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pte20190109020 Medizin/Wellness, Forschung/Technologie

Mythen machen Menschen zu Impfgegnern

Hystereseschleife führt laut einer aktuellen wissenschaftlichen Analyse zu unvernünftigem Verhalten


Impfkurve: Fakten zählen für viele nicht mehr (Foto: Feng Fu and Xingru Chen)
Impfkurve: Fakten zählen für viele nicht mehr (Foto: Feng Fu and Xingru Chen)

Hanover (pte020/09.01.2019/11:30) - Erfundene negative Geschichen erhöhen den Widerstand gegen Impfungen in der Bevölkerung. Laut Forschern des Dartmouth College http://dartmouth.edu lässt sich so erklären, warum es so schwer ist, die Zahl der Impfungen zu erhöhen - und das, obwohl mehr als ausreichend wissenschaftliche Beweise dafür vorliegen, dass Impfungen sicher und für die Gesundheit von großem Vorteil sind.

Krankheiten kommen zurück

Eine Hystereseschleife führt dazu, dass die Auswirkungen eines Einflusses auch dann noch beobachtet werden, wenn diese Eingangsgröße selbst längst nicht mehr besteht. Aus dem Grund können zum Beispiel die Arbeitslosenzahlen trotz einer sich erholenden Wirtschaft weiter hoch bleiben. Daher ist auch der Widerstand gegen Impfkampagnen - wie zum Beispiel gegen Grippe - groß. Laut Forschungsleiter Feng Fu spielt die Vergangenheit eine Rolle. Jetzt sei klar, dass mittels der Hysterese ein Teil dieses Mechanismus erklärt werden könne.

Die in den "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlichten Forschungsergebnisse sind laut den Verfassern die ersten ihrer Art, die zeigen, wie sich eine Hysterese auf die öffentliche Gesundheit auswirken kann. In Teilen Europas und Nordamerikas sind Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps und Keuchhusten aufgrund einer unzureichenden Durchimpfungsrate wieder zurückgekehrt. Die aktuelle Studie zeigt, wie frühere Probleme mit Impfungen die Entscheidungen von Menschen heute und auch in Zukunft beeinflussen.

Fakten ändern Verhalten nicht

Laut Erstautor Xingru Chen sind Fakten und logische Argumente nicht ausreichend, um diese Hysterese im menschlichen Verhalten zu überwinden. Die Hystereseschleife kann laut der Studie durch Fragen zu Risiken und Wirkung von Impfstoffen ausgelöst werden. Negative Erfahrungen oder Wahrnehmungen beeinflussen den Trend, wie Impfungen angenommen werden. Die Impfkurve bleibt in der Folge in der Hystereseschleife stecken.

Laut Fu bestimmt bei den Impfraten die Vergangenheit und die Zukunft. Dies bedeute bedauerlicherweise, dass viele Menschen unnötig leiden werden, wenn es nicht gelingt, einen Ausweg aus dieser Schleife zu finden. Die Studie bezieht sich bei ihren Aussagen auf die Impfungen gegen Keuchhusten in England und Wales für den Zeitraum von 1978 bis 1992. Es dauerte 15 Jahre bis sich die Impfrate von 30 Prozent wieder auf 91 Prozent erhöhte. Laut den Forschern sollte das unter idealen Bedingungen nur ein Jahr dauern.

(Ende)
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