pte20231113011 Forschung/Entwicklung, Umwelt/Energie

Menschheit in 14 evolutionären Sackgassen

Seuchen, KI, Kriege, Klimawandel: Neue Studie warnt vor gegenseitiger Verstärkung von Krisen


Weizenfeld: Mehr Ertrag bringt seine Schattenseiten mit sich (Foto: pixabay.com, Pexels)
Weizenfeld: Mehr Ertrag bringt seine Schattenseiten mit sich (Foto: pixabay.com, Pexels)

Stockholm (pte011/13.11.2023/10:30)

Für die Menschheit besteht das Risiko, in 14 evolutionären Sackgassen stecken zu bleiben. Die Bandbreite reicht dabei von den weltweiten Kipp-Elementen des Klimas über eine falsch ausgerichtete Künstliche Intelligenz (KI) bis hin zu chemischer Verunreinigung und einer Zunahme von Infektionskrankheiten. Laut Peter Søgaard Jørgensen war die Menschheit innovativ und zu erfolgreich für eine gute Zukunft. Der leitende Forscher gehört zu den führenden Experten in dem Bereich und ist an zahlreichen Projekten beteiligt, und zwar am Stockholm Resilience Centre der Stockholm University und der Royal Swedish Academy of Sciences Global Economic Dynamics und dem Anthropocene Laboratory.

Anthropozän zeigt Risse

Das Anthropozän weist dem Experten nach mehr und mehr Risse auf. Mittlerweile treten mit der COVID-19 Pandemie, dem Klimawandel, der Lebensmittelunsicherheit, den Finanzkrisen und den kriegerischen Auseinandersetzungen gleich mehrere Konflikte gleichzeitig auf. Es kommt zur sogenannten Polykrise. Die aktuelle Studie versammelt Erkenntnisse vieler wissenschaftlichen Disziplinen, um zu verstehen, wie sich das Anthropozän entwickelt hat und wie sich eine globale Nachhaltigkeit künftig weiter entwickeln kann.

Die Studie zeigt, wie die Menschheit in evolutionären Fallen feststecken könnte. Dabei handelt es sich um Sackgassen, die sich aus ursprünglich erfolgreich Innovationen ergeben können. Zu den Sackgassen gehören die Vereinfachung der Landwirtschaft, wirtschaftliches Wachstum, das für Menschen und Umwelt keine Vorteile bringt, die Instabilität der globalen Zusammenarbeit, die Kipp-Elemente des Klimas und jene der KI. Laut Søgaard Jørgensen sind evolutionäre Fallen ein aus der Tierwelt wohlbekanntes Konzept.

"So wie viele Insekten vom Licht angezogen werden, also einem evolutionären Reflex, der sie in der modernen Welt töten kann, besteht auch für die Menschheit das Risiko, dass sie auf neue Phänomene in der schädlichen Art und Weise reagiert." Die Vereinfachung der Agrarsysteme sei beispielhaft. Das Vertrauen auf wenige hochproduktive Pflanzen wie Weizen, Reis, Mais und Soja habe bewirkt, dass die im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts hergestellten Kalorien sprunghaft angestiegen sind. Das Nahrungsmittelsystem sei sehr anfällig für Veränderungen der Umwelt geworden.

Besorgniserregende Bilanz

Von den 14 evolutionären Fallen befinden sich dem Fachmann nach zwölf bereits im fortgeschrittenen Zustand. Die Menschheit befände sich an der Schwelle, in einem Ausmaß stecken zu bleiben, bei dem es sehr schwierig werde, sich wieder zu befreien. Laut der Studie bewegen sich die Menschen bei zehn dieser 14 Fallen in die falsche Richtung. Besorgniserregend sei auch, dass diese evolutionären Fallen sich gegenseitig verstärken. Bleiben Gesellschaften in einer Sackgasse stecken, ist es wahrscheinlicher, dass das auch bei anderen der Fall sein wird, so der Experte.

Die Forschungsergebnisse bedeuten jedoch nicht, so die Studie, dass die Menschheit dazu verdammt sei, zu scheitern. Es sei jedoch nötig, dass sich die Gesellschaften aktiv transformierten. Bisher war das Anthropozän großteils ein unbewusstes Nebenprodukt anderer evolutionärer Vorgänge. Søgaard Jørgensen nach ist es an der Zeit, sich der neuen Lage bewusst zu werden und sich kollektiv in die Richtung zu bewegen, wohin sich die ganze Spezies entwickeln soll. Details sind in den "Philosophical Transactions of the Royal Society of London (B)" veröffentlicht.

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