pte20260114013 in Business

"Geister-Fabriken sind in 15 Jahren Normalität"

Planet-Industrial-Excellence-CEO Jane Enny van Lambalgen sieht viele Chancen für Deutschland


Jane Enny van Lambalgen:
Jane Enny van Lambalgen: "Geister-Fabriken" halten Deindustriealisierung auf (Foto: planetie.ch)

Frankfurt am Main (pte013/14.01.2026/11:30)

"Ein zunehmender Teil der Produktion wird künftig in menschen­leeren Fabriken allein mit Robotern stattfinden. Diese Geister-Fabriken können die Deindustriali­sierung Deutschlands aufhalten und den Arbeitskräftemangel längerfristig kompensieren." Das sagt Jane Enny van Lambalgen, CEO der Beratungs- und Managementfirma Planet Industrial Excellence, vorher.

Betriebskosten sinken stark

Laut der Fachfrau werden Produktionsstätten, in denen nur Roboter arbeiten, in den nächsten 15 Jahren Normalität. Van Lambalgen zieht einen eindrücklichen Vergleich: "Diese Geister-Fabriken der Zukunft werden mit den heutigen Produktions­anlagen so viel gemeinsam haben wie ein modernes Automobil mit einer Pferdekutsche."

Die betriebswirtschaftlichen Vorteile lägen auf der Hand. Der Expertin nach könnten die Betriebskosten in menschen­leeren Fabriken um bis zu 25 Prozent senken. Un die Produktivität ließe sich um bis zu 30 Prozent steigern, wobei Fehlerquoten um bis zu 40 Prozent reduziert würden. Auch arbeiteten Roboter zwei- bis fünfmal schneller.

Digitale Zwillinge Standard

Diese wegen der wegfallenden Beleuchtung genannten "Dark Factories" werden zunächst vor allem in der Massenfertigung zum Einsatz kommen, also nicht bei der Einzelfertigung oder im Sondermaschinenbau, prognostiziert van Lambalgen. Grundlage für diese Entwicklung seien sogenannte "Autonomous Production Twins" (APT).

Diese digitalen Zwillinge in der Fertigungs­industrie seien nötig, um Produktions­prozesse autonom zu überwachen, zu steuern und zu optimieren. Ein APT verknüpft Echtzeit­-Infos, die über Sensorik und digitale Zuliefersysteme erfasst werden, mit Künstlicher Intelligenz, um eine virtuelle Repräsentation des Produktionssystems zu schaffen, die sich selbstständig managt.

In einer Dark Factory würden zwar nur etwa zehn Prozent des Personalstammes benötigt werden, im Vergleich zu herkömmlichen Produktionsverfahren. Planung, Implementierung, Überwachung und Wartung müssten weiter Menschen übernehmen. "Es entstehen weniger, aber dafür höher qualifizierte Arbeitsplätze", verdeutlicht van Lambalgen.

Neue Job-Profile entstehen

Deutschland sollte diese Entwicklung der Industiefachfrau nach daher in erster Linie als Chance ergreifen, um weiterhin als international wettbewerbsfähiger Produktionsstandort zu gelten. Genug Zeit zur Anpassung sei vorhanden. Angesichts des demografischen Faktors sollte die Qualifizierung der heranwachsenden Generation für die neuen Jobs forciert werden.

Beispielhaft sei die Dark Factory des chinesischen Technologieherstellers Xiaomi nördlich von Peking, die im Dauerbetrieb ohne Fertigungsmitarbeiter (aber mit Wartungspersonal) pro Sekunde ein Smartphone produzieren kann. Die Fertigungskapazität liege derzeit bei bis zu zehn Mio. Smartphones pro Jahr und lasse sich auf das Dreifache erweitern.

"Für rund 330 Mio. Dollar Entwicklungs­kosten hat Xiaomi einen Blick in die Zukunft der industriellen Fertigung geschaffen. Bei der Errichtung einer Smart Factory entfallen etwa ein Drittel der Gesamtkosten auf Sensorik, Software und Infrastruktur, aber die höheren Investitionen zahlen sich bereits nach einem Betriebsjahr durch die deutlich niedrigere Lohnsumme aus."

(Ende)
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