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pte20110608027 Medien/Kommunikation, Handel/Dienstleistungen

Apple-Boykott: Financial Times umgeht iTunes

Verlag wehrt sich gegen 30-Prozent-Abgabe bei Abo-Einnahmen


Financial Times: Boykott von iTunes (Foto: FlickrCC/Kai Chan Vong)
Financial Times: Boykott von iTunes (Foto: FlickrCC/Kai Chan Vong)

London (pte027/08.06.2011/13:10) - Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times (FT) http://www.ft.com/home/uk wehrt sich gegen die restriktive Firmenpolitk, die Apple in seinem iTunes Store an den Tag legt. Um die neuen Bestimmungen, die Verleger ab dem 30. Juni dazu zwingen, 30 Prozent der Einnahmen aus ihren digitalen Abonnements an Apple abzutreten, zu umgehen, hat das Finanzblatt nun selbst die Initiative ergriffen und eine eigene Web-basierte App für Smartphones und Tablets entwickelt. Diese lässt sich ganz einfach über den Browser nutzen, ein Herunterladen via iTunes ist somit nicht mehr nötig.

"Wir sind nicht auf ein Kooperationsabkommen mit Apple angewiesen, um unsere digitale Vertriebsstrategie erfolgreich umsetzen zu können", gibt sich Rob Grimshaw, Managing Director der FT-Webseite, gegenüber dem Guardian selbstbewusst. Die Verhandlungen mit dem IT-Riesen aus Cupertino seien derzeit in einer Pattsituation festgefahren. Die Entwicklung einer eigenen App, die auch ohne iTunes auskommt, bezeichnet Grimshaw als eine "nüchterne, pragmatische Geschäftsentscheidung": "Wir schauen uns sehr genau an, was wir an Drittanbieter bezahlen. Ich halte es nicht für richtig, dass sich Apple ein Drittel des Umsatzes schnappt."

Unzufriedenheit bei Verlagen

Die FT ist bei weitem nicht das einzige Zeitungshaus, das sich mit der Geschäftspolitik von Apple nicht anfreunden kann. Laut Guardian-Bericht haben bereits mehrere Branchenvertreter damit begonnen, sich nach brauchbaren Vertriebsalternativen zum iTunes Store umzusehen. Bei der FT selbst hatte man schon im April damit gedroht, eventuell auf andere Vertriebskanäle auszuweichen, falls der iPad-Hersteller seine Abo-Politik nicht grundlegend überdenken sollte.

"Auch die deutschen Verlage sehen das Modell von Apple sehr kritisch", erklärt Erik Staschöfsky vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) http://www.bdzv.de auf Nachfrage von pressetext. Trotz dieses Umstandes versuche man aber dennoch, auf einer "partnerschaftlichen Ebene Lösungen zu finden". Die Entscheidung der FT, ihre Inhalte auch ohne die Unterstützung Apples digital vertreiben zu wollen, sei aber ein "starkes Zeichen der Unzufriedenheit aus der Branche", so Staschöfsky.

Kundeninfos an Apple

Dass sich die Verleger der FT gegen eine Kooperation mit Apple entscheiden haben, liegt vor allem an den neuen Richtlinien, die der aktuelle Marktführer im boomenden App-Geschäft Ende Juni in seinem iTunes Store installieren will. Demnach müssen Verlage bald nicht nur 30 Prozent ihrer digitalen Abo-Einkünfte abtreten, sondern auch wichtige Kundeninformationen, die auf diese Weise gesammelt werden, an Apple weiterzugeben. "Aus unserer Sicht wäre es ein klarer Rückschritt, wenn wir eine Vereinbarung eingehen, die uns den direkten Zugang zu unseren Lesern versperrt", betont FT-Managing-Director Grimshaw.

(Ende)
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