pte20240318002 Forschung/Entwicklung, Medizin/Wellness

Lakritze treibt den Blutdruck in die Höhe

Empfohlene Grenzwerte der EU und der Weltgesundheitsorganisation für Verzehr sind zu hoch


Lakritze: Zu viel davon kann das Herz belasten (Foto: Nat Aggiato, pixabay.com)
Lakritze: Zu viel davon kann das Herz belasten (Foto: Nat Aggiato, pixabay.com)

Linköping (pte002/18.03.2024/06:05)

Der Genuss von Lakritze in kleinen Mengen kann bereits zu erhöhtem Blutdruck führen und sogar das Herz schädigen. Das haben Forscher der Universität Linköping festgestellt. Lakritze wird aus der Wurzel von Pflanzen der Gattung Glycyrrhiza gewonnen und seit Langem als pflanzliches Heilmittel und Aromastoff verwendet. Doch die darin enthaltene Glycyrrhizinsäure stört den Flüssigkeitshaushalt des Körpers durch Auswirkungen auf ein Enzym in der Niere. Der Blutdruck steigt.

Grenzwerte nicht nachvollziehbar

Laut der EU und der Weltgesundheitsorganisation ist der Verzehr von 100 Milligramm Glycyrrhizinsäure pro Tag für die meisten Menschen wahrscheinlich unbedenklich. Manche Menschen essen jedoch mehr Lakritze als das. Die schwedische Lebensmittelbehörde schätzt, dass fünf Prozent der Schweden übermäßig viel Lakritze verzehren.

Die Forscher wollten herausfinden, ob dieser Grenzwert sicher ist. Zunächst kann kaum jemand etwas damit anfangen, weil die Konzentration in verschiedenen Lakritzprodukten stark schwankt. Diese Schwankungen können von Faktoren wie der Herkunft, den Lagerungsbedingungen und der Art der Süßholzwurzel abhängen. Außerdem ist der Gehalt an Glycyrrhizinsäure auf vielen Produkten nicht angegeben.

Die Forscher haben 28 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren über zwei Zeiträume hinweg entweder Lakritze oder ein lakritzfreies Kontrollprodukt essen lassen. Das Kontrollprodukt enthielt stattdessen Salmiak, das der Lakritze ihren salzigen Geschmack verleiht. Die Tagesration Lakritze wog 3,3 Gramm und enthielt 100 Milligramm Glycyrrhizinsäure, die Menge, die als sicher für den Verzehr gilt.

Blutdruck signifikant angestiegen

Zwei Wochen lang aß jeweils die Hälfte der Probanden Lakritze oder das Placebo. Dann machten sie zwei Wochen Pause und wiederholten den Versuch über wiederum zwei Wochen, nur dass die Gruppen die Produkte, die sie aßen, tauschten. Alle Teilnehmer mussten täglich ihren Blutdruck messen.

"Wir haben festgestellt, dass die tägliche Einnahme von Lakritze mit 100 Milligramm Glycyrrhizinsäure den Blutdruck bei jungen gesunden Menschen erhöht. Das wurde bisher für so geringe Mengen Lakritze noch nicht nachgewiesen", sagt Linköping-Forscher Peder af Geijerstam. Im Schnitt stieg er bei den Lakritzessern um 3,1 Millimeter Quecksilbersäule.

Gleichzeitig nahmen sie leicht an Gewicht zu, was die Forscher auf vermehrte Flüssigkeit im Körper zurückführen, und das Herz sonderte ein Protein ab, das typischerweise bei starker Belastung produziert wird. "Unsere Ergebnisse geben Anlass zu größerer Vorsicht bei den Empfehlungen und der Kennzeichnung von Lebensmitteln, die Lakritze enthalten", sagt Geijerstams Kollege Fredrik Nyström.

(Ende)
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