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pte20081118023 Umwelt/Energie, Forschung/Technologie

Ozeanische Todeszonen breiten sich aus

Klimawandel führt zu drastischem Sauerstoffschwund

Der Erstickungstod droht allen höheren Lebewesen (Foto: Wolfgang Weitlaner)
Der Erstickungstod droht allen höheren Lebewesen (Foto: Wolfgang Weitlaner)

Kiel (pte023/18.11.2008/11:35) - Ein Forscherteam des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) http://www.ifm-geomar.de kommt zum Schluss, dass es durch den Klimawandel immer mehr Todeszonen in den Ozeanen geben wird. Neben der zunehmenden Versauerung der Ozeane werden sich zukünftig auch die sauerstoffarmen Zonen deutlich ausbreiten. In diesen Zonen wird kein höheres Leben mehr möglich sein, schließen die Forscher. Die Studienergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Global Biogeochemical Cycles" veröffentlicht.

"Wir sind bisher davon ausgegangen, dass der wesentliche Einfluss steigender CO2-Konzentrationen auf den Ozean in einer zunehmenden Versauerung des Meerwassers liegt", so Studienautor Andreas Oschlies vom IFM-GEOMAR gegenüber pressetext. "Nun konnten wir anhand von Modellstudien zeigen, dass der vom Menschen verursachte CO2-Anstieg auch drastische Auswirkungen auf die sauerstoffarmen Zonen tropischer Ozeane haben könnte." Die Untersuchungen zeigen eine Ausbreitung der Zonen mit sauerstoffarmen Wasser um bis zu 50 Prozent bis zum Ende dieses Jahrhunderts, führt der Wissenschaftler aus. Betroffen davon sind sehr fischreiche Regionen wie etwa vor Peru, vor der Küste Westafrikas, vor Namibia und im Arabischen Meer vor der Westküste Indiens.

"Das CO2 wirkt wie ein Dünger an der Meeresoberfläche. Das marine Plankton wird immer kohlenstoffreicher und zehrt damit beim Abbau mehr Sauerstoff als die herkömmliche proteinreiche Biomasse. Die starke Abnahme der Sauerstoffkonzentrationen in einigen hundert Metern Tiefe ist schließlich auf den bakteriellen Abbau absinkenden organischen Materials zurückzuführen", so der Forscher. "Die Todeszonen sind entsetzlich anzusehen", beschreibt Oschlies. "Kein Lebewesen, das mit freiem Auge sichtbar ist, überlebt das." Betroffen davon sind sowohl Muscheln als auch Schnecken, Krebse, Seesterne und andere Tiere, die nicht schnell genug flüchten.

"Unter solchen Bedingungen können nur Lebewesen überleben, die keinen Sauerstoff zum Überleben brauchen", schildert der Forscher. Dazu gehören zum Beispiel Bakterien, die statt Sauerstoff den Pflanzennährstoff Nitrat verwenden und damit zu einer Verringerung des marinen Nährstoffinventars beitragen.

Für die Studie benutzten die Experten ein globales Klimamodell mit Ozean, Atmosphäre und integrierten Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufen. Das Modell wurde mit Daten gefüttert, die aus Feldexperimenten mit so genannten Mesokosmen gewonnen wurden. Diese Mesokosmen, die wie überdimensionale Reagenzgläser anmuten, sind Versuchsanlagen, die es ermöglichen in Zeitrafferexperimenten, den Einfluss der zunehmenden Aufnahme von Kohlendioxid im Ozean unter realen Bedingungen zu studieren. Dringend benötigen die Forscher nun weitere Beobachtungsdaten, um die Modelle noch genauer zu machen.

"Die Todeszonen in den Ozeanen, wie sie etwa im Golf von Mexiko durch den Eintrag von großen Mengen an Düngemitteln bereits vorhanden sind, geben Aufschluss darüber, welche Auswirkungen die derart starke Abnahme der Sauerstoffkonzentration auf die marinen Lebensgemeinschaften in der Wassersäule und am Meeresboden hat", so der Wissenschaftler. "Wir haben in unseren Rechnungen zwar angenommen, dass die Menschen so weiter machen wie bisher, trotzdem hätten wir diesen Effekt nicht in diesem Umfang erwartet." Unter der Prämisse der Richtigkeit der Modellrechnungen und ohne deutliche CO2-Reduktion, werden sich diese "Todeszonen" in den Weltmeeren erheblich vergrößern, erklärt Oschlies abschließend im pressetext-Interview.

(Ende)
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