Reifensensoren ermöglichen Vollüberwachung
Tests am IMDEA Networks Institute belegen: Autos lassen sich mit einfachen Funkempfängern tracken
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So lässt sich die Route von Fahrzeugen verfolgen (Illustration: networks.imdea.org) |
Madrid (pte017/26.02.2026/11:30)
Den Reifendruck im Auto messende Sensoren lassen sich hacken. Angreifer können so die Route verfolgen, die das Fahrzeug nimmt. Davor warnen Forscher des IMDEA Networks Institute im Rahmen einer zehnwöchigen Studie. In dieser Zeit haben sie gemeinsam mit Kollegen anderer europäischer Forschungseinrichtungen Signale von mehr als 20.000 Fahrzeugen gesammelt und dabei ein verstecktes Datenschutzrisiko aufgedeckt.
Beitrag zur Verkehrssicherheit
Die meisten modernen Autos sind mit einem Reifendruckkontrollsystem (TPMS) ausgestattet, das seit Ende der 2000er-Jahre in vielen Ländern aufgrund seines Beitrags zur Verkehrssicherheit vorgeschrieben ist. Dieses System verwendet kleine Sensoren in jedem Rad und sendet per Funk Signale an den Bordcomputer des Autos, um den Fahrer zu warnen, wenn ein Reifen zu wenig Luft hat.
Doch genau diese Reifensensoren senden unverschlüsselt eine individuelle ID-Nummer, sodass jeder in der Nähe das Signal mit einem einfachen Funkempfänger verarbeiten und somit dasselbe Auto immer wiedererkennen kann. Die Funksignale lassen sich von Hindernissen wie der Fahrzeugkarosserie nicht aufhalten, sodass sie sich unbemerkt empfangen lassen.
Die Signale von fahrenden Autos sind aus Entfernungen von mehr als 50 Metern zu erfassen, selbst wenn sich die Sensoren in Gebäuden oder an versteckten Orten befinden. Dies macht eine verdeckte Verfolgung technisch möglich. Die TPMS-basierte Verfolgung ist den Forschern nach zudem kostengünstiger als die kamerabasierte Überwachung und stellt daher eine größere Gefahr für die Privatsphäre dar.
Informationen für Terroristen
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Reifensensorsignale verwendet werden können, um Fahrzeuge zu verfolgen und ihre Bewegungsmuster zu erfassen. Ein Netzwerk aus kostengünstigen Funkempfängern kann die Bewegungsmuster von Autos in realen Umgebungen unbemerkt überwachen. Solche Infos können Aufschluss über tägliche Routinen geben, wie beispielsweise Ankunftszeiten am Arbeitsplatz oder Reisegewohnheiten", so Experte Domenico Giustiniano. Das sei für Terroristen interessant.
Und Alessio Scalingi, ehemaliger Doktorand am IMDEA Networks und jetzt Assistenzprofessor an der Universidad Carlos III de Madrid, ergänzt: "Da Fahrzeuge zunehmend vernetzt sind, sollten Sensoren wie TPMS unter Berücksichtigung der Sicherheit konzipiert werden, da Daten, die passiv und harmlos erscheinen, zu einem leistungsstarken Identifikationsmerkmal werden können, wenn sie in großem Umfang gesammelt werden." Jetzt sei die Politik gefordert, Maßnahmen zu ergreifen.
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