pts20260119018 in Leben

Türkei wird Hotspot der europäischen Archäologie

Altertumsforscher schreiben Geschichte – 2025 brachte neue Meilensteine


Istanbul (pts018/19.01.2026/13:58)

Auch wenn wir in Europa glauben, schon alles über unsere Vergangenheit zu wissen, werden wir ständig eines Besseren belehrt. Mit einem ganzen Fundus neuer, archäologischer Schätze kann die Türkei aufwarten: Das vergangene Jahr 2025 war laut dem Kulturministerium in Ankara eines der erfolgreichsten Grabungsjahre bisher.

Die Region Anatolien, seit Jahrtausenden eine Wiege der Zivilisation, birgt – unter ihrer Oberfläche – ständig neue Überraschungen und wird inzwischen als wahres Freilichtmuseum der Menschheitsgeschichte gehandelt. Das Projekt "Vermächtnis für die Zukunft" hat sich zum Ziel gesetzt, die Grabungsarbeiten landesweit auszuweiten und eine neue Ära der Archäologie in der Türkei einzuleiten.

2025 wurden durch diese Initiative zahlreiche Artefakte aus verschiedenen Epochen und Zivilisationen entdeckt. Diese Funde liefern neue Erkenntnisse über die Entwicklung der alten Welt und werden das Besuchererlebnis an den Grabungsstätten bereichern und die Sichtbarkeit des kulturellen Erbes erhöhen. Im Folgenden eine Übersicht der bedeutendsten archäologischen Funde des letzten Jahres:

Neue Entdeckungen aus der Jungsteinzeit

Das Taş-Tepeler-Projekt, das jungsteinzeitliche Ausgrabungsstätten in Şanlıurfa (an der Grenze zu Syrien) umfasst und 2025 sein fünfjähriges Bestehen feierte, förderte im vergangenen Jahr bedeutende Funde zutage. In Karahantepe wurde ein Gefäß mit drei Tierfiguren entdeckt, das als früheste bekannte dreidimensionale Darstellung mythologischer Phänomene gilt.Außerdem wurde eine T-förmige Säule mit einem eingravierten Gesicht freigelegt. In Göbeklitepe, einer UNESCO-Welterbestätte, entdeckten Archäologen eine in eine Wand eingelassene menschliche Figur, die als Votivgabe diente, in Sayburç eine Skulptur, die einen Verstorbenen mit zugenähtem Mund darstellt. In Sefertepe fanden sie Reliefs mit Gesichtern.

Luxus und Macht im antiken Troja

Laufende Ausgrabungen in Troja bei Çanakkale (nahe den Dardanellen im äußersten Westen der Türkei) haben eine goldene Brosche aus der frühen Bronzezeit (ca. 2500 v. Chr.) und einen seltenen Jadestein freigelegt, der einst vermutlich Teil eines größeren Schmuckstücks war. Die Brosche, die als Symbol für sozialen Status und Macht diente, ist das am besten erhaltene von nur drei weltweit bekannten Exemplaren und gilt als eine der bedeutendsten typologischen und historischen Entdeckungen der letzten 100 Jahre.

Einblicke in die osmanische Seefahrt

Jüngeren Datums, aber deshalb nicht weniger bedeutsam sind die Entdeckungen, die die osmanische Seefahrtsgeschichte erhellen. Bei Unterwasser-Ausgrabungen am Schiffswrack von Kızlan bei Datça in Muğla (nördlich von Rhodos), dem einzigen bekannten osmanischen Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, bargen Taucher über 30 Gewehre, mehr als 50 Granaten, Tausende von Kanonenkugeln und die größte Sammlung osmanischer Tabakpfeifen sowei chinesisches Porzellan.

4.500 Jahre alte Idole

In Tavşanlı Höyük in Kütahya, einer der größten bronzezeitlichen Siedlungen Westanatoliens (etwa 300 km südlich von Istanbul), haben Archäologen 4.500 Jahre alte Idole entdeckt.Die aus Marmor, Knochen und Terrakotta gefertigten Götzenbilder waren um eine große Feuerstelle angeordnet.Ihre Entdeckung liefert wertvolle Einblicke in die religiösen Zeremonien jener Zeit.

Medusa vom Schwarzen Meer

Die fast 2.000 Jahre alte Stoa (Säulenhalle) in der antiken Stadt Amastris im Bezirk Amasra von Bartın am Schwarzen Meer (rund 435 km östlich von Istanbul) wird im Rahmen des Projekts "Vermächtnis für die Zukunft" originalgetreu wieder hergestellt. Bei den Restaurierungsarbeiten wurde eine seltene, lächelnde Darstellung der Medusa entdeckt. In der Mythologie ist sie als schlangenhaariges, scharfzähniges Ungeheuer bekannt, das jeden, der sie ansieht, in Stein verwandelt.

Serapis-Fund in Ephesus

In Ephesus, der wohl bekanntesten Ausgrabungstätte des Landes – der UNESCO-Welterbestätte bei Izmir, wurde ein attraktives Terrakotta-Räuchergefäß mit einem Relief des ägyptischen Gottes Serapis entdeckt.Dank der Inschrift auf der Rückseite konnte das Gefäß mit einem identischen Artefakt in Verbindung gebracht werden, das zuvor in den Terrassenhäusern gefunden worden war. Dies deutet auf eine Werkstatt in Ephesus hin, die solche Gegenstände herstellte, oder auf einen regelmäßigen Handel mit diesen Produkten.

Die Brotlaibe von Karaman

Ausgrabungen in Topraktepe (Eirenepolis), einer antiken Stadt in Karaman nordöstlich von Antalya, brachten hingegen fünf verkohlte Brotlaibe aus dem 7. bis 8. Jahrhundert n. Chr. zutage. Experten vermuten, dass es sich bei diesen mit Malteserkreuzmotiven und einem Bildnis Jesu verzierten Brotlaiben um Eucharistiebrote handelte, die in frühen christlichen Ritualen für die Kommunion verwendet wurden.

Größtes antikes Vorratslager in Van

Bei Grabungen in den Ruinen der Burg Kevenli am Fuße des Berges Erek im Bezirk İpekyolu der Provinz Van (nahe dem Berg Ararat) wurden 76 große mit Keilschrift beschriftete Tongefäße (Pithoi) entdeckt, die von den Urartäern zur Aufbewahrung von Öl, Getreide und Getränken genutzt wurden. Diese Pithoi-Ansammlung gilt als das bisher größte in Van identifizierte Vorratslager für Lebensmittel.

Fotolink zum Download: https://docs.tga.gov.tr/p129nbcl

(Ende)
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