Benachteiligte suchen Zuflucht bei Social Media
Laut Studie der McGill University gibt es verstärkende Faktoren für die problematischen Nutzung
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Scroller: Soziale Medien können zur gefährlichen Zuflucht werden (Foto: Alexandra Koch, pixabay.com) |
Montreal (pte004/16.02.2026/06:15)
Die problematische Nutzung sozialer Medien durch Jugendliche wird durch wirtschaftliche, bildungsbezogene und geschlechtsspezifische Faktoren stark beeinflusst. Das hat Zékai Lu von der McGill University in einer Untersuchung festgestellt. Analysiert worden sind dazu Daten der Weltgesundheitsorganisation von fast 171.500 Jugendlichen aus 41 Ländern. Ein Algorithmus hat den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Nutzung sozialer Medien durch Teens und den sozialen sowie wirtschaftlichen Faktoren überprüft.
Statt außerschulischer Aktivitäten
Jugendliche, insbesondere Mädchen und diejenigen mit weniger Offline-Beschäftigungsmöglichkeiten, neigen eher dazu, soziale Medien als kostengünstige Fluchtmöglichkeit oder Ersatz für außerschulische Aktivitäten zu nutzen, sagt Lu. Wirtschaftlich benachteiligte Jugendliche finden durch die intensive Online-Beschäftigung mit denen, denen es besser zu gehen scheint, eine gewisse Befriedigung und suchen durch Likes, Kommentare und Online-Engagement nach Bestätigung.
Lu macht auch klare regionale Muster aus. Jugendliche in Kanada, den nordischen Ländern und Teilen Mitteleuropas weisen den geringsten Grad an problematischer Nutzung sozialer Medien auf. Dort zeigen nur 3,4 Prozent der Jugendlichen ein hochgradig problematisches Verhalten, gegenüber 5,4 Prozent der Jugendlichen in einer zweiten Gruppe west- und mitteleuropäischer Länder und 6,6 Prozent in der dritten Gruppe, die hauptsächlich aus Ländern Süd- und Osteuropas besteht.
Ungleichheiten erhöhen Risiko
Umgekehrt erzielen in der ersten Ländergruppe 67 Prozent der Jugendlichen einen "niedrigen" Wert für problematische Nutzung sozialer Medien, verglichen mit 57 Prozent in der zweiten Gruppe und 41,3 Prozent in der dritten Gruppe. Während die meisten Jugendlichen, die soziale Medien nutzen, nicht suchtgefährdet sind, zeigt die Studie, dass insgesamt 37,6 Prozent ein moderates Risiko und etwa 4,5 Prozent ein hohes Risiko aufweisen und suchtähnliche Symptome zeigen.
Die Ergebnisse von Lu deuten darauf hin, dass gesellschaftliche Ungleichheiten in Bezug auf Geschlecht und wirtschaftliche Not in hohem Maße mit einem höheren Risiko für ungesundes Online-Verhalten verbunden sind. Starke familiäre Beziehungen, unterstützende Freundschaften und gesunde Alltagsgewohnheiten, wie regelmäßige körperliche Aktivität, könnten das Risiko einer problematischen Nutzung sozialer Medien erheblich reduzieren, so Lu abschließend.
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