. Und Fahrsimulatoren, in denen solche Tests gefahrlos möglich wären, stehen Forschern selten zur Verfügung, heißt es zur Begründung.

Streaming steigt um 43 Prozent

Da hatte Patel die Idee, Unfallzahlen und neue Musik in einen Zusammenhang zu bringen. Die Forscher analysierten zwischen 2017 und 2022 die Unfallstatistiken an den Tagen, an denen die zehn meistgestreamten Alben veröffentlicht worden waren, und die an zehn Tagen vor und nach den Veröffentlichungen.

Anhand von Spotify-Daten haben sie festgestellt, dass an den Tagen der Veröffentlichung großer Alben durchschnittlich 123,3 Mio. Streams verzeichnet wurden - rund 43 Prozent mehr als an den anderen Tagen. Die Zahl der Verkehrstoten stieg mit plus 15 Prozent weniger stark an, was darauf hindeutet, dass viele, die während der Fahrt Streaming-Dienste nutzten, Glück hatten.

"Das könnte an der Bedienung der Geräte liegen, es könnte aber auch eine allgemeine Ablenkung aufgrund der Aufregung sein. Es könnte auch daran liegen, dass man die Musik lauter spielt, als man es normalerweise tun würde, sodass man Dinge in der Umgebung nicht wahrnimmt, die man sonst gesehen hätte", meint Jena. Patel sieht die Chance, dass es mit der Ausbreitung von KI-Tools auf den Straßen sicherer wird. "Künftig wird wohl KI das Suchen von Musik übernehmen."

(Ende)
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