Danke, Bezos: Abgesang auf den demokratiegetragenen Journalismus durch Kahlschlag bei Washington Post
Ethik pro Austria: Wenn Journalismus stirbt, stirbt das Korrektiv – und die Demokratie gleich mit
Wien/Washington (pts015/06.02.2026/11:35)
Der jüngste Stellenabbau bei einer der einflussreichsten Zeitungen der westlichen Welt ist kein Betriebsunfall, keine "notwendige Anpassung" und kein Einzelfall. Er ist der Auftakt eines Abgesangs auf den demokratiegetragenen Journalismus – jenen Journalismus, der über Jahrzehnte Macht kontrolliert, Missstände offengelegt und Öffentlichkeit hergestellt hat. Was derzeit kollabiert, ist nicht nur ein Geschäftsmodell. Es kollabiert eine zentrale Säule der Demokratie. Daher warnt ein Verein wie Ethik pro Austria auch vor solchen Vorkommnissen, die scheinbar weit entfernt in Amerika passieren, denn sie sind auch extrem relevant für Europa und Österreich. https://www.ethikproaustria.at
Journalismus war nie nur Information - er war im Idealfall ein Korrektiv der Macht
Journalismus war Reibung. Er war Widerstand gegen politische, wirtschaftliche und ideologische Macht. Genau dieser Journalismus wird nun systematisch ausgehungert – ökonomisch, technologisch und kulturell.
Während Redaktionen schrumpfen, explodieren PR-Budgets, Plattform-Algorithmen und KI-generierte Inhaltsmassen. Die Folge: Mehr Content, mehr Klick-Bait, mehr Bespaßung, aber weniger Wahrheit, weniger kritische Recherche, weniger Verantwortung, weniger Personal. Die aktuelle Kündigung von 300 hochkarätigen Journalisten in der Washington Post, die von Multimilliardär Jeff Bezos aufgekauft wurde, zeigt wohin es geht. Die Zeitung muss gesundschrumpfen – so die Aussage. Nur zur Einschätzung: das Vermögen von Bezos beträgt aktuell 250 Milliarden Dollar. Die Post macht jährlich 70 Millionen Verlust. Viel Geld. Aber das sind nur 0,028 % (!) des Vermögens von Bezos. Er könnte als genau das tun, wovon Tech-Milliardäre so gerne schwadronieren: ein klein bisschen Philanthropie und Mäzenatentum forcieren. Tut er aber nicht!
Der neue KI getriebene Pluralismus ist kein Journalismus – er ist eine Illusion
Bezos und Konsorten wollen nur eine bessere Welt für sich selbst. Sonst soll das Volk die Klappe halten und im warhsten Sinn des Wortes abgespeist werden. Der aktuelle KI-Journalismus besteht aus tausend Stimmen, die dieselben Quellen nacherzählen. Aus scheinbarer Vielfalt bei realer Gleichschaltung. Aus Empörung ohne Erkenntnis. Die Brot- und Spiele-Generation wird gerade geboren!
Parallel dazu entsteht eine gefährliche Rückentwicklung:
Gut recherchierte, relevante Information wird wieder zum Luxusgut.
Für zahlungskräftige Abonnenten. Für Eliten. Für geschlossene Zirkel.
Die breite Öffentlichkeit erhält Zusammenfassungen, Narrative, algorithmisch gefilterte Wirklichkeiten.
Das ist kein Zufall. Das ist Marktlogik.
Und Marktlogik kennt keine demokratischen Werte – nur Effizienz.
Künstliche Intelligenz beschleunigt diesen Prozess brutal. Sie macht Mittelmaß billig und Austauschbarkeit total. Sie ersetzt nicht den Journalisten – sie ersetzt die Bereitschaft, ihn zu bezahlen.
Die unbequeme Wahrheit lautet:
Freier Journalismus wird nicht zensiert – er wird verhungert.
Pluralismus wird nicht verboten – er wird unleistbar.
Ethik pro Austria warnt eindringlich:
Eine Gesellschaft, die Wahrheit nicht mehr finanziert, bekommt Propaganda.
Eine Öffentlichkeit ohne Recherche bekommt Meinungskriege.
Eine Demokratie ohne journalistisches Korrektiv wird zur Fassade.
Der Abgesang hat begonnen.
Noch ist er leise.
Noch könnte er gestoppt werden.
Aber nur, wenn Journalismus wieder als das verstanden wird, was er ist: kein Content – sondern ein demokratisches Grundnahrungsmittel.
Ethik pro Austria
Alois Gmeiner, Präsident
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Web: https://www.ethikproaustria.at
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