Technologie liest künftig alles aus der Stimme
Wissenschaftler der Aalto-Universität warnen vor Missbrauch, sehen aber auch großes Potenzial
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Tom Bäckström: Ein Redner verrät mehr über sich als er will (Foto: Mikko Raskinen, aalto.fi) |
Espoo (pte001/16.01.2026/06:00)
Forscher der Aalto-Universität um Tom Bäckström nutzen Technologie zur Stimmanalyse. "Die Art, wie ein Mensch spricht, beinhaltet viele Infos über dessen Gesundheit, seinen kulturellen Hintergrund, seinen Bildungsstand und mehr. Diese Infos werden mit der Sprache übertragen, auch wenn die Menschen sich dessen nicht bewusst sind. Subtile Muster in der Intonation oder der Wortwahl können Aufschluss über ihre politischen Präferenzen geben, während Atmung und Stimmlage mit bestimmten Gesundheitszuständen korrelieren können", so Bäckström.
Medizininfos und Co
Aus Sprachaufzeichnungen abgeleitete medizinische Infos könnten sich auf die Höhe von Versicherungsprämien auswirken oder zur Vermarktung von Medikamenten genutzt werden. Arbeitgeber könnten aus Sprachaufzeichnungen persönliche Infos extrahieren, die gegen Mitarbeiter verwendet oder zur Überprüfung von Bewerbern genutzt werden. Und Ex-Partner könnten solche Tools zum Stalking oder zur Belästigung einsetzen, warnt der Wissenschaftler vor Missbrauch.
Die Technologie, um Zugang zu all diesen Infos zu erhalten, sei zwar noch nicht ganz ausgereift. Doch der Experte plädiert für Schutzmaßnahmen gegen diese Praxis, bevor das Problem zu groß werde. Was er vorschlägt, klingt zunächst eher utopisch. Vor der Übertragung gesprochener Texte, etwa per Telefon, müssten die darin enthaltenen persönlichen Infos entfernt werden, sodass nur die Inhalte übermittelt würden, und das nur bei Bedarf.
Exaktes Herausfiltern
Bei rein persönlichen Gesprächen könnten die Worte ungefiltert übermittelt werden, meint Bäckström. Das müsste die jeweilige Bedieneroberfläche ermöglichen. Dazu müsste allerdings erkennbar sein, wie die Infos aussehen, die ungewollt übertragen werden. Hier gebe es noch immensen Forschungsbedarf.
Für Bäckström muss die Entfernung versteckter persönlicher Infos keine Belastung sein. Sie könne sogar zur Verbesserung eines Produkts oder einer Dienstleistung führen. Beispielsweise müssten weniger Daten übertragen werden, was Netzwerke entlaste und Kosten senke.
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