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Fr, 29.05.2009 13:55
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pte20090529028 Forschung/Technologie, Politik/Recht

Fälschungen in der Wissenschaft weit verbreitet

Jeder Siebte verheimlicht ungünstige Ergebnisse
Nicht immer geht die Wissenschaft korrekt mit Ergebnissen um (Foto: pixelio.de/Rolf van Melis)
Nicht immer geht die Wissenschaft korrekt mit Ergebnissen um (Foto: pixelio.de/Rolf van Melis)

Edinburgh/Wien (pte028/29.05.2009/13:55) - Nicht immer nehmen es Wissenschaftler so genau mit der Wahrheit. Daten werden zurechtgebogen und verschönert, damit das Ergebnis stimmt. Manchmal sind Untersuchungen gar frei erfunden. Dieses heiß debattierte Phänomen hat Daniele Fanelli von der Universität Edinburgh http://www.ed.ac.uk in konkrete Zahlen gefasst. Er analysierte 18 internationale Untersuchungen, in der Forscher nach eigenem Fehlverhalten oder nach dem von Kollegen befragt wurden. Zwecks des besseren Vergleichs konzentrierte er sich auf Fälle, in denen Daten manipuliert wurden. Plagiate und andere Formen des Fehlverhaltens berücksichtige er somit nicht. Die in der Online-Ausgabe des Fachjournals Proceedings veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Datenfälschungen sind weit verbreitet.

Die schwersten Vergehen, auf die sich Fanelli konzentrierte, waren freies Erfinden, Fälschung oder Veränderung von Daten, um die Ergebnisse besser aussehen zu lassen. Zwei Prozent der Befragten Wissenschaftler gaben zu, das bereits mindestens einmal selbst getan zu haben, was angesichts der heiklen Fragestellung als konservative Schätzung gilt. Bei Kollegen hat immerhin jeder Siebte solches Verhalten beobachtet. Deutlich höher war der Anteil bei anderen Vergehen. Jeder Dritte hat laut eigenen Aussagen schon widersprüchliche Daten verheimlicht oder Details der Ergebnisse einfach nicht berücksichtigt, bloß weil ihnen das Bauchgefühl sagte, dass etwas nicht stimmen könnte. Namen von Kollegen fallen zu dieser Praxis sogar drei von vier Wissenschaftlern ein. Bei medizinischen und pharmazeutischen Forschern waren alle Formen des Fehlverhaltens am häufigsten.

"Was verwundert, sind weniger die Ergebnisse selbst, sondern die Tatsache, dass man sich heute noch darüber wundert", betont Ulrike Felt, Vorständin des Instituts für Wissenschaftsforschung der Universität Wien http://www.univie.ac.at/virusss im pressetext-Interview. Es gebe mehrere Anzeichen dafür, dass unlauteres Vorgehen im Vormarsch sei. "Anders als früher, fordern die Universitäten heute bereits von Studenten eine Unterschrift, dass sie ihre Abschlussarbeiten eigenständig und nach den Regeln der Kunst durchgeführt haben. Daneben müssen heute mehr denn je veröffentlichte Forschungsergebnisse wieder zurückgezogen werden." Letzteres sieht Felt in der Geschwindigkeit wissenschaftlicher Produktion begründet. "Die Konkurrenz schläft nicht. Man neigt daher dazu, lieber schnell zu publizieren und die Ergebnisse notfalls zurückzuziehen, als sich drei Wochen zur Prüfung ihrer Richtigkeit Zeit zu nehmen."

Wenn Forscher manipulierte Untersuchungen zur Veröffentlichung einreichen, sei selbst in Fachjournalen mit hohen Renommees eine genaue Überprüfung der Ergebnisse unmöglich, so Felt. "Die Personen, die über die Veröffentlichung entscheiden, suchen in der steigenden Flut eintreffender Papiere danach, was plausibel ist und dem Stand der Wissenschaft entspricht. Zeit und Geld zum tatsächlichen Nachprüfen gibt es nicht." Das könne zu spektakulären Skandalen führen wie etwa beim deutschen Materialphysiker Jan Henrik Schön. In vier Jahren schaffte er es auf über 100 Publikationen über bahnbrechende Resultate in angesehenen Zeitschriften und erhielt hohe Ehrungen, ehe man nachweisen konnte, dass die Forschungen erfunden waren. Schön wurde verurteilt, seine 25 Koautoren gingen jedoch frei aus. "Diese Koautoren hatten mit Schön stets nur über bearbeitete Daten gesprochen, verlangten jedoch nie Einsicht in die Daten. Zu hinterfragen ist hier der Hype, der das Prestige einer Zeitschrift auslöst, und wie sehr er die Menschen verändert", so die Wiener Wissenschaftsforscherin.

Die Praxis, Bösewichter zu beschuldigen um wieder Ordnung in der Welt der Wissenschaft vorzuspielen, sieht Felt als problematisch, da dadurch die notwendige Diskussion verhindert werde. Denn letztlich gehe das Fehlverhalten auf Tempo und Struktur der Gesellschaft zurück. "Die Rolle der Forschung hat sich verändert, da man sie zunehmend als Motor und Fundament der Wirtschaft hochstilisiert. Wettbewerb und Geschwindigkeit sind zentral und Wert hat nur mehr das, was zähl- und messbar ist, wozu es wissenschaftliche Indikatoren braucht. Damit erhöht sich der Druck auf die Forschung enorm, der Konkurrenzkampf nimmt zu. Gleichzeitig werden Anstellungen immer kurzfristiger." Auch die Praxis der Forschung passe sich schleichend diesen Anforderungen an. "Grenzüberschreitungen gibt es immer. Die Frage lautet, wie sehr diese in den Alltag wissenschaftlicher Arbeit vordringen", so Felt gegenüber pressetext.

(Ende)

Aussender: pressetext.austria
Ansprechpartner: Johannes Pernsteiner
Tel.: +43-1-81140-316
E-Mail:
pressetext.austria
   
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