Rasant wachsende Bäume sind ein Öko-Risiko
Forscher fordern im fortschreitenden Klimawandel gezielte Eindämmung minderwertiger Bäume
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Jens-Christian Svenning: Forscher vor einem langsam wachsenden Baum (Foto: international.au.dk) |
Aarhus (pte002/30.01.2026/06:05)
Schnell wachsende Bäume breiten sich zulasten von langsam wachsenden aus, die weitaus positivere Auswirkungen auf die Qualität der Umwelt haben. Vor dieser Entwicklung warnt Jens-Christian Svenning von der Universität Aarhus. Er warnt insbesondere vor dem Verlust von Baumarten, die nur in sehr begrenzten Gebieten der Welt vorkommen.
Lücken im Ökosystem
"Wir sprechen hier von relativ seltenen Bäumen, die vor allem in tropischen und subtropischen Regionen vorkommen, in denen die Artenvielfalt groß ist und die Ökosysteme eng miteinander verbunden sind. Wenn spezialisierte, einheimische Arten verschwinden, hinterlassen sie Lücken in den Ökosystemen, die von fremden Arten nur selten gefüllt werden können, selbst wenn diese Arten schnell wachsen und sich stark ausbreiten", erklärt Svenning.
Das könne fatale Folgen, denn im naturbelassenen Zustand speicherten sie CO2, böten Lebensraum für Tiere und Pilze, stabilisierten Böden, regulierten den Wasserkreislauf und lieferten Ressourcen, auf die der Mensch angewiesen sei - von Holz und Nahrung bis hin zu Erholung und Schatten an heißen Tagen.
Dazu tragen vor allem langsam wachsende Spezialisten bei, wie Svenning sie beschreibt. Dabei handelt es sich um Bäume mit dicken Blättern, dichtem Holz und langer Lebensdauer, insbesondere in feuchten tropischen und subtropischen Wäldern. "Sie bilden das Rückgrat der Waldökosysteme und tragen zu Stabilität, Kohlenstoffspeicherung und Widerstandsfähigkeit gegenüber Veränderungen bei", unterstreicht Svenning.
"Sprinter" dominieren
Setzen sich die aktuellen Trends des Klimawandels und der Waldnutzung fort, würden Wälder zunehmend von den "Sprintern" der Natur dominiert: von Bäumen mit dünnen Blättern und geringer Holzdichte, die schnell wachsen. Beispiele hierfür sind Akazien, Eukalyptus, Pappeln und Kiefern. "Die Arten sind anfälliger für Dürren, Stürme, Schädlinge und klimatische Schocks. Dadurch werden Wälder langfristig weniger stabil und weniger effektiv bei der Kohlenstoffspeicherung", so der Experte.
Die Studie zeigt auch, dass fast 41 Prozent der sogenannten naturalisierten Baumarten, die aus anderen Gegenden der Erde "eingewandert" sind und mittlerweile genauso selbstverständlich wachsen wie einheimische Pflanzen, meist schnell gedeihen und dünne Blätter haben, also keine Bereicherung sind, weil sie selten die gleichen ökologischen Funktionen wie einheimische Arten haben.
"Darüber hinaus können naturalisierte Arten das Überleben einheimischer Bäume noch weiter erschweren, da sich der Wettbewerb um Licht, Wasser und Nährstoffe verschärft", erläutert Svenning. "Zu den Ursachen für die negative Entwicklung gehören der vom Menschen verursachte Klimawandel, die Abholzung für Infrastrukturprojekte, intensive Forstwirtschaft und der weltweite Handel mit Holz", so der an der Studie beteiligte Wen-Yong Guo von der East China Normal University.
Schnell wachsende Bäume würden oft aktiv gefördert, weil sie rasch Holz und andere Biomasse produzierten. Ökologisch gesehen seien sie jedoch oft empfindlich und anfälliger für Krankheiten. Es sei dringend nötig, den Verlust langsam wachsender Baumarten zu stoppen. Das könne erreicht werden, indem die Wiederherstellung von Ökosystemen aktiver vorangetrieben würde.
"Bei der Anlage neuer Wälder sollte viel mehr Wert auf langsam wachsende und seltene Baumarten gelegt werden. Das würde die Wälder vielfältiger und widerstandsfähiger machen. Diese Arten sollten auch bei Naturschutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen aktiv gefördert werden, wo sie sich oft positiv auf die Erholung reichhaltigerer Gemeinschaften großer Tiere auswirken, die ebenfalls wichtig für das künftige Funktionieren des Ökosystems sind", schließt Svenning.
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