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pte20101210003 Medien/Kommunikation, Computer/Telekommunikation

Wer provoziert, erhält Follower

Mathematiker: "Gefühlsgemeinschaft aus dem Nirgendwo entsteht"


Zorniger Mann: Wer Kommentare will, darf nicht auf kuschelweich machen (Foto: pixelio.de/Hebgen)
Zorniger Mann: Wer Kommentare will, darf nicht auf kuschelweich machen (Foto: pixelio.de/Hebgen)

Wolverhampton/Bielefeld (pte003/10.12.2010/06:05) - Um viele Postings oder Follower zu erhalten, muss man andere provozieren. Denn Diskussionen im Internet sind dann lange, wenn sie negative Emotionen wecken. Das haben Forscher der Universität Wolverhampton http://www.wlv.ac.uk mit slowenischen Kollegen empirisch bewiesen. Sie analysierten dazu das Online-Diskussionsforum der BBC und sowie die Seite digg.com. "Wer viel diskutieren will, sollte nie mit 'Ich liebe das!' beginnen", resümiert Studienautor Mike Thelwall.

Unglück macht reaktionsfreudig

Die Forscher verwendeten spezielle Algorithmen, die Schlüsselwörter, Emoticons oder auch subtile sprachliche Signale wie etwa bewusst falsche Buchstabierungen ausfindig machten. Auf dieser Basis wurde automatisch ein Zufriedenheitswert für jedes Posting ermittelt. Je mehr Kommentare ein Thema erhielt, desto niedriger war in der Regel der gesamte Zufriedenheitswert. Besonders deutlich zeigte sich jedoch auch, dass lange Online-Diskussionen immer mit Negativ-Kommentaren begannen.

Querulanten schreiben gerne

"Provokante Thesen sind immer ein guter Weg, Aufmerksamkeit zu erlangen", bestätigt der Bielefelder Psychologe Fritz Ostendorf im pressetext-Interview. Darüber hinaus hängt die Reaktion auf ein Posting jedoch auch stark von der Persönlichkeit der Leser ab. "Bei Querulanten ist die Wahrscheinlichkeit weitaus höher, dass sie sich auf einen Streit einlassen." Zu weit soll man jedoch nicht gehen, rät der Psychologe. "Wenn ein Posting persönlich beleidigt, kann man dadurch auch den totalen Rückzug des anderen auslösen."

Der Studienautor Thelwall verweist hingegen auf die Selbstorganisation der User, die durch Provokationen entstehen. "Aus dem nirgendwo können sich so soziale Gruppen einer Gefühlsgemeinschaft generieren", so der Forscher.

(Ende)
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Ansprechpartner: Johannes Pernsteiner
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