Mountainbiken im Lebensraum: Wenn gelebte Realität auf restriktive Regeln trifft
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Mountainbiken in Österreich: Zwischen Veto-Recht und Zukunftsverantwortung (© Mountainbike Kongress) |
Hof (pts002/06.01.2026/07:00)
Mountainbiken ist in Österreich längst Teil des gesellschaftlichen Alltags. Als niederschwellige Freizeitaktivität verbindet es Bewegung, Gesundheit und Naturerlebnis und wird von einer wachsenden Zahl an Menschen regelmäßig genutzt – quer durch Altersgruppen, Regionen und Lebensstile. Diese Realität ist weder neu noch vorübergehend. Sie ist Ausdruck veränderter Mobilitäts- und Freizeitgewohnheiten.
Gleichzeitig trifft diese Entwicklung auf einen Rechts- und Verwaltungsrahmen, der im Wald grundsätzlich sehr restriktiv ist: Das Befahren ist in weiten Teilen nicht vorgesehen bzw. nur dort möglich, wo es explizit erlaubt und geregelt wird. Damit sind Regeln nicht das Problem – vielmehr liegt die Spannung darin, dass ein restriktiver Grundrahmen auf eine breite Nutzungspraxis trifft, während attraktive, legale Angebote vielerorts nur begrenzt verfügbar sind. Besonders rund um Ballungsräume zeigt sich, wie schwer es ist, an dieser Ausgangslage etwas zu verändern – obwohl genau dort der Bedarf an Naherholung, gelenkter Bewegung und konfliktarmer Koexistenz am höchsten ist.
Aus dieser Konstellation ergeben sich drei zentrale Spannungsfelder, die weit über das Mountainbiken hinausweisen: Erstens die Frage, wie regionale Wertschöpfung und gesellschaftlicher Nutzen entstehen können, wenn die rechtliche Ausgangslage kaum Gestaltungsspielräume eröffnet. Zweitens das Spannungsfeld zwischen kommerziellen Angeboten (wie Trailcentern) und dem öffentlichen Bedürfnis nach frei zugänglichen Wegen für Alltags- und Naherholung – mit der Herausforderung, Koexistenz zu ermöglichen, ohne Verdrängungseffekte zu erzeugen. Drittens die Frage von Verantwortung und Risiko: Wer entscheidet, wer trägt welche Lasten, und wie lassen sich Konflikte vermeiden, wenn Planungssicherheit fehlt und Blockaden rasch zum Normalzustand werden?
In der Praxis führt diese Situation zu einem bekannten Muster: Wo der Bedarf wächst, die Regeln aber nur wenige legale Möglichkeiten eröffnen, entsteht Druck – auf Nutzerinnen und Nutzer ebenso wie auf jene, die Verantwortung für Grund, Wald und Lebensraum tragen. Verbote und punktuelle Lösungen können kurzfristig entlasten, schaffen jedoch selten die langfristige Grundlage, um Wertschöpfung und Wertschätzung in ein faires Verhältnis zu bringen.
Aus gesellschaftlicher Perspektive stellt sich daher weniger die Frage, ob Mountainbiken stattfindet, sondern wie ein zukunftsfähiger Umgang damit aussehen kann: Eigentumsrechte wahren, Schutz- und Nutzfunktionen ernst nehmen, regionale Wertschöpfung ermöglichen und zugleich das öffentliche Bedürfnis nach Naherholung realistisch abbilden. Dafür braucht es weniger Polarisierung und mehr Governance – also klare Rollen, verlässliche Koordination und einen Dialog, der Betroffenheit und Nutzung gleichermaßen respektiert.
Das ambi Austrian Mountainbike Institute (ambi) beschäftigt sich mit genau diesen systemischen Fragestellungen. Als unabhängiger Denk- und Dialograum analysiert ambi die Wirkungszusammenhänge zwischen Freizeitnutzung, Lebensraum, Verantwortung und regionaler Entwicklung – mit dem Ziel, Gesprächsfähigkeit zwischen Perspektiven herzustellen und tragfähige Rahmenbedingungen zu ermöglichen.
Diese Fragen werden unter anderem auch im Rahmen des Mountainbike Kongress Österreich vom 9. bis 11. Juni 2026 in Saalbach vertieft, der Akteurinnen und Akteure aus Verwaltung, Planung, Tourismus, Praxis und Gesellschaft zusammenbringt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Produkt Mountainbike, sondern die Frage, wie gemeinsame Lösungen im Lebensraum entstehen können.
(Ende)| Aussender: | ambi austrian mountainbike institute |
| Ansprechpartner: | Harald Maier |
| E-Mail: | office@mountainbike.at |
| Website: | www.mountainbike.at |


